Neigung zu «riskantem Verhalten»

14. Mai 2018 19:56; Akt: 15.05.2018 00:23 Print

Junge Rollerfahrer sollen öfter kontrolliert werden

15- bis 17-Jährige bauen mit Mofas oder Rollern öfter schwere Unfälle. Experten fordern mehr Kontrollen. Kritiker halten das für «Schikane».

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In 60 Prozent der Fälle, in denen Jugendliche im Strassenverkehr schwer oder tödlich verletzt werden, ist laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung ein Mofa oder ein Roller im Spiel. Dies zeigt ein Bericht im neuen Sicherheitsdossier der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Die Gründe für das «riskantere Verhalten» der untersuchten 15- bis 17-Jährigen sehen die Experten in der Beeinflussbarkeit durch Gleichaltrige und beim Alkoholkonsum. Die Gründe für das «riskantere Verhalten» der untersuchten 15- bis 17-Jährigen sehen die Experten in der Beeinflussbarkeit durch Gleichaltrige und beim Alkoholkonsum. Die bfu fordert deshalb eine «Verstärkung der polizeilichen Kontrollen vor allem an Wochenendnächten». Zudem sei davon abzusehen, die Ausweiskategorie A1 für Motorräder bis 125 ccm statt von heute 18 auf 16 Jahre zu senken. Die Vorschläge stossen bei den Töff-Freunden auf Widerstand. «Verstärkte Kontrollen grenzen an Schikane und stellen jugendliche Fahrer unter Generalverdacht», kritisiert SVP-Nationalrat Walter Wobmann. Er verweist darauf, dass Schweizer Jugendliche in Europa die niedrigste Unfallrate aufwiesen. Deshalb sei es sinnvoll, die Kategorie der 125er-Töffs für 16-Jährige zu öffnen: «Töffs in dieser Kategorie sind durch ABS-System, grössere Räder und stabileres Fahrwerk deutlich sicherer als Roller.» (Symbolbild) Anders sieht dies Nationalrat Thomas Hardegger (SP). Er verspricht sich von häufigeren Kontrollen eine präventive Wirkung, hält aber auch fest, «dass die meisten Jugendlichen sehr verantwortungsbewusst fahren». Die Senkung der Alterslimite für 125er-Töffs lehnt er wie das bfu ab: «Für solche Töffs haben die Jugendlichen noch zu wenig Erfahrung.»

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Verunglückt ein Jugendlicher im Strassenverkehr schwer oder erleidet gar tödliche Verletzungen, ist meist ein Mofa oder ein Roller im Spiel: Laut einem Bericht im neuen Sicherheitsdossier der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) sind in «den letzten Jahren sechzig Prozent aller schwer und tödlich verletzten Jugendlichen mit einem Mofa oder Kleinmotorrad verunfallt.»

Bei 15- bis 17-jährigen Mofalenkern sind die Unfälle am häufigsten auf die Missachtung des Vortritts oder überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. Die jugendlichen Rollerfahrer dagegen bauen überwiegend Schleuder- und Selbstunfälle durch eine unangepasste Fahrweise oder überhöhte Geschwindigkeit.

Alkohol sorgt für «riskantes Verhalten»

Durchschnittlich sterben jährlich 4,6 Jugendliche auf Schweizer Strassen, 180 werden schwer verletzt. «Kilometerbezogen birgt das Mofafahren das zweithöchste, das Kleinmotorradfahren mit Abstand das höchste Risiko für schwere Personenschäden bei Jugendlichen», heisst es im Bericht. Die Gründe für das «riskantere Verhalten» der Jugendlichen sieht die bfu in «der stärkeren Beeinflussbarkeit durch Gleichaltrige und dem ab 16 Jahren erhältlichen Alkohol».

Aufgrund dieser Erkenntnisse empfiehlt das bfu eine «Verstärkung der polizeilichen Kontrollen vor allem an Wochenendnächten». Zudem halten es die Experten für unangebracht, die Zulassung für die Kategorie A1 (Motorfahrzeuge bis 125 ccm) von heute 18 auf 16 Jahre zu senken. Dies wird derzeit im Rahmen der Revision des Führerausweises diskutiert.

Bei den Töffreunden kommen die Vorschläge der bfu nicht gut an. Markus Lehner von der Schweizerischen Fachstelle für Motorrad spricht von einer «Polemik». «Man massregelt die Jugend, obwohl die Schweizer 15- bis 17-Jährigen im Strassenverkehr die niedrigste Unfallrate Europas aufweisen.»

«Schweizer Jugendliche weisen niedrigste Unfallrate in Europa auf»

Auch der SVP-Nationalrat Walter Wobmann kritisiert die Idee von verstärkten Polizeikontrollen. «Das grenzt an Schikane und stellt jugendliche Rollerfahrer unter Generalverdacht.» Mehr Kontrollen seien nicht angezeigt, gerade weil die Zahlen zeigten, dass im europäischen Vergleich Schweizer Jugendliche die niedrigste Unfallrate aufwiesen.

Auch von der Empfehlung des bfu, 125ccm-Töffs weiterhin erst ab 18 Jahren freizugeben, hält Wobmann nichts: «Töffs in dieser Kategorie sind durch ABS-System, grössere Räder und stabileres Fahrwerk deutlich sicherer als heute für Jugendliche erlaubte Roller.» Es mache daher Sinn, dass sie auch 16-Jährige fahren dürften. «Denn die Geschwindigkeit würde ja bei 75 km/h limitiert.»

