Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Keine Chance für SVP
04. Dezember 2012 07:53; Akt: 04.12.2012 13:19 Print
Nationalrat klar gegen Volkswahl der Regierung
«Sie pfeifen mit Ihren Argumenten aus dem letzten Loch», wetterte SVP-Präsident Toni Brunner – und konnte doch nicht überzeugen: Der Nationalrat lehnt die Volkswahl des Bundesrates klar ab.
110'000 Unterschriften reichte die SVP im Sommer 2011 ein - doch das Parlament will nichts von einer Volkswahl des Bundesrates wissen. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)
-
35 zu 6 Stimmen: Der Ständerat ist gegen Volkswahl des Bundesrats
-
SVP-Vorstoss chancenlos: Ständeräte gegen Volkswahl des Bundesrats
-
Poll des Tages: Den Bundesrat direkt wählen? Nein danke!
-
Kein zweiter Sitz: «SVP schiesst mit der Initiative ein Eigentor»
-
SVP-Initiative: Bundesrat will sich nicht vom Volk wählen lassen
Der Nationalrat debattierte am Dienstagvormittag über die Volksinitiative der SVP für eine Volkswahl des Bundesrates. In der Abstimmung folgte die Grosse Kammer den Entscheiden von Ständerat und Bundesrat und lehnte das Volksbegehren klar mit 128:43 Stimmen ab. Selbst in den Reihen der SVP gab es Enthaltungen.
Vorangegangen war eine stundenlange Debatte mit 38 Rednern. Die SVP will mit ihrer Initiative die sieben Bundesratsmitglieder alle vier Jahre vom Volk wählen lassen, nach dem Majorzverfahren. Die Schweiz wäre dabei ein einziger Wahlkreis, wobei zwei Bundesratsmitglieder aus der lateinischen Schweiz stammen müssten.
SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli
Christoph
Mörgeli
SVP, ZH
NationalratVerbunden mit
Keine Interessenbindungen vorhanden
weitere Verbindungen anzeigen erinnerte die Linke daran, dass die SP einst selber das Motto «Volkswahl ist Volkswohl» geprägt habe. Der Zürcher verwies auf die Kantone, in denen die Regierung auch direkt durch das Volk gewählt wird. «Niemand, in keinem Kanton, will dies heute ändern.» Mit einer Volkswahl des Bundesrates könne die Demokratie auf Bundesebene vervollständigt werden. Wäre die Bundesversammlung nicht mehr Bundesrats-Wahlgremium, könne sie sich auf ihre Grundaufgabe zurückbesinnen, auf die Gesetzgebung. «Bundesrat und Parlament wären gleichgestellt.»
Auf permanenten Wahlkampf verzichten
Es sei nicht so, dass er dem Volk keine Volkswahl zutraue, erwiderte BDP-Präsident Martin Landolt
Martin
Landolt
BDP, GL
NationalratVerbunden mit
SEAT Volley Näfels
weitere Verbindungen anzeigen. «Das Volk hat in der Schweiz schon so viel zu sagen wie in kaum einem anderen Land.» Seine Partei sehe einfach keinen Handlungsbedarf, am bewährten System zu rütteln. «Dass es dem Land so gut geht, hat auch mit der politischen Stabilität zu tun.»
CVP-Nationalrat Gerhard Pfister
Gerhard
Pfister
CVP, ZG
NationalratVerbunden mit
Ägerisee Schifffahrt AG, Oberägeri
weitere Verbindungen anzeigen stellte die Argumentation der SVP, mit der Volkswahl steige die Qualität der Regierung, in Frage. Auch er könne sich bessere Bundesräte vorstellen, aber die Volkswahl scheine ihm nicht das geeignete Mittel, dies zu gewährleisten, schon gar nicht zu garantieren, so der Zuger. «Denn sonst würde es ja in den kantonalen Regierungen nur so wimmeln von politischer Exzellenz und Kompetenz, was ebenfalls schwierig nachzuweisen wäre.» Die Schweiz würde also nicht bessere oder schlechtere Bundesräte bekommen – dafür einen dauernden Wahlkampf. «Darauf können wir verzichten.»
