Goldinitiative

07. Oktober 2014 17:56; Akt: 08.10.2014 10:14 Print

Reimanns Gold-Rede ist ein Youtube-Renner

von R. Kayser - 50'000 Klicks und in andere Sprachen übersetzt: Die Rede von SVP-Nationalrat Lukas Reimann zur Goldinitiative ist ein Youtube-Hit. Das liege am Thema, meint ein Experte.

Lukas Reimanns Rede zur Goldinitiative vor dem Parlament. (Mai 2014)
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Sie ist weder lustig oder spektakulär noch besonders originell. Trotzdem ist Lukas Reimanns Rede über die Goldinitiative vor dem Parlament im Mai 2014 auf Youtube ein Renner. Über 40'000 Klicks verzeichnet das Original-Video. Zählt man alle Youtube-Posts zusammen – das Video wurde von verschiedenen Nutzern rund 20-mal veröffentlicht – kommt man auf rund 50'000 Klicks. In seiner Rede wirbt Mitinitiant Reimann für die Goldinitiative und bezeichnet das heutige Geldsystem mit ungedecktem Papiergeld als «den grossen Betrug unserer Zeit».

Reimann ist selber überrascht ob der grossen Resonanz seines Referats. «Normalerweise laufen Parlamentsdebatten im Internet nicht so gut,» meint er schmunzelnd. Er freut sich über die vielen Klicks. Die Popularität des Clips bestätige ihm, dass er und seine Mitinitianten mit der Goldinitiative richtig lägen. «Offenbar habe ich mit meiner Rede einen wunden Punkt in der Bevölkerung getroffen.» Viele Leute fürchteten, dass Papiergeld langfristig keinen Wert mehr haben könnte.

Auch aus dem Ausland habe er viele positive Rückmeldungen bekommen, so Reimann. Seine Youtube-Rede wurde sogar ins Englische und ins Slowenische übersetzt. Letzteres erstaune ihn aber: «Dort kenne ich gar niemanden.»

Gar keine spektakuläre Rede

Reimanns Referat ist nicht die einzige Ansprache aus dem Parlament, die sich auf Youtube grosser Beliebtheit erfreuen konnte. So haben etwa der berühmte Bündnerfleisch-Stotterer von alt Bundesrat Rudolf Merz oder der Orgasmus-Versprecher von BDP-Nationalrat Peter Luginbühl für viel Aufmerksamkeit und Unterhaltung gesorgt. Was aber macht die Beliebtheit von Reimanns Gold-Rede aus?

An der Rede selbst könne es nicht liegen, dass das Video im Internet so populär ist, meint Politik- und Kommunikationsexperte Iwan Rickenbacher. «Das ist eine ganz normale Politikerrede», so sein Fazit, «sie ist weder spektakulär, noch beinhaltet sie einen Gag oder einen peinlichen Patzer.» Zum Vergleich: Merz' Bünderfleisch-Rede erzielte über fünf Millionen Klicks, Luginbühls Orgasmus-Patzer rund 6000.

Vielmehr sei der Erfolg der Rede auf deren Inhalt zurückzuführen, so Rickenbacher. «Reimann hat in seiner Rede eine Frage aufgeworfen, welche viele Leute betroffen gemacht hat.» Der SVP-Nationalrat hätte mit dem Motto «Was alle kennen und niemand weiss» gepunktet: «Viele Leute gehen täglich mit Geld um und wissen gar nicht, wo und wie es hinterlegt ist.»

«Wir werden besser abschneiden, als viele denken»

Trotz Youtube-Hit: Im Moment stehen die Vorzeichen für die Goldinitiative schlecht. Der Bundesrat hat am Dienstag die Nein-Parole zur Volksinitiative verkündet und auch das Parlament hat die Goldinitiative längst zur Ablehnung empfohlen. Sogar aus den eigenen Reihen innerhalb der SVP hagelt es Kritik.

