Umfrage zur Sicherheit im ÖV

23. November 2012 18:18; Akt: 23.11.2012 18:18 Print

Nachts fährt die Angst mit

von D. Wild/L. Selmani - Unangenehme Situationen im öffentlichen Verkehr sind keine Seltenheit. Darum meiden viele 20-Minuten-Online-Leser bestimmte Zugstrecken oder Bahnhöfe, wie eine Umfrage zeigt.

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Angepöbelt, bedroht, beklaut: Die Mehrheit der 20-Minuten-Leser hat schon mindestens eine unangenehme Situation in öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht oder beobachtet. Das zeigt eine nicht repräsentative Umfrage mit über 6000 Teilnehmern. Besonders in der Nacht fühlen sich viele unwohl, manche meiden gar bestimmte Zugstrecken und Bahnhöfe. Ist der Ruf nach mehr Sicherheitspersonal oder strengeren Regeln wie einem nächtlichen Alkoholverbot berechtigt?

Fast ein Drittel der Umfrage-Teilnehmer ist im Zug oder am Bahnhof schon einmal bedroht worden, knapp 12 Prozent physisch angegriffen und 20 Prozent geben an, schon einmal sexuell belästigt oder bedrängt worden zu sein. Die meist gewählten Reaktionen auf die unangenehme Situation sind: Die verbalen Angriffe ignorieren (66 Prozent), sich mit Worten wehren (29 Prozent) oder sich wegsetzen (30 Prozent). Es gibt gar Leser, die kurzerhand aus dem Zug aussteigen, wenn es ihnen zu bunt wird (19 Prozent).

Das Sicherheitspersonal wird selten gerufen

Dasselbe gilt, wenn die Leser Zeuge einer unangenehmen Situation werden (das trifft auf knapp zwei Drittel der Umfrage-Teilnehmer zu). Die meisten versuchen, dem Streit so gut es geht auszuweichen. Doch hier scheinen Männer anders zu reagieren als Frauen: Während sie eher zurückpöbeln, den Angreifer mit Worten zurechtweisen oder gar selbst körperliche Gewalt anwenden, weichen Frauen aus und verlassen den Zug.

Die Zahlen zeigen: Auch wenn es bei harmlosen Wortgefechten oder kurzen Pöbeleien bleibt – unangenehme Situationen sind in öffentlichen Verkehrsmittel offenbar keine Seltenheit. Nun werden Stimmen laut, die striktere Regeln fordern. CSP-Nationalrat Karl Vogler verlangt ein nächtliches Alkoholverbot, die EVP Zürich fordert ein generelles Alkoholverbot in den Verkehrsmitteln der ZVV, die Vereinigung Pro Bahn will die «Partyzone Bahnhof» bekämpfen. Zu recht?

Ändert eh nichts

Die Meinungen der Umfrage-Teilnehmer gehen auseinander: Rund 45 Prozent sind gegen ein Alkohol-Verbot. 17 Prozent hingegen würden ein nächtliches Verbot unterstützen und 34 Prozent gar ein generelles. Doch auch wenn viele Leser striktere Regeln fordern – an deren Wirkung glaubt nur die Minderheit: 60 Prozent geben an, dass ein Verbot vermutlich nicht viel oder sogar gar nichts ändern würde.

Auch die Feststellung, dass nicht genug Sicherheitsleute präsent ist, teilt die Leserschaft: Rund 53 Prozent denken, dass es viel zu wenig uniformierte Zugbegleiter gibt. Obwohl die wenigsten bei einer unangenehmen Situation das Sicherheitspersonal rufen (knapp 4 Prozent), setzen die Leser ihre Hoffnungen eher in die Zugbegleiter als in ein Alkoholverbot: Rund 65 Prozent glauben, dass Uniformierte Streit schlichten oder verhindern können. Blechen will dafür aber kaum jemand. Nur ein Fünftel der Teilnehmer würde tiefer in die Tasche greifen, die Mehrheit spricht sich gegen höhere Kosten aus.

Die Umfrage zeigt: Das Bedürfnis nach mehr Sicherheit in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist zwar vorhanden, jedoch scheinen die Zustände in den Zügen und an den Bahnhöfen nicht so katastrophal zu sein, wie die Forderungen nach einem Alk-Verbot suggerieren. Rund 70 Prozent der Leser geben denn auch an, sich ziemlich bis sehr sicher zu fühlen. Nur in der Nacht fühlen sich viele Umfrage-Teilnehmern (knapp der Hälfte) unbehaglich.

Dabei betrifft die Angst, angepöbelt, beklaut oder belästigt zu werden, oft bestimmte Bahnhöfe und Zugstrecken. Rund 60 Prozent geben an, sich an einem oder mehreren Bahnhöfen oder auf einer oder mehrerer Zugstrecken besonders unsicher zu fühlen. Rund ein Fünftel der Befragten bleibt diesen Orten gar fern. Welche Bahnhöfe und Zugstrecken besonders unbeliebt sind, sehen Sie in der Bildstrecke.

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