Prämienanstieg

21. März 2017 05:58; Akt: 21.03.2017 05:58 Print

Rechnung selber bezahlen oder Spitäler schliessen?

Die Gesundheitsprämien sollen sich bis 2040 verdoppeln. Mit diesen Massnahmen wollen Politiker den Kostenanstieg bremsen.

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SVP-Nationalrat Heinz Brand: «Die Behandlung einer Grippe müsste der Patient selber zahlen»
«Heute haben wir folgende widersprüchliche Situation: Die Versicherten zahlen immer mehr Prämien. Deshalb wollen sie unsere Krankenkassenleistungen möglichst weitgehend ausschöpfen. Das führt wiederum dazu, dass die Kosten weiter steigen. Hinzu kommt: Die Krankenkassen müssen derzeit allen Ärzten und Spitälern sämtliche Leistungen bezahlen.
Wenn Krankenkassen in Zukunft gezielt Ärzte oder andere Leistungserbringer auswählen könnten, würde das den Kostenanstieg verlangsamen. Eine andere Möglichkeit wäre die stärkere Erhöhung der Grund-Franchise. Oder aber Krankenkassen würden nur noch für Grossrisiken wie beispielsweise Krebs oder einen Herzinfarkt aufkommen. Die Behandlung von geringfügigen Erkrankungen wie etwa einer Grippe aber müsste der Patient selber zahlen.»

FDP-Nationalrätin Regine Sauter: «Die Leute sollen nicht bei jeder Lappalie zum Arzt rennen»
«Um gegen die steigenden Kosten vorzugehen, hat die FPD vorgeschlagen, die Grund-Franchise zu erhöhen. Die Versicherten müssten einen grösseren Anteil der Behandlung selbst bezahlen. Damit könnten wir verhindern, dass die Leute bei jeder Lappalie zum Arzt rennen oder sich gleich von mehreren Ärzten abklären lassen. Mehr Behandlungen sollen ambulant statt stationär erfolgen. Ausserdem sollte der Vertragszwang zwischen Ärzten und Krankenkassen aufgehoben werden.»

CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer: «Stationäre Behandlungen im Spital sind die grössten Kostenverursacher»

«Wir wissen, dass die stationären Behandlungen im Spital die grössten Kostenverursacher sind. Es muss in Zukunft gelingen, dass einfachere Probleme ambulant behandelt werden. Dazu müssen finanzielle Fehlanreize eliminiert werden. Wir müssen uns auch damit befassen, dass wir zu viele Spitäler haben. Wir müssen uns fragen, ob es wirklich so tragisch ist, wenn wir einen etwas weiteren Weg ins nächste Spital in Kauf nehmen. Allerdings gibt es hier grosse Widerstände. Mit der vom Volk abgelehnten Managed-Care-Vorlage wollten wir mithilfe von Netzwerken den teuren Gang zu den Spezialisten reduzieren und Doppelspurigkeiten vermeiden. Neu arbeiten wir an der Stärkung der Interprofessionalität in der Grundversorgung mit Hilfe des elektronischen Patientendossiers. In Zukunft werden Hebammen, Physiotherapeuten oder Apotheker ihre Leistungen besser aufeinander abstimmen können. Damit werden unnötige Spital- oder Arztbesuche vermieden, was kostensenkend wirkt. Grundsätzlich müssen wir uns jedoch selbst an der Nase nehmen. Wir können nicht bei jeder kleinen Beschwerde den teuren Spezialisten aufsuchen.»

SP-Nationalrätin Bea Heim: «Die Versicherten dürfen nicht geschröpft werden»
«Ich lehne Franchisen-Erhöhungen und Leistungsabbau ab. Solange das Sparpotenzial im Gesundheitswesen nicht ausgeschöpft ist, dürfen die Versicherten nicht weiter geschröpft werden. Um Kosten einzusparen, fordere ich eine konsequente Qualitätsstrategie in den Spitälern. Wir haben unnötige Eingriffe in Milliardenhöhe. Kostentreibend ist auch die technische Aufrüstung in Spitälern und der Wettbewerb um lukrative Eingriffe. Ein Problem ist zudem die rapide Zunahme an ambulanten Behandlungen, für die im Gegensatz zu den stationären Behandlungen vollumfänglich die Krankenkassen aufkommen. Es ist dringend notwendig, dass sich auch die Kantone an den ambulanten Spital-Kosten beteiligen. Mittelfristig muss das Ziel sein, dass kein Haushalt mehr als 10 Prozent des Einkommens für die Krankenkasse ausgeben muss.»

(asc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fitfreak am 21.03.2017 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arztzeugnis

    klar renne ich nicht mit einer Grippe zum Arzt. Aber wenn es mich mal drei Tage legt, muss ich trotzdem zum Arzt um ein Arztzeugnis zu holen.

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  • RJ am 21.03.2017 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transparenz

    Bevor riesige Diskussionen beginnen lieber mal die Kosten offenlegen, dann sehen wir ja wo der Hund begraben liegt.

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  • X-Ray-Oma am 21.03.2017 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja aber.....

    ich bin sofort einverstanden , grippe-behandlung selber zu zahlen: wenn die arbeitgeber erst ein arztzeugnis nach 1 woche verlangen.....und nicht schon ,zum teil, nach 1 tag...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leode am 24.03.2017 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grippe oder Erkältung

    Grippe oder Erkältung? Eine Grippe kann für einen 75 Jährigen tödlich sein. Eine Erkältung ist meist nur unangenehm.

  • Jo am 21.03.2017 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kasse

    Das Problem ist, dass wir eine Versicherung brauchen und keine Selbstbedienungskasse. Also: Prämien runter, Selbstbehalt rauf.

  • Demokrat am 21.03.2017 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    klare Fakten???

    ich möchte zuerst wissen wohin das Geld den wir einzahlen hin geht. ohne Fakten zu diskutieren bringt nichts.

    • Logiker am 22.03.2017 06:51 Report Diesen Beitrag melden

      @Demokrat

      Dorthin wo am meisten verdient wird und in den Teppichetagen die höchsten Boni bezahlt werden können.

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  • Steuern Prämie am 21.03.2017 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch SP

    Die Lösung von Frau Heim ist ja super hilfreich. Wenn der Kanton die Kosten übernimmt, wird das ganze kein Rappen günstiger. Denkt die gute Frau denn das der Kanton das Geld dafür aus der Luft zaubert?

  • Leon am 21.03.2017 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Obligatorium abschaffen

    Krankenkassen sollen freiwillig werden. Das führt innerhalb von 30 Tagen dazu, dass die Krankenkassen die im Wettbewerb bleiben wollen, plötzlich in der Lage sein werden, die Prämien mindestens zu halbieren.