Reimann wertet die breite Resonanz seiner Rede jedoch als positives Zeichen, dass die Goldinitiative an der Urne sogar eine Chance haben könnte. Er gibt sich kämpferisch: «Wir werden besser abschneiden, als viele denken.»

Das Volk stimmt am 30. November über die Goldinitiative ab.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • El Yucateco am 07.10.2014 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Auf weiter Flur alleine...

    Der Grund für die Beliebtheit des Videos ist, dass es eben genau etwas sagt, das vielen nicht bekannt ist. Es ist eine grosse Ausnahme, dass in der Schweiz überhaupt eine öffentliche Person darüber spricht.

  • Alex Andres am 07.10.2014 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist Alles gesagt...

    ... wer nicht versteht, was Reimann sagt, konnte sich mit dem Thema vermutlich nicht genug auseinandersetzen. Es ist nicht einfach, denn die Eliten möchten, dass wir das Thema nicht verstehen. Initiative: JA! Ziehen wir diesen Blutsaugern endlich den Stecker! Nein zu einer Orwell'schen Diktatur!

  • Golden am 07.10.2014 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diese Rede ist Gold wert.

    Chapeau! Endlich jemand der den Mut hat und etwas richtiges sagt, diese Rede ist Gold wert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christoph Schmid am 08.10.2014 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Goldinitiative x 100 =Vollgeldinitiative

    Die Nationalbank kann den Auftrag der Geldwertstabilität nicht erfüllen weil: 1.) Sie die Geisel der kredithungrigen Schuldenwirtschaft ist. 2.) Die Banken durch eigene Geldschöpfung (Kreditvergabe von (fast) ungedeckten Versprechungen) die wahren Geldproduzenten sind. Die Goldinitiative hat ein edles Ziel ist aber nicht durchdacht. Die wirkliche Lösung bringt die Vollgeldinitiative, die aber leider bisher von keiner Partei gesponsert wird. Die Schweiz wäre in 15 Jahren schuldenfrei. Leider haben die wenigsten überhaupt davon gehört... schade.

  • Christoph Schmid am 08.10.2014 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Problem liegt bei Giralgeldschöpfung

    Was zählt ist die Geldwertstabilität. Für 100CHF soll ich heute den gleichen Warenkorb kaufen können wie in 10 Jahren. Um das zu erreichen muss das Geld mit einem gleichbleibenden Wert hinterlegt sein. Früher war das Gold. Heute ist Gold ein Spekulationsgut geworden und garantiert nicht mehr die gewünschte Stabilität. Den 100CHF muss der Wert des Warenkorbes selbst hinterlegt werden. D.h die Nationalbank muss die Geldmenge dem realen Wirtschaftswachstum anpassen. Das geht aber nicht, da die Banken mit ihrem Giralgeld die eigentlichen Geldschöpfer sind, nicht nur die Nationalbank.

  • Daniel Schlatter am 08.10.2014 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Weltwirtschaftskrise 1929

    Was Reimann mit seiner Theorie verschweigt, ist dass der Goldstandard Grund der schweren Weltwirtschaftskrise von 1929 war. Der Goldstandard war der Hauptgrund dafür, dass der Börsencrash von 1929 zu einer langen Weltwirtschaftskrise mit Millionen Arbeitslosen rund um den Globus auswuchs. Regierungen und Notenbanken mussten tatenlos zusehen, wie die Geldmenge sank. Dabei hätte die Wirtschaft frisches Geld gebraucht, um wieder auf die Beine zu kommen. Doch weil die Zentralbanken nicht genügend Gold besassen, konnten sie kein Geld in Umlauf bringen.

  • Gold und Silber am 08.10.2014 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Pro-Lager: Wie stellt Ihr Euch das vor?

