Animal Liberation Front

07. Februar 2018 15:08; Akt: 07.02.2018 15:58 Print

Hier stehlen radikale Tierschützer 14 Kaninchen

von D. Krähenbühl - Bei einer sogenannten «Befreiungsaktion» hat die Animal Liberation Front über ein Dutzend Tiere aus einem Stall gestohlen. Der Züchter hat Anzeige erstattet.

Das Tierschützer-Kollektiv «Animal Liberation Front» hat 14 Kaninchen aus diesem Stall entwendet.
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Der Kegel der Taschenlampe wird auf den Käfig gerichtet. Dahinter: 14 Kaninchen, die ängstlich weghüpfen. Ein maskierter Mann greift in den Käfig hinein und setzt die Tiere in eine Schachtel. Nach der Aktion werden die Wände im Stall mit dem Kürzel «ALF» (Animal Liberation Front) vollgesprayt. Am Schluss des Videos folgt die Ankündigung, dass die Gruppe nicht aufhören wird, «bis alle Käfige leer sind».

In einem Statement, das auf einem einschlägigen Portal veröffentlicht wurde, begründet sie die Aktion, dass die Kaninchen «auf engstem Raum eingepfercht und voneinander isoliert» gehalten wurden. Daher sähen sie es als «ihre Pflicht» an, diese Lebewesen aus ihrer Gefangenschaft zu befreien.

«Es braucht solche radikalen Aktionen»

Die Zuger Polizei bestätigt den Fall: Am 29. Januar sei eine entsprechende Anzeige des Tierhalters eingegangen. «Es handelt sich beim Besitzer der Hasen um einen privaten Züchter mit mehreren Hasenställen», sagt Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden.

Die Animal Liberation Front ist eine international agierende Gruppe von Tierschützern, die immer wieder mit militanten Aktionen für Schlagzeilen sorgt. Auch Novartis geriet schon ins Fadenkreuz der Aktivisten (siehe Box). «Von der ALF hat man aber in der Schweiz seit den Angriffen gegen Novartis-Mitarbeitende relativ wenig gehört», sagt Helen Sandmeier, Sprecherin des Schweizer Tierschutzes. Offenbar suche die ALF mit dieser Aktion jetzt aber wieder die Öffentlichkeit.

Sandmeier sagt, sie heisse den Kaninchen-Diebstahl nicht gut. Aber es brauche Organisationen, die mit «ungewöhnlichen Aktionen auf dringende Probleme im Tierschutz aufmerksam machen». Die Grenze liege dort, wo Gewalt und Gewaltdrohungen eingesetzt werden, um Personen einzuschüchtern. «Ein solches Vorgehen ist nicht tolerierbar und schadet den Anliegen des Tierschutzes sogar», sagt Sandmeier.

«Wer nicht mitmacht, gilt als Verräter»

Für Extremismus-Experte Adrian Oertli gibt es einen klaren Trend, dass Tierrechtsorganisationen bei solchen Aktionen immer häufiger mit Mitgliedern aus der linksautonomen Szene zusammenarbeiten würden. «In diesen Kreisen werden die Grenzen zur Illegalität gern überschritten», sagt Oertli. Wer bei den Aktionen nicht mitmache oder dazu Kritik äussere, werde des Verrats verdächtigt oder bezichtigt, nicht genug für den «Kampf» zu tun.

«Es ist wie in einer Sekte: Je extremer man in der Wahl der Mittel ist, desto höher ist das ‹Entwicklungslevel›», sagt Oertli. Es sei also ein Zeichen besonderer Erleuchtung, wenn man bei illegalen und teilweise gefährlichen Aktionen mitmache. «Das ist ein ungeheurer psychologischer Druck, der innerhalb der Gruppe aufgebaut wird», sagt Oertli. Druck, der dazu genutzt werde, um Kontrolle auf die Mitglieder auszuüben – wie eben in einer Sekte.

«Das ist eine Wohlstandserscheinung»

«Man stellt fest, dass die Fanatisierung und Radikalisierung rund um die Tierhaltung generell zunehmen», sagt FDP-Nationalrat Walter Müller. «Wie es scheint, ist das eine Wohlstandserscheinung.» Es sei zwar das gute Recht eines jeden Einzelnen, sich für den Tierschutz einzusetzen. Allerdings sei es nicht in Ordnung, wenn man dafür zu illegalen Methoden greife.

Die Behörden müssten die Animal Liberation Front aufgrund ihrer internationaler Ausrichtung auf den Radar setzen, sagt Müller. «Man kann nicht sagen: ‹Die meinen es doch nur gut mit den Tierchen, jetzt muss man Verständnis zeigen.›» Wenn Tierschützer das Mass überschreiten und illegal und unrechtmässig vorgehen würden, sei das von der Polizei zu ahnden.