«Mehr Kontrollen haben präventive Wirkung»

Anders sieht dies Nationalrat Thomas Hardegger (SP). Er verspricht sich von häufigeren Kontrollen eine präventive Wirkung. «Die meisten Jugendlichen fahren zwar seit dem strengeren Alkoholregime sehr verantwortungsbewusst, trotzdem kann eine Verstärkung der Kontrollen nicht schaden.» So könne man auch noch junge Fahrer von Kleinmotorrädern erreichen, die die Regeln noch leichtfertig überreizten.

Bei der Frage, ob die Kategorie der 125ccm-Töffs bereits ab 16 Jahren geöffnet werden soll, stellt sich Hardegger auf den Standpunkt des bfu: «Für solche Töffs haben die Jugendlichen noch zu wenig Erfahrung.» Auch wenn ein 16-Jähriger mit einem 125er-Töff nicht schneller fahren könnte als heute mit einem Roller, besteht für Hardegger ein Unterschied: «Das Fahrzeug ist deutlich schwerer und kann viel schneller beschleunigen.» Es sei sinnvoll, am heutigen abgestuften Verfahren festzuhalten: «Zuerst sollen die Jugendlichen auf dem Roller Erfahrungen sammeln, bevor sie auf leistungsstärkere Töffs umsteigen.»

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • andreas am 14.05.2018 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mehr kontrollen bei velos

    das ist klar eine diskriminierung. velofahrer gefährden nachweislich auch ofters aufgrund grobfahrlässiger missachtung der verkehrsregeln andere verkehrsteilnehmer. doch kontrollen gibt es nicht mehr, man hätte dann keine zeit zum parkbussen verteilen und blitzen.

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  • Müller am 14.05.2018 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Linker

    Klar fordert Hardegger mehr Kontrollen, er ist ja auch ein linker SP'ler. Bei den Velos und E-Bikes ist er aber ruhig, schon verdächtig, also geht es ihm doch nur Schikane gegen Motorradfahrer und das immer unter dem Deckmäntelchen Verkehrssicherheit.

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  • King Kong am 14.05.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alarm

    Ich würde sogar behaupten, dass 100% der im motorisierten Strassenverkehr verünglückten Jugendlichen entweder einen Roller oder ein Mofa fuhren, denn etwas anderes dürfen sie gar nicht fahren (sry Traktorfahrer). Nicht unerwähnt sein sollte auch, dass alle - und ich meine wirklich alle - verunglückten Jugendlichen Pneus bei ihren Fahrzeugen verwendeten. Experten sind alarmiert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Silvestri O. am 15.05.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Viele sind in diesem Alter einfach noch

    nicht reif. Trotz Grossmauligkeit und Arroganz. Daher sind massvolle Kontrollen gut. Ich würde vorschlagen, dass bei einem Unfall oder bei einem Verstoss/Busse, der Auto-Führerschein jedes Mahl um ein Jahr hinausgeschoben wird.

  • Blopi am 15.05.2018 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alt

    Letzens hatte ich ein altes paar vor mir im auto.... die fuhren so langsam, kurften immer wieder komisch rum, haben nie geblinkt oder auf andere geachtet... die hattens überhaupt nicht mehr im griff.. entweder sehschwäche oder einfach zu alt und überfordert, ich bin mir sicher die werden einen unfall verursachen wenn sie noch lange rumkurven..

  • Bartli am 15.05.2018 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Man sah es kommen

    Es geht ums Geld. Man wollte ja den Jugendlichen unbedingt solches Gefährt verkaufen. Mir unverständlich und zudem hochgradig verantwortungslos. Ist meine Meinung dazu

    • Werni M. am 15.05.2018 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bartli

      Bin ganz deiner Meinung! In unserer unmittelbarer Nachbarschaft fährt ein solcher Halbstarker einen Roller mit Lernfahrausweis. Es heult der Motor und es wird trotz 30-er Zone Vollgas gegeben. Ist ein Fall für den Psychologen da Anzeichen von Schwachsinn. Werde mal bei der Polizei vorbei gehen um ihn allenfalls vom Verkehr auszuschliessen.

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  • Toni am 15.05.2018 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegen Autofahrer

    Naja findes jedes Jahr immer wieder Fraglich die Kampanien für Motorradfahrer Augen offen halten, etc Aber sind wir mal ehrlich, wie viele Autofahrer missachten die Vortrittsregel und bringen einen Motorradfahrer in Gefahr... Von daher geht eher gegen diese vor.

    • Bartli am 15.05.2018 11:47 Report Diesen Beitrag melden

      Jeder gegen jeden

      Währen wir also mal wieder am Punkt "jeder gegen jeden". Merkt ihr was? Lasst euch doch nicht immer auf solche Diskussionen ein. Ist wie eine Pest. Sollte eigentlich nicht Socialmedia heissen, denn es wird der Bezeichnung auf die Art und Weise nicht gerecht. Immer das Gleiche praktisch bei allen Themen fast.

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  • LF1 am 15.05.2018 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kausalhaftung

    solange in der schweiz kausalhaftung herscht sprich der stärkere zahlt egal wie wo was war wird sich nix ändern. ich fahre auto früher selber ÖV chauffeur und was man da erlebt egal ob auto töff velo geht auf keine kuhhaut. jeder der grosse fahrzeuge fährt ob bus car lkw fährt anders weil er immer mit einem bein im gefängniss ist da sie zur gruppe der stärksten gehören und somit immer schuld sind.