Kanton St. Gallen

13. Oktober 2017 05:44; Akt: 13.10.2017 10:28 Print

Netter Nachbar entpuppt sich als dreister Dieb

Ein 37-Jähriger schleicht sich mehrmals in die Wohnung seiner Nachbarin, um Geld zu stehlen. Erst eine Überwachungskamera überführt den Täter.

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Eine 48-jährige St. Gallerin legte den von ihrem Ex-Partner erhaltenen Unterhalt von mehreren Hundert Franken auf den Küchentisch. Als sie zwei Tage später davon etwas nehmen wollte, war das Geld weg. Sie verdächtigte zuerst ihren zweijährigen Sohn, durchsuchte mehrere Abfallsäcke und stellte das Kinderzimmer auf den Kopf.

Eine Woche später verkaufte die Bankangestellte ihr Aquarium für 600 Franken. Das Geld legte sie auf einen Schrank, wo es ihr Sohn nicht erreichen konnte. Als die Banknoten auch dort verschwanden, wurde sie stutzig. «Mir war klar, dass jemand unbefugt die Wohnung betritt», sagt sie.

Einbruchsspuren fehlten

Seltsam daran: Es gab keinerlei Einbruchsspuren, weder an der Haustür noch an den Fenstern. «Der Einbrecher ist auch vor meinen grossen Hund nicht zurückgeschreckt. Er muss ihn fast gekannt haben», so die 48-Jährige, die im Toggenburg lebt. Sie vermutete deshalb, dass ihr Nachbar hinter den Diebstählen stecken könnte, obwohl sie mit ihm ein kollegiales Verhältnis pflegte: «Wir haben uns öfter mal im Hausgang unterhalten.»

Einbrecher bedient sich in der Nachbarswohnung

Die St. Gallerin beschloss, zwei Überwachungskameras zu installieren, um den Täter in flagranti zu erwischen. «Wäre ich direkt zur Polizei gegangen, wäre mein Nachbar gewarnt gewesen, weil die Polizei dann in meinem Haus Spuren gesucht hätte.» Bereits ein paar Tage später hielt das Opfer den Videobeweis in den Händen.

Keine Beweise für frühere Diebstähle

Auf dem Ausschnitt sieht man, wie der 37-jährige Nachbar, der im selben Haus lebt, in der Wohnung nach Geld sucht. Das Opfer erstattete Anzeige bei der Polizei und hörte dann nichts mehr, bis die Verfügung des Untersuchungsamts im Briefkasten lag. Im Schreiben, das 20 Minuten vorliegt, steht, dass der Nachbar den Diebstahl von 1000 Franken zugegeben habe. Frühere Diebstähle seien aber mangels Beweisen nicht belegbar.

Der Nachbar wurde wegen Begehungsdiebstahls und Hausfriedensbruchs zu einer Busse von 1000 Franken und einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Er habe aus finanzieller Not gehandelt, da er kurz vorher arbeitslos geworden sei, gab der Dieb zu Protokoll. Für die früheren Einbrüche gebe es also keinen plausiblen Grund, folgerte die Staatsanwaltschaft Uznach.

Auch das Handy gestohlen?

«Als die Sache ans Licht kam, war mir klar, dass ich mein neues Handy im vergangenen November nicht verloren hatte, sondern dass es wie andere unauffindbare Gegenstände gestohlen wurde», sagt St. Gallerin. Sie ist sich sicher, dass der Nachbar schon früher in ihrer Wohnung war, um Gegenstände zu klauen. Damals wäre es ihr aber nicht in den Sinn gekommen, dass er dahintersteckt.

Loch in der Tür half beim Eindringen

Nun bleibt noch die Frage, wie sich der Nachbar Zugang zur Wohnung verschafft hat. Anscheinend hat er sich eines Tricks bedient. Er öffnete die Eingangstür der Wohnung durch ein Loch in der Verglasung. Dieses bestand schon seit geraumer Zeit und war nicht abgedeckt.

In der Zwischenzeit hat die Mieterin bei der Tür das Glas mit einer Holzplatte ersetzt, damit niemand mehr unbefugt in die Wohnung eindringen kann. Sie streitet derzeit mit der Versicherung, die den entstandenen Schaden nicht bezahlen will. Der Nachbar, der weiterhin in der oberen Wohnung lebt, habe sich bei ihr entschuldigt.

(tam)