Wo sich die Kaninchen jetzt befinden, ist unklar. Die Tierschützer versichern aber, dass sie ihr Leben an einem «schönen Ort» verbringen, wo sie ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen dürfen. Betroffen reagiert Stefan Röthlisberger, Präsident der Schweizerischen Kaninchen-Experten-Vereinigung (SKEV) auf das veröffentlichte Video: «Diese Leute haben keine Ahnung, wie man mit Kaninchen umgeht». Hastige Bewegungen und Bewegungen von oben verursachten Stress, weil Kaninchen instinktmässig flüchten wollen. Ausserdem hätten die Aktivisten vergessen, Luftlöcher an der Transportkiste anzubringen. «Man würde annehmen, dass Tierschützer darauf achten würden, nicht eine solche Stressreaktion bei den Tieren auszulösen», sagt Röthlisberger.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steuerzahler am 07.02.2018 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    In beide Richtungen

    Solche Aktionen sind sicher sehr zweifelhaft. Da kann die Polizei wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, evtl gar Einbruch ermitteln. Und wenn sie schon dabei ist, kann sie ja auch gleich überprüfen ob die Tiere beim bestohlenen Züchter auch artgerecht gehalten wurden.

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  • manu mens am 07.02.2018 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    manu

    Diese Art von Tierhaltung ist wirklich nicht mehr Zeitgemäss, vielleicht überlegt sich der Tierhalter mal etwas zu ändern.

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  • Verena am 07.02.2018 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hasenelend

    Auch Hasen oder Kaninchen haben ein Recht auf artgerechte Haltung!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sofia am 07.02.2018 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Küngeli

    Meine Eltern hatten Küngeli, diese wurden von uns Kindern gehegt und gehätschelt. Wir liessen sie auf dem Rasen rennen und sie wurden nur während der Nacht eingesperrt. Ich hatte nie den Eindruck, dass unsere Küngeli unglücklich waren. Zuletzt wurden sie allerdings geschlachtet. Was diese 'Tierschützer' mit den Kaninchen anfangen wollen ist mir unklar, sie werden wohl auch in der Pfanne landen.

  • gius am 07.02.2018 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Weimarer Republik

    Ein weiteres Puzzleteil in der zunehmenden radikalisierung von Teilen der Gesellschaft. Symptomatisch steht es für die stetig wachsende Unzufriedenheit mit geltender Politik und Wirtschaftspraxis sowie der Geselschaft als solches. Wird nicht die Ursache für die Unzufriedenheit analysiert und versucht weitgehendst zu beheben, wird irgendwann aus aus Frust Aggression, aus Polemik Gewalt. Mich beängstigt es zu sehen wie von Links über die mitte bis hinüber nach Rechts die unzufriedenheit und fehlende Dialogbereitschaft stetig zunimmt. Wohin führt das alles in 10, 20 Jahren?

  • Beätu am 07.02.2018 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DEN TIERSCHÜTZER EIN GROSSES DANKESCHÖN

    Meine persönliche Sympathie gilt den mutigen TierschützerInnen und sage im Namen ALLER geretteten Tiere ein grosses DANKESCHÖN! Der Veganismus kommt nicht von ungefähr! Immer mehr, vorallem junge Menschen essen keine tierische Produkte mehr! Die Tiere werden immer mehr in jeglicher Art schlecht gehalten und ausgebeutet. Oft bekommen diese Tierquäler von der Politik noch Unterstützung oder decken einander! Meine Hochachtung gilt den Tierschützer und allen Tierquäler möchte ich wieder einmal in Erinnerung rufen, dass unter jedem Fell ein Herz schlägt!!

  • Blasmir Heynen am 07.02.2018 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht den Leuten zu gut...

    Wenn ich die Benutzerkommentare hier so lese, stimme ich dem FDP-Nationalrat Walter Müller zu. Vor 100 oder auch 50 Jahren wäre so unvorstellbar gewesen. Ich bin auch für die artgerechte Tierhaltung und bin der Meinung, dass Tierquälereien viel härter bestraft werden sollte. Diejenige, die so was tun sind keine Menschen. Es aber halt so, dass uns Herr Gott die Tiere dafür gegeben, dass wir unter anderem etwas zu essen haben.

  • Will Helm am 07.02.2018 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Mittel

    Alle müssen sich an die Gesetze halten, auch sogenannte Tierschützer. In einem Rechtsstaat gibt es auch andere Mittel.