    Annahme: jeder CHF muss zu 100% mit Gold hinterlegt sein. Szenario1: sinkt der Goldpreis zum CHF, muss man CHF einziehen, oder Gold kaufen. Steigt er, kann man CHF drucken, oder Gold verkaufen. Einwand: der Goldpreis wird durch den Weltmarkt fremdbestimmt. Die Schweiz hat kaum Einfluss, muss aber reagieren. Damit verliert man Unabhängigkeit. Ist das gut für uns? Nein. Szenario2: steigt die Nachfrage nach CHF, weil andere Währungen (ohne Golddeckung) gemäss Pro-Theorie bachab gehen, wertet sich der CHF als Fluchtwährung entweder unkontrolliert auf (schlecht für wichtigen Export), oder man muss Gold kaufen, um CHF zu drucken. Einwand: auch hier: fremdbestimmte Entwicklung, Verlust von Unabhängigkeit. Szenario3: sinkt die Nachfrage nach CHF, kann die SNB das Gold gemäss Initiative nicht verkaufen. Der CHF ist dennoch weniger wert. Einwand: Zwar liegt nun pro CHF mehr Gold im Keller der SNB. Das bringt dem CHF-Eigner aber nichts, denn er kann auf das Gold nicht zugreifen. Ungleich dem Hauskauf mit Hypothek, bei dem die Bank das Haus verkaufen kann, wenn der Hauseigentümer nicht bezahlt, kann der Franken-Eigner nicht auf das Gold zugreifen, wenn ihn der Franken-Kurs zu tief dünkt. Denn: der Franken ist ein Zahlungsmittel, kein Schuldschein der SNB. Glaubt ihr, man kann jetzt mit dem 100er-Nötli (das dem Eigner entwertet scheint) zum Betreibungsamt gehen und die SNB auf eine bestimmte Menge Gold betreiben? Oder wie stellen sich die Befürworter das ganz genau vor? Basiert Euer System, richtig betrachtet, nicht letztlich auch, genau wie das gegenwärtige, auf dem Vertrauen in die SNB und damit indirekt in die schweizerische Volkswirtschaft? Gegenüber den Wert, bzw. der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft der Schweiz spielen die paar Tonnen Gold beim besten Willen keine Rolle.

    • Roger Kuhn am 08.10.2014 14:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Contra-Lager ...

      Scenario4: denkt doch mal nachhaltig und langfristig, die Zeit arbeitet immer für die Notenbanker und eher gegen das Volksvermögen, irgendein "Durchgeknallter" wird früher oder später das Papiergeld-System in den Boden reiten.

    • Silber und Gold am 08.10.2014 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roger Kuhn

      Eben: wie ganz genau? Hast Du persönlich in diesem Crash-Szenario mehr Gold in Händen, das du gegen Kartoffeln tauschen kannst? Das Gold ist nach wie vor bei der SNB im Keller. Oder spendiert dir die SNB dann den Zmittag? Oder geht das Gold dann zum Bundesrat? Lebt die CH dann vom Gold, das man nicht verkaufen kann? Was, wenn das aufgebraucht ist? Das ist Pseudo-Sicherheit, eine Augenwischerei.

    • Jacky M. am 08.10.2014 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      Wo liegt das Problem?

      Das war ja schon mal so!

    • Daniel Schlatter am 08.10.2014 15:37 Report Diesen Beitrag melden

      Tödlicher Mechanismus

      @Silber und Gold: sehr gut dargestellt. Nur eines hast Du nicht herausgestrichen: je höher der Goldbestand der SNB, umso grösser das Risiko bzw. die Abhängigkeit. Nicht auszumalen, was passiert, wenn z.B. die Chinesen grosse Teile ihres Goldes auf den Markt werfen! Soviel Geld kann die SNB gar nicht drucken, wie sie bräuchte, um aufgrund des fallenden Goldpreises wieder im Soll zu sein! Der Mechanismus ist tödlich!

    • Gold und Silber am 08.10.2014 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Daniel Schlatter

      Einverstanden, danke für die Ergänzung!

