Kampf gegen Pestizide

20. März 2018 11:25; Akt: 20.03.2018 13:05 Print

Grüne fordern Pestizid-Verbot für Hobbygärtner

Bis zu 200 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden jährlich zu privaten Zwecken eingesetzt. Nationalrätin Maya Graf fordert, dass Hobbygärtner diese in Zukunft nicht mehr einsetzen dürfen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nationalrätin Maya Graf will künstliche Pflanzenschutzmittel aus Hobbygärten verbannen. Sie hat für die grüne Fraktion in der vergangenen Woche einen entsprechenden Vorstoss eingereicht. Privatpersonen wüssten meist nicht, wie die Mittel fachgerecht angewandt, gelagert und entsorgt werden müssen. Auch über Alternativen wüssten nur wenige Bescheid. Laut Graf führt das zu Problemen: So müssten immer wieder Familiengärten aufgehoben werden und die gesamte Erde muss komplett entsorgt werden. Sie findet deshalb: «Auch Hobbygärtner sollen einen Beitrag zu einer griffigen Umsetzung des Nationalen Aktionsplanes Pflanzenschutzmittel leisten.»

Umfrage
Haben Sie schon künstliche Pflanzenschutzmittel in Ihrem Garten verwendet?

In diesem hat der Bund im September festgehalten, dass die «unsachgemässe Anwendung von Pflanzenschutzmittel im Hausgarten zu einem erhöhten Risiko» führen kann – etwa, indem der Gärtner über selbst angebaute Lebensmittel oder durch den Aufenthalt im Garten mit dem Mittel in Kontakt kommt. Eine umfassende Einschätzung sei jedoch aufgrund fehlender Studien nicht möglich. Trotzdem sollen Privatgärtner künftig besser geschützt werden, indem sie nur noch für sie zugelassene Produkte erhalten können.

Rasen und nicht einheimische Pflanzen werden behandelt

Jährlich werden in der Schweiz über 2'000 Tonnen Pflanzenschutzmittel verkauft, wie der Bund 2014 in einem Bericht festhielt. Laut Schätzungen landen davon 100 bis 200 Tonnen – also fünf bis zehn Prozent – in Privatgärten. Liegen die Gärten etwa nahe an Gewässern, können die Mittel dort hineingelangen. Gemäss dem Bund können auch andere Organismen beeinflusst werden. So sollen Pestizide auch am Bienensterben eine Mitschuld tragen.

Auch der Verein Bioterra setzt sich bereits seit 70 Jahren für ein Verbot von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln ein. Besonders beliebt seien bei konventionellen Hobbygärtnern Mittel für einen moos- und unkrautfreien Rasen oder Mittel zur Behandlung von nicht einheimischen Pflanzen. So würden etwa hochgezüchtete Rosen stark behandelt. Auch Obstbäume oder -sträucher würden oft mit chemischen Mitteln bespritzt. Nichtbiologische Schneckenkörner können ausserdem für Igel tödlich sein.

«Chemisch-synthetische Mittel sind einfach verlockend», sagt Daniel Gürber, Geschäftsleiter des Vereins. «Man kann damit reagieren. Bei biologischen Mitteln muss man vorausdenken.» In den letzten Jahren habe der Handel bei biologischen Alternativen jedoch aufgeholt. So gebe es etwa ein wirksames Bakterium gegen den Buchsbaumzünsler. «Eine solche Anwendung ist zudem auch für Bienen unproblematisch. Alternativ können auch einheimische Sträucher den Bux ersetzen.» Dies sehe nicht nur gut aus, solche Pflanzen böten vielfach auch eine Futterquelle für Insekten. «Im Hobbygarten kann man sehr gut ohne chemisch-synthetische Produkte auskommen», sagt Gürber.

