Zu wenig Passagiere

09. Mai 2013 18:31; Akt: 09.05.2013 18:31 Print

Nachtzüge sollen wieder in den Süden fahren

von Antonio Fumagalli - In Zürich einschlafen und in Rom oder Barcelona wieder aufwachen - wegen der Billigflieger-Konkurrenz ist dies nicht mehr möglich. Eine grüne Politikerin kämpft nun für ein Revival der Nachtzüge.

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Wer das Mittelmeer mag und gerne per ÖV in die Ferien reist, dürfte mit ihnen nostalgische Gefühle verbinden: Nachtzüge, bei denen einem bei der Abfahrt noch ein kühles Lüftchen und bei der Ankunft die warme Meeresbrise entgegenbläst. Doch diese geruhsame Art des Reisens in den Süden gehört spätestens seit dem vergangenem 7. Dezember der Vergangenheit an - dann fuhr der letzte Euronight-Zug mit dem klingenden Namen «Pau Casals» nach Barcelona. Die Nachtzug-Verbindung nach Italien wurde bereits im Dezember 2009 eingestellt.

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Grund für den radikalen Schritt waren wirtschaftliche Faktoren: In Zeiten von Easyjet, Ryanair und Co. können Sonnenhungrige innert Stunden und vor allem viel günstiger Destinationen im Süden erreichen. Einen Flug nach Barcelona gibt es ab rund 50 Franken, die nun eingestellte Nachtzugverbindung kostete ein Mehrfaches davon. Laut SBB-Sprecherin Lea Meyer hat es zuletzt zwischen der Schweiz und Barcelona gerade mal noch 300 Reisende pro Monat gegeben - Betreiberin der Verbindung war allerdings ohnehin die spanisch-französische Firma Elipsos.

Doch nun kriegt die Eisenbahn politischen Rückenwind: Die grüne Nationalrätin Aline Trede will in einer Interpellation vom Bundesrat wissen, welche Strategie er bei den Nachtzugverbindungen verfolgt. «Der Bund investiert viel Geld in die Bahninfrastruktur. Er soll sich aber auch dafür einsetzen, attraktive internationale Zugverbindungen sicherzustellen.» Trede, die aus Überzeugung nie innerhalb von Europa fliegt, ist sicher: Um die vom Bundesrat geplante Energiestrategie 2050 wirksam umsetzen zu können, braucht es Druck auf die Bahnbetreiber und allenfalls die Verkehrsministerien der betroffenen Länder.

Erfolgreiche City Night Line

Beim Bundesrat dürfte sie damit aber auf taube Ohren stossen. In seiner Antwort auf einen ähnlichen Vorstoss von SVP-Nationalrat Oskar Freysinger aus dem Jahr 2009 sagte er, dass er «nicht mehr unmittelbar in die operativen Belange der SBB» eingreifen könne, seit diese in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft umgewandelt worden sind. Das Nachtreiseangebot der SBB habe einen jährlichen Verlust von drei Millionen Franken eingefahren. Kurz: Die Verbindung nach Italien habe sich schlicht nicht mehr rentiert.

Dass es auch anders geht, zeigt die City Night Line. Täglich verkehren die Nachtzüge der hundertprozentigen Deutsche-Bahn-Tochter nach Deutschland, Dänemark, Tschechien und in die Niederlande. Und dies offenbar durchaus erfolgreich: Laut Angaben der Zweigstelle Zürich betrug die durchschnittliche Auslastung der City-Night-Line-Verbindungen ab der Schweiz im Jahr 2012 durchschnittlich 70 Prozent.

«Fehlender Willen zur Zusammenarbeit»

Dass ausgerechnet die Linien in den Süden defizitär waren, erstaunt Kurt Schreiber nicht. Der Präsident von Pro Bahn, der Interessenvertretung der Schweizer ÖV-Kunden, ortet bei der italienischen Staatsbahn «fehlenden Willen zur Zusammenarbeit». Die Bähnler hätten schlicht kein Interesse daran gehabt, die Züge zu rangieren. Hinzu komme das veraltete Rollmaterial, das anspruchsvolle Kunden abgeschreckt habe. Bei der Barcelona-Verbindung sei der Preis schlicht zu hoch gewesen, um in Konkurrenz mit dem Flugzeug bestehen zu können.

Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer für Schweizer Spanien-Liebhaber, die per ÖV anreisen wollen: Bei den SBB sind Pläne in der Schublade, ab dem Fahrplanwechsel im kommenden Dezember wieder eine direkte Zugverbindung zwischen Genf und Barcelona anzubieten. Ob das Vorhaben tatsächlich zustande kommt, ist noch unsicher. SBB-Sprecherin Meyer sagt aber: «Wir arbeiten zusammen mit der französischen Staatsbahn mit Hochdruck daran.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franco N am 12.05.2013 00:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euronight luna gerne wieder

    Ich war 2 mal nach rom mit zug ,war sehr gut ! Gerne wieder

  • Peter G. am 10.05.2013 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Selber kaputt gemacht..

    Die eingestellten Nachtzüge wurden von den Bahngesellschaften zu Tode geritten. Der Luna aus Rom war immer mit Geschäftsleuten voll, weil morgens früh in Zürich. Dann wurde er von den SBB via Wallis gezogen und war erst am späteren Morgen in Zürich. Für Geschäftsleute keine Alternative mehr und der Zug somit leer.

  • Marcel am 09.05.2013 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    Viel zu kompliziert...

    Ein Flugticket nach irgendwo ist in knapp 3 Minuten gekauft. Ein Bahnticket kann z.T. nur am Schalter (wo gibts den noch) gelöst werden, mit 1000 Optionen, Zuschlägen und anderen Widrigkeiten. Mich interessiert als Kunde keinen Deut, weshalb das so ist. Wo ein Will des Anbieters da ist, ist auch ein Weg, den Ticketkauf einfacher zu machen. Bis dahin fliege ich lieber. Ökologie ist eines von vielen Kaufkriterien, für eine Grüne halt das einzige :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Franco N am 12.05.2013 00:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euronight luna gerne wieder

    Ich war 2 mal nach rom mit zug ,war sehr gut ! Gerne wieder

  • Lea Hürlimann am 11.05.2013 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    ja bitte!

    Ein Direktzug nach Barcelona wäre super! Bin kürzlich tagsüber und mit 3 mal Umsteigen gefahren, auch drei mal teurer als per Flugzeug - das ist es mir aber wert - aber mühsam mit Verspätungen und verpassten Anschlusszügen!

  • BLS Lokführer am 10.05.2013 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    Südexpress Irun Lisboa

    Mit TGV Olten Paris Irun In den Blauen Schlafwagen Super Nachtessen im Speisewagen und am Morgen schön gefrühstückt.4 Mal war ich mit diesem Nachtzug unterwegs.Jetzt gibt es nur noch der Talgonachtzug.

  • Peter G. am 10.05.2013 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Selber kaputt gemacht..

    Die eingestellten Nachtzüge wurden von den Bahngesellschaften zu Tode geritten. Der Luna aus Rom war immer mit Geschäftsleuten voll, weil morgens früh in Zürich. Dann wurde er von den SBB via Wallis gezogen und war erst am späteren Morgen in Zürich. Für Geschäftsleute keine Alternative mehr und der Zug somit leer.

  • Michael Husse am 10.05.2013 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Busfahren

    Nachtzug? Wenn man sparen will kann man ja gleich Bus Fahren. Kostet nur 33 (ab Zürich nach Berlin) (bei Meinfernbus)