Mangelerscheinungen

03. März 2016 11:19; Akt: 03.03.2016 17:55 Print

Neo-Veganer essen sich krank

von B. Zanni - Veganismus liegt im Trend, doch viele kompensieren die fehlenden tierischen Produkte ungenügend. Die Vegane Gesellschaft Schweiz will aufklären.

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Wer keine tierischen Produkte isst, droht ohne Vitaminzusätze in eine Mangelernährung zu rutschen. (Bild: Colourbox)

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Statt Fleisch kommt Tofu auf den Teller, die Pizza ist mit Hefeflocken überbacken, und im Kuchen hat es Eierersatzpulver. Die Gruppe der Menschen, die Fleisch, Fisch, aber auch alle anderen tierischen Produkte wie Milch, Eier oder Honig ablehnen, wächst. Die Vegane Gesellschaft Schweiz schätzt, dass sich die Zahl der Veganer in den letzten zehn Jahren von 20'000 auf 80'000 vervierfacht hat – Tendenz steigend.

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Der Hype birgt aber auch Gefahren. Selbst die Vegane Gesellschaft warnt davor, sich dem Veganismus zu verschreiben, ohne sich seriös zu informieren. «Schlecht informierte Veganer drohen in eine Mangelernährung zu schlittern», sagt Sprecherin Cristina Roduner.

Es mangelt an Vitamin B12

Es bestehe grosser Aufklärungsbedarf. In veganen Produkten sei der Gehalt von Vitamin B12 zu gering (siehe Box). «Einigen Veganern ist immer noch nicht bewusst, dass sie ohne zusätzliches Vitamin B12 in eine Mangelernährung rutschen», so Roduner. Sie berichtet von Veganern, deren Bluttests viel zu tiefe Vitamin-B12-Werte nachwiesen.

Auch Ärzte bekommen es zunehmend mit Veganern zu tun: «Seit der Veganismus boomt, stellen wir immer wieder Fälle von Mangelernährung fest», sagt Philipp Gerber, Oberarzt für klinische Ernährung am Universitätsspital Zürich. Die Betroffenen halten zudem die Apotheken auf Trab. «In letzter Zeit haben wir immer mehr Kunden, die sich vegan ernähren und über Müdigkeit beklagen», sagt Maria Neuhäusler, Apothekerin in der Bahnhof Apotheke im Hauptbahnhof Zürich. Müdigkeit sei ein erstes Symptom für eine Vitaminunterversorgung.

Amnesien und Depressionen

Laut den Experten merken Veganer die Verluste oft lange nicht. «Viele Mangelernährungen entdecken wir bei einer Kontrolle per Zufall», sagt Oberarzt Gerber. Die Folgen können gravierend sein: Laut Gerber haben viele Mängel einen längerfristig negativen Effekt auf die Gesundheit. «Ein lange unbehandelter Kalzium- und Vitamin-D-Mangel etwa kann dazu führen, dass die Knochendichte abnimmt und man deshalb leichter Frakturen erleidet.»

Valentin Salzgeber, Mitarbeiter des Gesundheitsteams der Veganen Gesellschaft Schweiz, sagt, dass Müdigkeit und Blassheit durch Blutarmut erste Folgen seien. Weiter nennt er Schädigungen des Nervensystems. «Die Betroffenen spüren ein Kribbeln in den Gliedern und haben Missempfindungen.» Gipfeln könnten die Symptome in Amnesien, Wesensveränderungen und Depressionen. «Im schlimmsten Fall sind die Schäden irreversibel.»

Veganer wehren sich gegen Schulmedizin

Die Veganer rutschen aber nicht nur aus blossem Unwissen in eine Mangelernährung. «Einige Veganer sind leider gegenüber der Schulmedizin und Forschung negativ eingestellt», sagt Roduner. Sie hielten nichts von Zusatzpräparaten. «Sie sehen darin etwas Künstliches und behaupten, die Pharmaindustrie wolle nur Geld machen.» Oft rieten diese Veganer anderen von Vitaminzusätzen ab. «Oder sie empfehlen zur Kompensation Sauerkraut und Sanddorn.» Seriöse Studien bestätigten jedoch, dass es in diesen Lebensmitteln kein Vitamin B12 habe.

