Teure Generika

01. Juni 2018 05:41; Akt: 01.06.2018 05:41 Print

Das will die Politik gegen hohe Medi-Preise tun

von B. Zanni - Generika kosten in der Schweiz verglichen mit dem Ausland immer noch viel mehr. Der Druck auf die Preise steigt.

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Nach wie vor sind Nachahmerpräparate hierzulande doppelt so teuer wie im Ausland. Ein hundertfränkiges Medikament kostet laut dem aktuellen Preisvergleich von Santésuisse und Interpharma im Schnitt der Vergleichsländer Deutschland, Österreich oder Frankreich nur 52 Franken. «Ständig bremsen oder pushen verschiedene Akteure aus dem Gesundheitsbereich die Verhandlungen für tiefere Generika-Preise in eine undefinierte Richtung», kritisiert Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. «Zur Dämpfung der Gesundheitskosten müssen mehr Generika zum Einsatz kommen», fordert SP-Nationalrätin Bea Heim. Sie seien günstiger als Originalpräparate und wirkten ebenso. Auch CVP-Nationalrätin Ruth Humbel will den hohen Generikapreisen mit preisunabhängigen Margen begegnen. «Ärzte haben heute kaum ein Interesse, Generika abzugeben, da sie durch die tiefere Marge potenziell weniger verdienen.» Thomas de Courten, SVP-Nationalrat und Präsident des Generika-Verbands Intergenerika, lässt sich von der grossen Preisdifferenz nicht mehr aus der Ruhe bringen. «Wir hören jedes Jahr dasselbe Lied. Würde die Politik endlich konsequent Anreize für Generika setzen, wäre pro Jahr ein Einsparpotenzial von bis zu 300 Millionen möglich.» Generika sind in der Schweiz am teuersten. Auf Platz neun folgt Frankreich, ... auf Platz acht Österreich, ... Platz sieben nimmt Belgien ein, ... Platz sechs Finnland, ... Platz fünf das Vereinigte Königreich, ... Platz vier Dänemark, ... danach folgt Deutschland auf Platz drei, ... ... Schweden auf Platz zwei, und am günstigsten ... ... sind Generika in den Niederlanden.

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Gegen die hohen Preise für Generika fehlt der Schweiz noch ein Rezept. Nach wie vor sind Nachahmerpräparate hierzulande doppelt so teuer wie im Ausland. Ein hundertfränkiges Medikament kostet laut dem aktuellen Preisvergleich von Santésuisse und Interpharma im Schnitt der Vergleichsländer Deutschland, Österreich oder Frankreich nur 52 Franken. Damit ist die Differenz gegenüber dem Preisvergleich von 2017 unwesentlich kleiner geworden.

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«Ständig bremsen oder pushen verschiedene Akteure aus dem Gesundheitsbereich die Verhandlungen für tiefere Generika-Preise in eine undefinierte Richtung», kritisiert Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Deshalb habe die Politik bis heute keine Rahmenbedingungen geschaffen. «Verwaltungsmandate in Versicherungsgesellschaften, Verbandelungen mit Ärztenetzwerken oder mit der Pharmaindustrie sorgen dafür, dass Politiker vor allem ihre eigenen Pfründen und nicht den Prämienzahler im Fokus haben.»

«Es darf nicht sein, dass wir doppelt so viel bezahlen»

Die hohen Preise rufen Politiker von links bis rechts auf den Plan. «Zur Dämpfung der Gesundheitskosten müssen mehr Generika zum Einsatz kommen», fordert SP-Nationalrätin Bea Heim. Sie seien günstiger als Originalpräparate und wirkten ebenso. In der Schweiz hätten Generika einen Marktanteil von nur 19 Prozent, in Holland aber über 70% und in Deutschland über 80%. «Man muss auch bei den Generikapreisen ansetzen. Es darf nicht sein, dass wir in der Schweiz doppelt so viel zahlen wie in den umliegenden Ländern.» So lange Apotheken mit teuren Originalpräparaten mehr verdienten, bleibe der Generika-Anteil tief. Heim fordert eine andere Margenpolitik ohne diese Fehlanreize.

Auch CVP-Nationalrätin Ruth Humbel will den hohen Generikapreisen mit preisunabhängigen Margen begegnen. «Ärzte haben heute kaum ein Interesse, Generika abzugeben, da sie durch die tiefere Marge potenziell weniger verdienen.» Auch ein Abbau von administrativen Vorschriften würde sich positiv auf die Generikapreise auswirken. «Es ist übertrieben und unnötig teuer, für einen solch kleinen Markt jedes Generikum genau gleich zu konfektionieren und mit Beipackzetteln in drei Landessprachen auf den Markt zu bringen.» In den Niederlanden etwa gebe es etwa nur ein Präparat als Nachahmerprodukt.