    • Sandro O. am 08.10.2014 16:09 Report Diesen Beitrag melden

      Info

      Wikipedia sagt, dass 12% des geförderten Goldes für die Industrie verwendet wird, 85% wird zu Schmuck verarbeitet. Die restlichen 3 % gelangen in Tresore von Banken. 3%, oder China bedient sich dem Schmuck und verkauft ihn später wieder. Hat China nicht genügend andere Wege, der Wert der Währung zu verringern? Der teuerungsbereinigte Wert von Gold schwankte in den letzten 50 Jahren zwischen 150 und 1200 (Achtfaches von 150)

    • Susi am 08.10.2014 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nur Gold zählt!

      Ganz einfach: Nur Gold behält seinen Wert...

    • Max Meister am 08.10.2014 20:47 Report Diesen Beitrag melden

      nicht ganz, aber ja

      Nicht ganz, aber Gold zählt zu den wenigen Dingen die auch dann noch Wert haben, wenn alles andere keinen mehr hat.

    • Christoph Schmid am 08.10.2014 23:06 Report Diesen Beitrag melden

      Tausche 1Kg Gold gegen 1Kg Brot nach Apo

      Jedes Ding hat den Wert den jemand dafür zu zahlen bereit ist. Das Einzige was seinen Wert behält ist das, was man nicht veräussern mag/kann. Wenn ihr in eurem schlimmsten Apokalypsealptraum jemanden findet, der euch für euer Gold ein Stück Brot verkauft, ja dann ist Gold wirklich der Wert den ich hinter meinem Papiergeld wissen will. Ansonsten ist der "Goldwert" auch nur ein kollektiver Hoffnungsträger.

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  • Gold und Silber am 08.10.2014 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Pro-Lager: Wie stellt Ihr Euch das vor?

    Annahme: jeder CHF muss zu 100% mit Gold hinterlegt sein. Szenario1: sinkt der Goldpreis zum CHF, muss man CHF einziehen, oder Gold kaufen. Steigt er, kann man CHF drucken, oder Gold verkaufen. Einwand: der Goldpreis wird durch den Weltmarkt fremdbestimmt. Die Schweiz hat kaum Einfluss, muss aber reagieren. Damit verliert man Unabhängigkeit. Ist das gut für uns? Nein. Szenario2: steigt die Nachfrage nach CHF, weil andere Währungen (ohne Golddeckung) gemäss Pro-Theorie bachab gehen, wertet sich der CHF als Fluchtwährung entweder unkontrolliert auf (schlecht für wichtigen Export), oder man muss Gold kaufen, um CHF zu drucken. Einwand: auch hier: fremdbestimmte Entwicklung, Verlust von Unabhängigkeit. Szenario3: sinkt die Nachfrage nach CHF, kann die SNB das Gold gemäss Initiative nicht verkaufen. Der CHF ist dennoch weniger wert. Einwand: Zwar liegt nun pro CHF mehr Gold im Keller der SNB. Das bringt dem CHF-Eigner aber nichts, denn er kann auf das Gold nicht zugreifen. Ungleich dem Hauskauf mit Hypothek, bei dem die Bank das Haus verkaufen kann, wenn der Hauseigentümer nicht bezahlt, kann der Franken-Eigner nicht auf das Gold zugreifen, wenn ihn der Franken-Kurs zu tief dünkt. Denn: der Franken ist ein Zahlungsmittel, kein Schuldschein der SNB. Glaubt ihr, man kann jetzt mit dem 100er-Nötli (das dem Eigner entwertet scheint) zum Betreibungsamt gehen und die SNB auf eine bestimmte Menge Gold betreiben? Oder wie stellen sich die Befürworter das ganz genau vor? Basiert Euer System, richtig betrachtet, nicht letztlich auch, genau wie das gegenwärtige, auf dem Vertrauen in die SNB und damit indirekt in die schweizerische Volkswirtschaft? Gegenüber den Wert, bzw. der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft der Schweiz spielen die paar Tonnen Gold beim besten Willen keine Rolle.