Fixes Grundeinkommen

27. Januar 2016 13:19; Akt: 27.01.2016 14:23 Print

Nur jeder Zehnte würde die Arbeit aufgeben

Die Schweiz stimmt als erstes Land über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ab. Eine Umfrage zeigt: Die Schweizer würden selbst bei einem Ja nicht faulenzen.

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Plakate mit den Umfrageergebnissen: Die Initianten für ein bedingungsloses Grundeinkommen auf dem Bundesplatz in Bern. (27. Januar 2016) (Bild: Keystone)

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Eine überwiegende Mehrheit der Schweizer Bevölkerung kann sich nicht vorstellen, dass in den nächsten zehn Jahren ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt wird. Doch dass dieses zu einem «kollektiven Müssiggang» führen könnte, wird durch eine Umfrage widerlegt.

In der telefonischen Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Demoscope gaben denn auch nur 10 Prozent der erwerbstätigen Personen an, dass sie bei einer Annahme der Initiative ganz oder eher aufhören würden zu arbeiten. 90 Prozent erklärten dagegen, sie würden ihre Arbeit auch mit einem bedingungslosen Grundeinkommen eher oder bestimmt nicht aufgegeben.

56 Prozent zweifeln an der Umsetzung der Idee

54 Prozent der Befragten würden stattdessen lieber eine Weiterbildung in Angriff nehmen, bei den Jungen zwischen 18 und 34 Jahren wären es sogar 70 Prozent. 22 Prozent gaben ausserdem an, sie würden sich in dem Fall gerne selbständig machen.

Trotzdem sind nur 3 Prozent der Befragten der Ansicht, dass das Vorhaben bereits nach einem allfälligen Ja bei der Abstimmung in diesem Jahr eingeführt würde. Für 16 Prozent könnte das in 10 Jahren der Fall sein, für 15 Prozent in 25 Jahren und für 7 Prozent in 50 Jahren.

56 Prozent der Befragten können sich gar nicht vorstellen, dass die Idee überhaupt einmal umgesetzt wird. Optimistischer sind die Jungen: Dort sind es 48 Prozent, die an eine Einführung in den nächsten 25 Jahren glauben.

Weniger Existenzängste

Einige Argumente der Initianten stossen aber durchaus auf Zustimmung. So glaubt eine Mehrheit der Befragten, dass die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens die Existenzängste wegnehmen würde: 67 Prozent fanden dieses Argument überzeugend oder eher überzeugend. Gar oder eher nicht einverstanden damit waren lediglich 30 Prozent.

Auch sozial hätte die Annahme der Initiative gemäss der Umfrage positive Auswirkungen: So gab eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten an, dass sie bei einer Einführung des bedingungslosen Einkommens mehr Zeit mit der Familie verbringen würde, 40 Prozent würden mehr Freiwilligenarbeit leisten und 35 Prozent würden beim Einkauf auf nachhaltige Produkte achten.

Befragt wurden im vergangenen November 1067 Stimmberechtigte in der Deutsch- und Westschweiz. Davon waren 676 erwerbstätig.

Abstimmung noch in diesem Jahr

Die Schweiz ist das erste Land, welches über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommen abstimmt. Diese Idee war sowohl im Bundesrat als auch im Parlament nicht mehrheitsfähig. Sogar die Vertreter der SP und der Grünen lehnten sie mehrheitlich ab.

Die Initiative will den Zusammenhang von Arbeit und Einkommen aufbrechen: Alle in der Schweiz lebenden Menschen sollen unabhängig von einer Erwerbstätigkeit ein Grundeinkommen erhalten. Zur Höhe äussert sich der Initiativtext nicht. Er bestimmt aber, dass das Einkommen der ganzen Bevölkerung ein menschenwürdiges Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglichen soll.

Die Initianten halten für Erwachsene 2500 Franken pro Monat für angemessen und 625 Franken für jedes Kind. Der Bundesrat schätzt die Kosten für das bedingungslose Grundeinkommen auf 208 Milliarden Franken pro Jahr. Dafür müssten 153 Milliarden Franken an zusätzlichen Steuern erhoben werden. Rund 55 Milliarden Franken könnten aus den Sozialversicherungen und der Sozialhilfe umgelagert werden.

Alternative Lebensmodelle

Hinter der Initiative steht eine Gruppe von Künstlern, Publizisten und Intellektuellen. Zum Initiativkomitee gehören der Publizist Daniel Straub, der frühere Bundesratssprecher Oswald Sigg oder die Zürcher Rapperin Franziska Schläpfer («Big Zis»). Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Adolf Muschg, der Philosoph Hans Saner, die Kommunikationsexpertin Beatrice Tschanz oder die Schriftstellerin Ruth Schweikert unterstützen das Anliegen.

Für sie geht es um einen «Kulturimpuls» und die Diskussion um alternative Arbeits- und Lebensmodelle. Die Idee selber ist aber alt. Grundlagen dazu wurden vom mittelalterlichen Autor und Staatsmann Thomas Morus formuliert. Der Ansatz ist jedoch aktueller denn je: 2017 will Finnland Versuche mit einem Grundeinkommen wagen. Dieses hat auch für Liberale einen gewissen Reiz, weil sich damit das bürokratische Sozialversicherungssystem ersetzen liesse.