Brunner hörte nur absurde Gegenargumente
SP-Nationalrat und Politologe Andreas Gross erinnerte als Kommissionssprecher daran, wieso die Schweizer Gründerväter 1848 das Parlament zum Wahlgremium machten: «Man wollte ganz bewusst keine Annäherung an die Monarchie oder an ein Präsidialsystem, sondern die Unterordnung der vollziehenden Behörde, der Exekutive, unter die oberste gesetzgebende Gewalt.» Nun wolle die SVP, dass der Bundesrat mit dem Volk regiere, ohne Rücksicht auf Parteien und Parlament. «Das ist ein anderes Demokratieverständnis als das, welches wir bisher in der direkten Demokratie haben.»
Als einer der letzten trat SVP-Präsident Toni Brunner
Toni
Brunner
SVP, SG
NationalratVerbunden mit
Verband Stahl-, Metall- und Papier-Recycling (VSMR) Schweiz
weitere Verbindungen anzeigen ans Rednerpult – und attackierte die Gegner der Initiative scharf: «Sie pfeifen mit Ihren absurden Argumenten aus dem letzten Loch!» Von einem Dauerwahlkampf wollte der St. Galler nichts wissen: Die Volkswahl des Bundesrates würde gleichzeitig mit den Parlamentswahlen stattfinden – also wäre laut Brunner eh schon Wahlkampf. «Und ein Bundesrat, der vier Jahre lang Wahlkampf betreiben würde, statt zu arbeiten, würde abgestraft und nicht wieder gewählt.»
«Aufgaben des Bundesrates würden leiden»
Justizministerin Simonetta Sommaruga hingegen appellierte an die Nationalräte, die institutionelle Aufgabenteilung beizubehalten: «Es ist richtig, dass das Parlament dem Bundesrat übergeordnet ist und ihn kontrolliert.» Die SP-Bundesrätin warnte davor, dass es einen beträchtlichen Aufwand für die Kandidaten bedeuten würde, im ganzen Land bekannt zu werden.
Den Vergleich mit den Regierungsratswahlen in den Kantonen hält Sommaruga für irreführend: Bundesräte hätten eine vollere Agenda, weil sie sich nicht nur um die Beziehungen zu den 26 Kantonen, sondern auch zu ausländischen Ministerkollegen kümmern müssten. «Käme da für uns noch ein nationaler Wahlkampf alle vier Jahre hinzu, würden andere Aufgaben leiden.»
Kein Gegenvorschlag
Eine rot-grüne Minderheit war gegen die Initiative und setzte auf einen direkten Gegenvorschlag für die Vergrösserung des Bundesrates von heute sieben auf neun Mitglieder. Der Grüne Balthasar Glättli
Balthasar
Glättli
GPS, ZH
NationalratVerbunden mit
Verein OneGov.ch
weitere Verbindungen anzeigen brachte eine dritte Variante ins Spiel: Volkswahl plus Aufstockung. Doch die linken Anliegen waren ebenso chancenlos wie die SVP-Initiative: Mit 120:61 Stimmen entschloss der Nationalrat, auf einen Gegenvorschlag zur Initiative zu verzichten.
(hhs)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 199 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt


















direkte Demokratie
Nur dann wäre es ein direkte Demoktratie und auch die Konkordanz wäre gewährleistet (wie vom Parlament beschlossen!). Splitterparteien mit wenig Wählerstimmen hätten dann im BR nichts mehr zu suchen.....
Logisch ist der Nationalrat dagegen
Schon mal ein Politiker gesehen der sich auch nur einen Funken Macht wegnehmen lässt ? Heist ganz einfach, die Macht die ein Politiker hat nutzt er bis aufs letzte aus und gibt sie nie mehr her. Daher kämpf ich auch gegen alles, was die direkte Demokratie einschränken könnte.
lang leben die heuchler
ist es ein zufall das die parteien ,die auf grund ihres geringen wähleranteils in der schweiz nie im leben jemanden in den bundesrat bekämmen am meisten dagegen sind! also demokratie solange ich damit bekomme was ich will! schon klar!