«Einsparpotenzial von bis zu 300 Millionen möglich»

Thomas de Courten, SVP-Nationalrat und Präsident des Generika-Verbands Intergenerika, lässt sich von der grossen Preisdifferenz nicht mehr aus der Ruhe bringen. «Wir hören jedes Jahr dasselbe Lied. Würde die Politik endlich konsequent Anreize für Generika setzen, wäre pro Jahr ein Einsparpotenzial von bis zu 300 Millionen möglich.» Auch sein Verband kämpfe für stärkere Generika mit der Forderung, die Margen von Ärzten und Apothekern anzupassen und Vorschriften abzubauen. Intergenerika spricht gleichzeitig jedoch von einem «falschen und unsinnigen» Vergleich. Statt identischer Arzneimittel würden hier unterschiedliche Produkte nur aufgrund der Wirkstoffmenge verglichen. Die Generika-Preise würden laufend angepasst und sänken seit Jahren.

Die Politiker warnen aber auch vor zu tiefen Preisen. «Gewisse Schmerzmittel und Antibiotika wurden so günstig, dass Firmen sie vom Markt genommen haben», merkt Bea Heim an. Auch Ruth Humbel sagt: «Es darf nicht so weit kommen, dass ein Schmerzmittel billiger ist als eine Packung Kaugummi.» Damit gehe die Gefahr eines übermässigen Konsums einher.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mathias am 01.06.2018 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volksvertreter sind das nicht

    Wir sehen dies bei Rüstungsbeschaffungen, Krankenkassenprämien, Medikamentenpreise... Die legale Korruption (Lobbying) ist so stark, dass unsere Politiker nicht mehr dem Volk dienen, sondern denen, welche ihnen tausende von Franken an "Sitzungsgeldern" anbieten! Wacht auf Schweizer! Das ist auch Korruption! oder wieso steigen unseren KK-Prämien ins Unermessliche? Die Versicherungsbrachne "kauft" sich so ihre Mehrheit...

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  • LLLL am 01.06.2018 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Ast absägen

    Die Politik hat gar kein Interesse an tiefere Preise. Es sind zu viele Politiker mit der Pharmabranche leier. Man sägt doch nicht am Ast auf den man sitzt. Es wird sich also gar nichts ändern., denn der Wille ist nicht da. Alles leeres Geschwaffel nur um gut da zu stehen.

  • Thomas am 01.06.2018 06:01 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Schweiz

    300 Millionen Spaarpotenzial einzig bei den Genrikas. Da graut es einen, über all die anderen Baustellen im Gesundheitswesen überhaupt nachzudenken. Eines ist Gewiss. Der nächste Prämienanstieg kommt garantiert. Denn auch die Gesundheitsindustrie ist Wachstumssüchtig und hat ihren eigentlichen Auftrag verraten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Katja Wohmann am 01.06.2018 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Der BR Berset hat völlig versagt

    einerseits betont er, die Bevölkerung sei an hohen Preisen schuld, anderseits geht er hin und bewilligt auf Generika hohe Aufschläge zum Originalpräparat. Warum weiss wirklich niemand. Vermutlich ist Berset mti der Pharma irgendwie verbandelt, eine andere Erklärung ist wohl kaum zu finden.

  • Don Logan am 01.06.2018 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Nebenwirkungen

    Ärzte die zu viel verdienen, zu teure Generika, zu hohe Krankenkassenprämien etc. In der Schweiz hat alles seinen Preis mit allen seinen Nebenwirkungen und die richten sich aufs Portmonee.

  • Motzimuus am 01.06.2018 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur überall abgezockt..unglaublich

    Es ist nicht normal wie wir manipuliert werden.Wenn man nach Rezept Medis in der Apotheke holt wird automatisch Generika gegeben,die KK machen Werbung für Generika bestellt alles zur Rose,was für ein Betrug die Generika sind teurer als das Original,dann weigere ich mich die Generika weiter zu unterstützen,so wird alles teurer statt günstiger.Das kann doch nicht sein dass wir überall nur noch abgezockt werden auch der Apotheker bekommt dann auch noch eine Gebühr wo nicht gerechtfertigt ist,denn die verdienen genug an ihren Produkten.Die Politiker sollten jetzt endlich für uns Bürger was machen.

  • Daisydream am 01.06.2018 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Lobby mehr im Bundeshaus

    Sie haben recht, Frau Stalder. Deswegen wäre ich dafür, dass National-, Stände- und Bundesräte alle ihre Mandate und Verwaltungssitze abgeben müssten, um wirklich im Interesse des Volkes zu agieren und entscheiden. Heute kommt dieses Thema um zu teure Medikamente alle Jahre wieder aufs Tapet, aber passieren tut genau gar nichts.

  • Verona am 01.06.2018 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Jahre wieder

    Unsere Politiker wollen doch schon seit vielen Jahren etwas gegen die hohen Medikamentenpreise tun. Gemacht haben sie nie noch etwas. Etliche verdienen daran halt auch sehr gut!