(pat/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rob73 am 27.01.2016 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich sehe nicht ein das jemand der 30 Jahre in der Schweiz gearbeitet hat und sagen wir mal mit 55 Arbeitslos wird gleich viel kriegen soll wie jemand der mit 25 in die Schweiz zieht und keine Lust hat zu arbeiten.

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  • V for Vendetta am 27.01.2016 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    andere Seite

    interessant von dieser Seite habe ich es gar nicht betrachtet. Wenn ich ein Grundeinkomme bekäme und mich dann Selbstständig mache, könnte der Aufbau einer Firma um einiges einfacher sein. Ich hätte dann mehr Zeit für den Aufbau. Allerdings müsste man dann eine Regel einführen dass wenn das Unternehmen Profit abwirft, ein Teil an den Staat zurück fliesst.

  • Onkel Thom am 27.01.2016 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Positive Auswirkungen

    In einem Jahr umsetzten ist vielleicht doch noch ein bisschen früh und vorallem wird das bei den diskussionswütigen Politikern nicht machbar sein. Dennoch wird kaum ein Weg über das BG führen. Durch die Modernisierung fallen immer mehr Jobs weg und diese müssen auch leben. Anderseits könnte man eine, momentane Bürokratie einfach still legen, sehe ich als Vorteil. Viele könnten auf einen Teilzeitjob wechseln, vielleicht sogar auf 50, dies würde eine enorme Lebensqualität Steigerung bedeuten, wovon alle provitieten könnten. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, also die Firmen müssten einfach ein bisschen Umdenken dann sind viele Teilzeitjobs möglich. Die Arbeitsteilung würde zu mehr Jobs führen und zu weniger Arbeitslosen. Gem. Umfrage würden sich viele selbständig machen, was wiederum zu mehr Jobs, mehr Konkurrenz und mehr Ideen führen würde, was sich wiederum positiv auf die CH auswirken würde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jan U. am 27.01.2016 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessante idee!!

    Die idee ist sehr interessant. Wohl die allerwenigsten würden sich auf die faule haut legen aus diversen gründen: jeder mensch braucht eine sinnhaftigkeit im leben, auf die dauer nichts zu tun, das macht wohl die meisten depressiv. Auch reichen 2500 fr. nicht um sich das leben zu finanzieren. Aber es müsste niemand, aber wirklich niemand in diesem land, existenzängste haben. Mal schauen was rauskommt.

  • Eifdemitsmolgseitwird am 27.01.2016 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder 10te und NUR??!

    Nur schon das Resultat das jeder 10te seinen Job aufgeben würde zeigt wie weltenfremd diese Idee ist. Das wäre der Endgültige Untergang. Die Schweiz wäre Bankrott und müsste von vorne anfangen. Dann fängta übrigens ohne Sozialversicherungen an, für alle Arbeitsfaulen...!

  • Auswanderer am 27.01.2016 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ausnutzen wie alle Andern auch....

    Ich würde von den 2000.- und den Mieteinnahmen meiner beiden Wohnungen in der CH (ca. 3500.-) im Ausland leben (also offiziel Ferien machen und bei Mami in der Schweiz wohnen). Mit 5'500.- pro Monat ist man Reich z.B. in Spanien am Meer.... Aber Arbeiten, und das ganze verdiente Geld als Steuern wieder abgeben werde ich sicher nie!!! Das würde nämlich bedeuten, das jeder Arbeitnehmer zum Lohn noch 2000.- erhält, aber 4000.- als Steuer abgeben muss um die 2000.- der Nacht-Arbeitenden zu bezahlen... (So stellen sich das die nichtarbeitenden Linken Studenten vor...)

  • A.R am 27.01.2016 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte um Antwort

    Würde somit das Geld nicht an Wert verlieren? Normalerweise muss man ja etwas dafür tun. Wenn jetz aus dem nichts auf jedes Konto Geld kommt wäre dies doch negativ für die Wirtschaft? Denn von irgendwo muss dieses Geld ja kommen und so müsste man es von irgendwo wegnehmen (da würde es dann fehlen) oder erschaffen was zu einer Inflation führen würde.Oder liege ich da falsch

  • El Mac am 27.01.2016 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufhören 

    Ich habe schon beim Titel gestaunt. Dann habe ich den ersten Abschnitt gelesen und sofort aufgehört. Was soll das?! NUR(?!?!) 10 Prozent? Ich glaube die Macher der Studie oder der Redaktor hats nicht so mit Zahlen!!! Das ist 10 Prozent zu viel! Dann noch die 5 Prozent Arbeitslose die wir jetzt schon haben, plus noch die 5 Prozent die sichs anders überlegen nach der Umfrage sind wir schon bei zwanzig Prozent (20%) Arbeitslosigkeit und der Rest der Schweizer zahlts!

    • Reto Signorell am 27.01.2016 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @El Mac

      Wenn es so weiter geht, ist die Arbeitslosigkeit 2050/80 auf 80%!

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