Jahres-Lohn gekürzt

11. August 2013 08:30; Akt: 11.08.2013 09:28 Print

Rega-Präsident verzichtet auf 75'000 Franken

Nach der Lohndiskussion bei der Rega zieht Stiftungsratspräsident Ulrich Graf die Konsequenzen: Er reduziert sein Salär von 90'000 auf 15'000 Franken pro Jahr.

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Der öffentliche Druck zeigt Wirkung: Rega-Stiftungsratspräsident Ulrich Graf reduziert seine jährliche Entschädigung auf 15'000 Franken. Dies schreibt die Rega in einer Medienmitteilung. Auch der «SonntagsBlick» berichtete über den Verzicht.

Das Entschädigungsregelement für den Stiftungsrat der Rega war 2004 von diesem angepasst worden, da es veraltet war. Präsident war damals Albert Keller, Ulrich Graf sass im Stiftungsrat und auch der jetzige Rega-CEO war einfaches Stiftungsratsmitglied.

Gemäss dem Reglement aus dem Jahr 2004 erhalten Stiftungsräte ein Sitzungsgeld von 900 Franken pro Sitzungstag und pauschal 2000 Franken pro Jahr sowie eine Spesenpauschale von 1000 Franken. Die Mitglieder des Stiftungsratsausschusses erhalten 8000 Franken und 2000 Franken Spesen.

«Ich hoffe, dass die Rega nun wieder in Ruhe ihre bekannte Tätigkeit ausführen kann, nämlich die anerkanntermassen erstklassige medizinische Hilfe aus der Luft zu gewährleisten und dies jederzeit und selbst in den hintersten Tälern», so Graf weiter.

Bund will Rega von Steuern entlasten

Trotz Kritik in der Öffentlichkeit steht die Rettungsflugwacht Rega auf politischer Ebene vor einem Erfolg. Der Bund ist bereit, die Stiftung von den Steuern zu entlasten und künftig bei den Gönnerbeiträgen auf die Mehrwertsteuer zu verzichten.

Man werde das Thema in die anstehende Reform des Mehrwertsteuergesetzes aufnehmen, sagt Claude Grosjean von der Eidgenössischen Steuerverwaltung der «NZZ am Sonntag». Erste Vorschläge, wie die Befreiung umgesetzt werden könnte, sollen Anfang 2014 in die Vernehmlassung gehen.

Das Finanzdepartement reagiert damit auf einen Entscheid des Nationalrates vom vergangenen 18. Juni. In einer Motion verlangte die grosse Kammer damals ohne Diskussion und Widerstand, dass die Rega bei der Mehrwertsteuer zu entlasten sei. Damit wollen die Nationalräte ein Urteil des Bundesgerichts aus dem Jahr 2011 korrigieren. Die höchsten Richter kamen damals zum Schluss, die Gönnerbeiträge seien keine normalen Spenden, sondern vielmehr eine Art Versicherungsprämie, von welcher der Gönner im Notfall eine Deckung seiner Rettungskosten erwarte. Als Folge muss die Rega seit 2008 der Bundeskasse jährlich rund 5,5 Millionen Franken an Mehrwertsteuern abliefern.

Die Rega selber bekämpft diese Regelung seit langem, und sie ist bereit, dabei auch neue Wege zu gehen: «Wir denken auch über eine Volksinitiative nach», sagt Stiftungsrat Franz Steinegger im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Rega-Chef Kohler verteidigt seinen Lohn

Während Stiftungsratspräsident Graf sein Salär kürzt, verteidigt Rega-Chef Ernst Kohler seine 500'000 Franken pro Jahr. Im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» sagt er: «Mir ist wohl bei diesem Lohn, ich halte ihn für gerechtfertigt.»