«Für jedes chemische Mittel gibt es eine biologische Alternative»

Werner Hermann, Vizepräsident des Schweizer Familiengärtner-Verbands, sind keine Gärten bekannt, die wegen durch Pflanzenschutzmittel belasteten Böden aufgehoben werden mussten. Da viele Familiengärten jedoch auf ehemaligen Müllhalden stünden, zeigten Bodenproben manchmal Belastungen.

Der Schweizer Familiengärtner-Verband begrüsst dennoch ein Verbot chemischer Mittel. Das Hauptproblem sind Pestizide, wie Hermann erklärt. Alternativen gäbe es zwar, vermutlich scheitere es jedoch häufig an der Bequemlichkeit der Leute: «Manche Gärtner jäten nicht einmal mehr, sondern spritzen einfach nur noch.» Trotzdem gebe es für jedes chemische Mittel eine biologische Alternative. Der Verband arbeitet derzeit deshalb mit anderen Organisationen an einer Liste von Pflanzenschutzmitteln, die unbedenklich sind. Erscheinen soll sie im Frühling und sie werde an alle Verbandsmitglieder verschickt.

Mit dabei ist auch Grün Stadt Zürich. Denn Zürcher Familiengärtner müssen gemäss der Kleingartenordnung KGO ihre Gärten naturnah bewirtschaften, wie es auf Anfrage heisst. «Bei starkem Schädlings- oder Krankheitsbefall dürfen nur für den biologischen Gartenbau zugelassene Hilfsstoffe eingesetzt werden.» Die Positivliste diene dabei als Orientierungshilfe.

(vro)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flitzepiepe am 20.03.2018 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur Hobbygärtner

    Nicht nur Hobbygärtner, sondern alle!!!

    einklappen einklappen
  • lightning 6 am 20.03.2018 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbot für alle ?

    Immer auf die kleinen, die Grünen Wissen schon das die meisten Pestizide und Fungizide usw von den Bauern Versprüht werden ? Wen ein Verbot dan für ALLE

    einklappen einklappen
  • MD am 20.03.2018 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee, aber....

    was ist mit der Landwirtschaft???? Dort wird tonnenweise weiter gegiftet.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 21.03.2018 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Reise von Tausend Meilen...

    ...beginnt mit einem Schritt. Anfangen wo es am Einfachsten geht. Das hat auch eine warnende Wirkung auf die grossen Umweltsünder. Und sogleich weiter, zum nächsten Schritt. Pestizide und auch Insektizide sind Gift, und nur weil die KK bezahlt ist, brauchen wir uns nicht zu vergiften.

  • Dave74 am 21.03.2018 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Faulheit?

    In der Landwirtschaft wird das Zeugs verwendet um den Ertrag zu steigern. Nun darf man sich schon fragen, weshalb das denn im Privaten Sinn machen sollte. Was mich erstaunt ist, dass wir vor Google und Co. uns noch eher mal schlau gemacht haben, was denn gegen gewisse Schädlinge unternommen werden kann. Heute sprüht man einfach irgend eine Substanz? Ist man heute schon zu faul um eine Suchmaschine zu bemühen? Wenn das Zeugs nun verboten wird, lässt man dann das Gärtnern? Wäre schön, wenn wenigstens vor der Haustüre mal ein Zeichen gesetzt würde. Gegen die "Grossen" gehts dann zu spät.

  • Mel am 21.03.2018 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bäuerin

    Das ist richtig, wenn wir in der Landwirtschaft klare Vorschriften haben über die Verwendung und Verdünnung der Mittel, schmeissen Private das gleiche Mittel fast pur in ihre Gärten.

  • o.p. am 20.03.2018 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute Idee

    Absolut! Viele Hobbygärtner haben keine Ahnung von Dosierung etc. und übertreiben masslos oder wenden es schlicht falsch an.

  • Gärt Ner am 20.03.2018 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Jep

    Wenn ich sehe, dass neben dem spielplatz ein herr mit gasmaske (!) Die büsche spritzt und daneben zig kinder am spielen sind, dann ja, bin ich für ein verbot. In meinen garten haben pestizide nichts verloren.