Aus für Zuschlag?

12. Oktober 2017 05:50; Akt: 12.10.2017 07:06 Print

Nachts sollen Züge und Busse fahren wie am Tag

von Stefan Ehrbar - Das grösste Nachtnetz der Schweiz soll noch grösser werden. Der Nachtzuschlag steht zur Diskussion. Auch Bern und Basel wälzen Ausbaupläne.

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Das Nachtnetz des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) erstreckt sich über mehrere Kantone und transportiert in einer durchschnittlichen Wochenend-Nacht über 15'000 Leute. Nun soll es deutlich ausgebaut werden. Dem ZVV schwebt vor, dass die Nachtzüge und -busse ähnlich fahren sollen wie tagsüber. Heute besteht das Nachtnetz aus sieben stündlich fahrenden Nachtzuglinien. Zudem fahren Nachtbuslinien im Umland stündlich, in der Stadt Zürich alle 30 Minuten.

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Sollen nachts mehr Züge fahren?

Eine Angleichung ans Tagesnetz würde mehr Linien und häufiger verkehrende Züge und Busse bedeuten. Zum Vergleich: Das Tagesnetz des ZVV besteht aus 28 S-Bahn-Linien, die alle 30 Minuten fahren. Die Ausbaupläne, die der ZVV für den Zeitraum ab 2021 prüft, begründet Sprecher Caspar Frey damit, dass das heutige System an seine Grenzen stosse.

Nachtzuschlag auf Prüfstand

Alle städtischen Nachtbuslinien träfen etwa zur selben Zeit am Bellevue zusammen. Dasselbe gelte für die Nacht-S-Bahnen am Hauptbahnhof. «Ein Ausbau des Nachtnetzes ist eigentlich nur noch möglich, wenn die Strukturen grundlegend überdacht werden.» Der Ausbau könnte mit einem ausgedünnten Tagesangebot erreicht werden, sagt Frey. Bevor sich der ZVV an die Planung des neuen Netzes macht, muss der Kantonsrat die Strategie genehmigen.

Mit den Ausbauplänen soll auch der heute existierende Nachtzuschlag von 5 Franken geprüft werden. Ein neues Konzept würde neue Überlegungen zur Finanzierung verlangen, sagt ZVV-Sprecher Frey. Heute muss das Nachtnetz kostendeckend betrieben werden. «Eine Neubeurteilung würde bedeuten, dass die Kriterien Kostendeckung und Nachtzuschlag überprüft werden. Schliesslich sind das die zentralen Punkte bei der Finanzierung.» Zurzeit stehe der Nachtzuschlag aber noch nicht zur Diskussion.

Weiterhin nur am Wochenende

Nach wie vor soll das Nachtnetz nur am Wochenende und vor Feiertagen in Betrieb sein. Unter der Woche wird ein Angebot bis nach Mitternacht angeboten, danach finanziert es der Kanton nicht mehr. Die Kosten für einen 24-Stunden-Betrieb wären hoch. Auf Ende 2017 und Ende 2018 führen die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) etwa je einen neuen letzten Kurs auf den Buslinien 46 und 62 vor 1 Uhr ein. Das kostet 80'000 Franken im Jahr – und ist nur dank der hohen Auslastung möglich.

Ähnlich verfährt Bern. Ab Dezember werden Trams und Busse, die über den Bahnhof verkehren, eine Stunde länger fahren. Da es sich um einen Ausbau des fahrplanmässigen Angebots handelt, werde er durch den Kanton Bern finanziert, sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer. Auch dieser Ausbau ist auf die Nächte vor dem Samstag und dem Sonntag beschränkt. Sollten neue Nacht-Verbindungen ins Auge gefasst werden, müssten sie primär über den Ausbau des regulären Angebots eingeführt werden, sagt Meyer.

Auch der Tarifverbund Nordwestschweiz betreibt ein Nachtnetz mit Bus- und Tramlinien und Nachtzügen an Wochenenden. Im Gegensatz zu anderen Nachtnetzen muss im Netz rund um Basel kein Nachtzuschlag bezahlt werden. Zurzeit sei ein Ausbau kein Thema, sagt Marc Keller vom Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt. «Mittel- bis langfristig steht der Kanton Basel-Stadt einer Optimierung des Nachtnetzes aber offen gegenüber.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman am 12.10.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher nöd

    Ach kommt schon. Bleibt mal schön auf dem Boden. Natürlich muss dann preislich alles beim Alten bleiben, oder? Wer soll dann die Personal-/ und Treibstoffkosten bezahlen? Das ganze Material muss früher ersetzt werden...Züge und Busse fahren mit einem Passagier rum? Wie war das mit dem Verursacherprinzip??

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  • dz am 12.10.2017 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein danke

    danke den trams wird mann bei einem ausbau dann die ganze nacht vom schienenlärm geplagt.

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  • Freddy am 12.10.2017 06:11 Report Diesen Beitrag melden

    Kostendeckung

    Der ÖV sollte generell kostendeckend sein, es sei denn es besteht ein nationales Interesse daran, dass z.B. die Pendler günstig zur Arbeit kommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Juma am 13.10.2017 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Zuschläge abschaffen

    Der ganze ÖV ist schon teuer genug, auch ohne Zuschläge! Postautoverbindung in die 7km entfernte Stadt und wieder retour kostet 10,40.-

  • alwo am 13.10.2017 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wer benutzt diesen ÖV

    Wer soll eigentlich die täglichen Leerfahrten bezahlen. Die Tarife vom ÖV sind am Limit. Solche Luxusangebote müssen dem Nutzer übertragen werden.

  • Kurt am 13.10.2017 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für was?

    Hört auf damit. Die Leute sollen sich organisieren wenn sie im Ausgang sind. Entweder mit dem letzten oder mit dem ersten ÖV nach Hause.

  • Mil Mil am 13.10.2017 02:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eher nicht

    Nein aber ein zusätzlicher Bus/Zug zwischen 04.00-05.30 wäre sinnvoll. Je nach Wohnort fährt der letzte Bus um 04.00, wenn man diesen verpasst dann muss man auf den ersten um 05.30 warten....

  • Md am 12.10.2017 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachzuschlag

    Nachzuschlag: Sorry aber den abzuschaffen wär ne Katastrophe. Die zvv/sbb verdient ja mehr an den Bussen für vergessenen nivhtbezahltem nachzuschlagen als am nachtzuschlag selbst.