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13. Januar 2017 12:16; Akt: 13.01.2017 12:16 Print

Nobodys schnorren als Blogger in Geschäften

von B. Zanni - Gratis ins Restaurant oder ins Hotel: Inhaber ärgern sich über das fordernde Auftreten unbekannter Blogger.

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Die Frau marschierte mit ihrem Kind ins Restaurant und bestellte einen grossen Brunch. Als sie aufbrach, weigerte sie sich, die drei Platten zu bezahlen. Sie sei eine erfolgreiche Bloggerin, sagte sie schnippisch und zückte ihre Visitenkarte. Einen Gratis-Brunch habe sie nur verdient. Schliesslich schreibe sie über das Essen.

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Ein solcher Gast tauchte kürzlich im Zürcher Restaurant Maison Blunt auf. «Den Angestellten war sofort klar, dass sich die Dame mit ihrem Kind einfach den Bauch gratis vollschlagen wollte», sagt Geschäftsführer Kevin Morrison. Auch habe die Frau weder Fotos noch Notizen gemacht. Erst nach langer Diskussion habe sie eingewilligt, den Brunch zu bezahlen. Im Restaurant genüge es nicht, sich als Blogger auszugeben, um gratis konsumieren zu können. «Da könnte ja jeder kommen und irgendetwas behaupten.»

«Sie wollen eine Woche gratis Ferien»

Auch vor Hotels und Läden machen die Pseudo-Blogger nicht halt. Sie erhalte jede Woche rund drei Anfragen von Leuten, die sich als Blogger ausgäben und durch eine Zusammenarbeit mit ihnen profitieren wollten, sagt Yvonne Gross, stellvertretende Direktorin des Hotels The Cambrian in Adelboden. «Teilweise sind sie so frech und wollen eine Woche gratis bei uns Ferien machen.»

Die forderndsten Anfragen kämen oft von Hobby-Bloggern. «Darunter sind etwa Mütter, die über ihre Babys bloggen, oder Hobby-Gärtnerinnen.» Die Reichweite dieser Nobodys sei viel zu gering. «Sie glauben, dass sie mit 300 Followern auf Instagram das Zeug zum gefragten Hoteltester haben.» Um infrage zu kommen, hätten sie mindestens 100'000 Follower als Faustregel festgelegt. Die Profile sähen dagegen oft sehr professionell aus. «Wenn die Beiträge aber kaum Likes oder Kommentare haben, ist der Fall schnell klar.»

Unattraktive Profile

Besonders ziehen trendige Kleiderläden die Schnorrer an. «Eine Zeit lang erhielten wir viele Anfragen von Leuten, die bei uns kostenlos oder mit Rabatt Kleider oder Accessoires beziehen und darüber bloggen wollten», sagt Lea Moser, Verantwortliche Marketing und Projekte bei Fizzen in Bern. Im Laden seien auch solche aufgetaucht, die gesagt hätten: «Ich bin Blogger. Kann ich etwas ausleihen?» Als das Personal sich die Profile angeschaut habe, seien oft nicht sehr attraktive darunter gewesen. «Vieles wirkte selbst gebastelt», sagt Moser, die auch Fotografin ist.

Mittlerweile erhielten sie weniger Anfragen. Vermutlich hätten die Leute gemerkt, dass es nicht so einfach sei, auf dem Bloggermarkt zu bestehen. «Wir wollen eine Win-Win-Situation und nicht Leute, die auf unsere Kosten profitieren.» Fizzen nehme deshalb jeweils sorgfältige Selektionen vor. Auch Yvonne Gross betont: «Wir freuen uns natürlich über jeden Blogger, können jedoch nur denjenigen etwas offerieren, die für uns eine genügend grosse Relevanz haben.» So müsse die Zielgruppe des Blogs mit dem Publikum ihres Hotels übereinstimmen.

«Blogger machen gierig»

Werbefachmann Frank Baumann macht den Erfolg einzelner weniger Blogger dafür verantwortlich. «Durch ihren Erfolg und den Einfluss auf die Werbebranche machen sie einige Menschen gierig, auf denselben Zug aufzuspringen.»

Viele Normalverbraucher denken sich: ‹Wow, wenn andere mit so wenig Aufwand so viel Luxus erreichen, schaff ich das auch.›» Gerade kleine Betriebe seien gefährdet, auf die Schnorrer hereinzufallen. «Taucht plötzlich ein Blogger auf, der behauptet, er sei erfolgreich, könnte ein Betrieb sofort an den grossen Profit denken und den Verstand ausschalten.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brausefritz am 13.01.2017 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unprofessionell...

    Ich mache gelegentlich Testbesuche in bestimmten Restaurants als Auftragsarbeit. Für ein seriöses Ergebnis MUSS man sich verhalten, wie ein ganz normaler Gast, sehr viel unauffällig fotografieren und notieren. und überhaupt, was das Allerwichtigste ist, vom Personal unbemerkt bleiben um es überhaupt realistisch bewerten zu können. Ausserdem möglichst alles aufessen, um zu beurteilen, ob die Menge ausreichend war. Danach noch Toilette und solche Räume begutachten. bezahlen muss man es natürlich ganz normal, das Geld wird zusätzlich zum Honorar logischerweise vom Auftraggeber bereitgestellt. Wäre ich Wirt, ich würde solche "Gäste" vor die Tür setzen.

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  • mcknips am 13.01.2017 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis 20 Minuten

    Als Kommentarschreiber erhalte ich die Zeitung 20 Minuten gratis! Gute Sache! :-))

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  • Nobody am 13.01.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tester

    Gute und erfolgreiche Firmen oder Geschäfte brauchen keine Blogger.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pesche FR am 13.01.2017 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    self-made Volldeppen.

    anders kann ich sie nicht bezeichnen.

  • Bonifatz am 13.01.2017 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nervt

    Diese ständigen Blogs nerven gewaltig..Jeder probiert mit nichtstun einfaches Geld zu verdienen und sich zu profilieren. Ein bisschen über den Alltag zu schreiben und ein Paar Fotos mit dem Handy machen kann jeder, dafür braucht es keine Begabung. Wer bekannt wird durch etwas ist entweder sehr gut in dem was er tut, oder er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte Glück!

  • Gru2606 am 13.01.2017 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Southpark

    Southpark Season19 spitzt sich dieses Thema genau so zu, einfach mit Yelp (folge 4)

  • Peter Steiner am 13.01.2017 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Mag keine Blogger/Keine Werbung

    ich finde Blogger/Youtuber oder Influencer, sollten angeben müssen das sie es gesponsort bekommen. Denn Leute werden getäuscht. Ich verlasse mich gerne auf Erfahrungen/Empfehlungen. Allerdings sollten diese auch selbst bezahlt sein. Denn wie objektiv ist ein Urteil wenn man es geschenkt bekommt. Das findet dann ja jeder gut. Wenn man es selbst bezahlen muss sieht das Urteil evtl anders aus. Es ist überall klar wann es Werbung ist, nut bei Bloggern etc. Scheint es als sei es eine persönliche Empfehlung dabei ist es schlicht Werbung. Ich finde es unethisch, wenn es nicht sagt das es gratis war.

  • Mr. Right am 13.01.2017 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blog-Name

    Wer war denn die Bloggerin die mit Kind aufgetaucht ist? Wie heisst ihr Blog? Wäre interessant und gratis werbung.