Den Vergleich mit einem Bundesratslohn (gut 400'000 Franken) lässt er nicht gelten: «Ich finde, das lässt sich nicht vergleichen. Wir bewegen uns im Arbeitsmarkt, zahlen aber für die Geschäftsleitung 30 Prozent tiefere Löhne als sonst üblich, weil wir nicht gewinnorientiert sind. Gute Arbeit darf auf allen Stufen auch angemessen entlohnt werden. Man kann immer alles infrage stellen. Aber irgendwann muss man einen Punkt machen.»

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Rega künftig nicht mehr unter dem Gütesiegel der ZEWO fliegen wird. In diesem Zusammenhang wurde Kritik an der Höhe der Saläre des Stiftungsrates und der Geschäftsleitung laut.

Erst auf Druck der Öffentlichkeit gab Rega-Chef Ernst Kohler die Lohnbandbreite bekannt: CEO, Chefarzt und Finanzchef verdienen 250«000 bis 440«000 Franken. Hinzu kommen Prämien von bis zu 13,6 Prozent dieses Salärs.

(rey/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. Otor am 11.08.2013 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Zu spät,

    der Schaden ist angerichtet. Tausende Schweizer glaubten (man hätte es besser wissen können) mit dem Rega-Beitritt (Spende) etwas Gutes zu tun. Die Rega ist ein Unternehmen wie Nestlé, Sulzer oder die Swiss. Und sie ist enorm gewachsen. Von Kuhtransporten von der Alp über Merchandising bis zu Repatriierungsflügen aus allen Kontinenten macht sie alles. Und sie muss auch Gewinn machen, denn die Investitionen sind hoch. Dementsprechend sind auch die Saläre der Verantwortlichen, wobei dasjenige des Präsidenten wirklich jenseits von Gut und Böse ist (war).

  • Carol am 11.08.2013 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Man rechne:

    wenn Ulrich Graf bei der Rega im VR einen 20-Prozent-Einsatz macht, wieviel Prozent arbeitet er denn in den anderen 31 VR? Ich gehe mal von 620% aus, was sein Einkommen rechtfertigen würde. - Ganz vergessen, so viele Stunden hat ein Jahr gar nicht. Wie bringt er das denn unter einen Hut?

  • Nina T. am 11.08.2013 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    verkehrte Welt

    Verkehrte Welt. Diejenigen, die einen hohen Lohn verdienen würden, erhalten ihn nicht, weil das Geld von denen, die es nicht verdienen unter vielerlei Ausreden abgegraben wird. - - - 90'000 im Jahr für eine wichtige 100%-Stelle sind angemessen. Der andere mit den 500'000 muss kürzen. 250'000 beim Chefarzt wiederum sind angemessen. Schliesslich trägt er die medizinische Verantwortung. Was aber gar nicht geht, ist wenn die Herren im Finanz-Teil meinen, ihr Job wär genauso anspruchsvoll wie der eines Arztes, Ersthelfers oder Retters. Die Abzocker sind überall und ruinieren die Fairness weltweit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Manuel Meier am 11.08.2013 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Geschmacklos

    Und was ist mit Hr. Koller? Wenn ich sehe wie tief die Herren in die Kasse greifen, dann ist mein Gönnerbeitrag nicht mehr von nöten!

  • Marc Weber am 11.08.2013 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nix

    Keinen Rappen kriegen die von mir und meiner Familie.

  • Peter W. am 11.08.2013 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neid

    Die Eidgenossen verkommen immer mehr zur Neidgenossenschaft!

  • Walter Portmann am 11.08.2013 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zu späte Reaktion

    Finde ich schwach von dem Herrn, denn er gibt somit zu, dass er bisher abgezockt hat.

  • Walti am 11.08.2013 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe meine Gönnerschaft...

    ....bei der REGA bereits gekündigt! Ich unterstütze keine Abzocke.

    • Hans Meier am 11.08.2013 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gurki

      Schön für dich und wer holt dich ohne REGA mit dem Heli? Der TCS (nur wenn du Mitglied bis 90fr plus den ETI Schutzbrief nochmal 150 kostenlos) . Bei der REGA sind es Fr 30. die Saläre des TCS sind ?? Nein du weist es nicht! Also,

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