Trinkwasser-Initiative

05. Februar 2018 10:25; Akt: 05.02.2018 13:45 Print

So tickt die Frau, die für sauberes Wasser kämpft

von P. Michel - Fitnesstrainerin Franziska Herren ist der Kopf hinter der Initiative für sauberes Trinkwasser. Wie sie es schaffte, ihr Thema ganz oben auf die politische Agenda zu setzen.

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Nachdem Franziska Herren zusammen mit ihren Mitstreitern 114'420 Unterschriften für ihre Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser» eingereicht hatte, lud sie zur Feier ins Berner Generationenhaus zu Suppe, Brot und Wein – natürlich alles lokal, biologisch und vor allem frei von Pestiziden, mit denen die Landwirtschaft laut Herren «die eigenen Lebensgrundlagen zerstört».

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Was die Präsidentin des Vereins «Sauberes Wasser für alle» Mitte Januar ihren Unterstützern auftischte, wünscht sie sich auch für die ganze Schweiz: Lebensmittel, die ohne Pestizide, Antibiotika und Futtermittelimporte auskommen und das Trinkwasser nicht belasten. Deshalb fordert die 50-jährige Fitnesstrainerin, die innert 10 Monaten zum Kopf der Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» geworden ist, die Streichung von Direktzahlungen für Bauern, die Pestizide oder Antibiotika einsetzen.

Tagwacht ist jeden Morgen um 4 Uhr

Bei der Übergabe der Unterschriften an die Bundeskanzlei wirkt Herren nicht müde, obwohl sie seit März 2017 jeden Tag um 4 Uhr aufsteht, um das grosse Interesse an ihrem Begehren zu meistern: Anrufe von besorgten Bauern, Anfragen für Interviews und Referate oder die Koordination der Unterschriften. Die Angst um die Schweizer Trinkwasserqualität treibt sie an. «Das grosse Interesse an unserer Initiative zeigt, dass sich viele Bürger eine ökologischere Landwirtschaft wünschen», erklärt sie.

Ein Schlüsselerlebnis für die Zusammenhänge zwischen der landwirtschaftlichen Produktion und der Trinkwasserqualität hatte Herren auf einer Wanderung im Berner Oberland. «Dort sah ich eine Kuh, die erbärmlich jammerte, weil ihr das Kälbli sofort nach der Geburt weggenommen worden war.» Bis dahin habe sie nicht gewusst, dass dies in der Landwirtschaft normal ist.

«Ich wurde zwar streng ökologisch erzogen, habe aber erst nach diesem Erlebnis begonnen, genauer zu recherchieren.» Sie habe dann erkannt, dass etwa diese Trennung von Kuh und Kalb zusätzlichen Antibiotika-Einsatz nötig macht. Dass zudem ein Teil der Pestizide ins Wasser gewaschen werde, habe sie ebenso schockiert wie der Umstand, dass die Böden die grossen Mengen ausgebrachter Gülle gar nicht mehr aufnehmen können, was wiederum das Trinkwasser verschmutze. Seither ernährt sich Herren rein pflanzlich.

Initiative war Reaktion auf «Ignoranz der Behörden»

Die Volksinitiative ist nicht das erste politische Engagement der Aerobic-Trainerin aus Wiedlisbach BE. Erstmals aktiv wurde sie, als in ihrer Burgergemeinde ein Waldstück fast komplett abgeholzt werden sollte. Sie suchte mit Vertretern der Gemeinde das Gespräch und erreichte, dass ein Teil der Bäume stehen gelassen wurde. Diese Taktik ging beim Thema Trinkwasser nicht auf: «Die Behörden und Wasserversorger nahmen meine Bedenken, dass der hohe Antibiotika- und Pestizideinsatz in der Landwirtschaft unser Trinkwasser gefährdet, nicht ernst. Ich wurde belächelt.»

Ihr Anliegen, das Bauernvertreter als radikal und bedrohend für die Existenz der Bauernfamilien bezeichnen, mittels einer Volksinitiative auf die politische Agenda zu setzen, war eine Protestaktion gegen diese Ignoranz der Verantwortlichen. «Ich stand vor der Entscheidung, aufzugeben, oder aufs Ganze zu gehen», sagt Herren. Da sie gemerkt habe, dass ausser ihr niemand bereit dazu war, habe sie diesen Schritt gewagt.