Maria Neuhäusler versorgt die Betroffenen mit Vitamin-B12-Kapseln, veganem Kräutersaft mit Eisen oder Multivitaminpräparaten. Letztere seien aber weniger gefragt – «weil sie nicht vegan hergestellt sind». Philipp Gerber macht darauf aufmerksam, dass der Nährstoffbedarf individuell sei. Veganern rät er deshalb zum regelmässigen Kontakt mit einer Ernährungsberatung und einem Hausarzt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Muskelberg am 03.03.2016 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    vegi...

    Merkwürig... dabei sprechen Veganer doch ununterbrochen über ihre Ernährung. Mal bisschen besser informieren :-) Man kann Fleisch auch mit Verstand essen.

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  • Inge am 03.03.2016 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für Kinder absolutes No Go

    Mir ist egal was ein Erwachsener Mensch isst ,oder nicht isst, aber wenn Kinder Mangelernährt werden weil die Eltern es für gut befinden das grenzt für mich an Körperverletzung.

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  • Reiner Zufall am 03.03.2016 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wundert's

    Einseitige Ernährung ist halt auf Dauer mit dem Leben nicht vereinbar. Da müssen alle möglichen Mängel ständig irgendwie kompensiert werden. Was solch eine Ess-Modeströmung soll, ist nicht nachvollziehbar!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Phro am 03.03.2016 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Veganes Schnitzel und so

    Vorweg: ich esse fast alles. Ich ernähre mich nicht besonders gesund obwohl ich es als Ärztin besser weiß, aber ich bin nicht konsequent genug in der Umsetzung. Die meisten Vegetarier und Veganer erlebe ich als sehr diszipliniert, das bewundere ich. Die meisten setzen sich auch mehr mit Ernährung auseinander. Veganismus sehe ich etwas kritisch gerade Wegen B12-Mangel der schon regelmäßig vorkommt. Das einzige was mich wirklich nervt sind vegane Burger, Veganer "Gänse"braten, Veganes Schnitzel und Veganes Käsefondue, das gibt mir immer das Gefühl die Veganer weinen Dem Fleisch nach! :(

  • Thurisaz am 03.03.2016 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    klar, keine fleischlichen produkte weil gesünder und moralisch vertretbar, dafür mit chemie ergänzen. ist bestimmt die beste wahl... bravo

  • kuddelmuddel am 03.03.2016 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    das zeigt nur auf das vegane ernährung wieder unserer natur ist...

  • Dicker Metzger am 03.03.2016 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soll jeder selbst Entscheiden über seinen Speisepl

    Wenn man jede Ernährungsform richtig nutzt, hat man auch kaum Probleme. Wenn schon Fleisch und Fleischprodukte dann weniger. Milch und Milchprodukte braucht man eigentlich gar nicht. Bei Eier ist es schon schwerer ... Mir ist dabei nur Wichtig, dass nicht jeder ob Veganer oder Fleischesser usw. sich nicht ständig versuchen aufzuklären was den nun besser, gesünder usw. ist. Verstehen kann ich, wenn jemand sagt, er mags nicht aus Ethischen Gründen.. Aber weshalb immer versucht wird, den Veggis oder Allesesser ein schlechtes Gewissen einzureden muss nicht sein.

  • trulla am 03.03.2016 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :-)

    Hoffentlich steigt die Zahl der Veganer und Vegetarier nicht noch drastisch an! Ich mache mir sonst ernsthafte Sorgen dass mein zukünftiges Essen kläglich verhungert! Was soll ich denn mit so einem ausgetrockneten Velofahrersteak?