Dass sie ihr Anliegen bereits nach zehn Monaten beim Bund deponieren konnte, hätte sie zu Beginn nicht für möglich gehalten. «Die ersten zwei Monate waren sehr hart: Die Menschen waren nicht für das Thema sensibilisiert, und wir mussten sehr viel Überzeugungsarbeit leisten.»

Dies änderte sich, als das Wasserforschungsinstitut Eawag im April einen Bericht zur Pestizidbelastung in Schweizer Bächen veröffentlichte und das Thema auch in den Medien thematisiert wurde. Das Resultat des Eawag-Berichts: In allen untersuchten Gewässern wurden die Grenzwerte überschritten. «Von da an wurde die Unterschriftensammlung zum Selbstläufer», sagt Herren. Zwei Monate später erhielt die Initiative zusätzlich Schub durch die Analyse der Nationalen Grundwasserbeobachtung, wonach an jeder fünften Trinkwasser-Meldestelle zu hohe Pestizid-Konzentrationen gemessen worden waren.

«Unterschriftensammlung ist das beste Persönlichkeitstraining»

Diese Dynamik kam Herren, die sich selbst als scheue Person bezeichnet, gelegen. «Ich habe Mühe, auf Leute zuzugehen und sie zu überzeugen.» Sie habe durch die Unterschriftensammlung aber auch viel gelernt: «Die Diskussion mit Leuten auf der Strasse ist eine der besten Persönlichkeitstrainings, da man lernt, mit Niederlagen umzugehen.» In der Öffentlichkeit zu stehen, daran müsse sie sich aber noch gewöhnen. «Es kommt vor, dass mir auf Facebook jemand schreibt, wir seien Idioten – damit habe ich Mühe. Aber ich wusste ja, worauf ich mich einlasse.»

Auch ihre zwei Kinder haben sich inzwischen damit abgefunden, dass die Initiative der Mutter viel Zeit abverlangt. «Mein 17-jähriger Sohn realisierte erst, wie viel Arbeit eine Initiative verlangt, als der Kühlschrank wieder einmal leer war», sagt Herren. Seither haben sie die Rollen getauscht und der Sohn macht einen Grossteil der Einkäufe. Dabei kauft er natürlich wenn immer möglich Demeter-Produkte direkt ab dem Hof.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger am 05.02.2018 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    DANKE

    das find ich jetzt mal ne gescheite Initiative

  • Death Parade am 05.02.2018 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hm..

    naja im wasser hats noch viel mehr anti baby pille rückstände und noch vieles mehr. das wasser wird nie mehr säuberer sein

    einklappen einklappen
  • Reto455 am 05.02.2018 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Initiative,

    nur wird sie wegen der übermächtigen SVP-Bauernlobby keine Chance haben. Dabei wäre es das einzig richtige auf all dieses Gift zu verzichten.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Christoph am 05.02.2018 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut

    Ich finde das super!

  • Joe SH am 05.02.2018 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur

    Nich nur Antibiotika- und Pestizideinsatz gefährdet unser Trinkwasser, auch die Plastikfolie ist Standard in der Landwirtschaft geworden. Plastikmüll ohne Ende?

  • Andreas Honegger am 05.02.2018 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Na dann, en Guete

    Von der Fläche der Schweiz sind 60% Alpen und 10% Jura. Das Mittelland ist stark überbaut und hat auch einige Seen, grosse Flächen sind also landwirtschaftlich nicht nutzbar. In höheren Lagen wächst nichts anderes als Gras, ohne Nutzung des Grases überwuchern diese Flächen. Auf Gras kann man Vieh halten, somit haben wir Fleisch und Milch zur Verfügung. Ohne das müssten wir enorm viel Lebensmittel einführen. Ok, Frau Herrn kann ja mal eine Sömmerung auf der Alp machen und Gras essen und für den Winter Heu mit nach Hause nehmen - also dann, en Guete.

  • silvan u. am 05.02.2018 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen

    weil die Rückstände von uns Menschen von Antibiotika und Antibabypillen usw sooo klein sind... Und wennder Bauer kein Antibiotika einsetzen darf dann Sterben die Kühe auch.

  • Uw am 05.02.2018 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Initiative gut

    Die Initiative ist gut. Dann würde man endlich nicht zufiel Milch und Fleisch produzieren. Wenn der Preis sinkt wird heute einfach mehr produziert! Darum ist das Schweinefleisch extrem billig!