Zürich Hauptbahnhof

16. Januar 2016 23:28; Akt: 18.01.2016 14:58 Print

SBB müssen Markierungen für Blinde entfernen

Die weissen Streifen bei den Gleisen würden die Sehenden irritieren und müssten daher weg, sagt der Bund. Blindenorganisationen gehen vor Gericht.

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Die weissen Streifen in Gleisnähe markieren auch für die Sehenden die Grenze zum Gefahrenbereich: Reisende rennen am Bahnhof Löwenstrasse in Zürich auf den Zug. (14. Juni 2014). (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Der Bund legt sich mit den Blinden an: Das Bundesamt für Verkehr zwingt die SBB, am neuen Bahnhof Löwenstrasse im Zürcher Hauptbahnhof Markierungen für Blinde wieder zu entfernen. Am 19. Oktober hat die Behörde von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard zuhanden der Bahn die entsprechende Verfügung erlassen, wie die «Sonntagszeitung» berichtet.

Die vielen Markierungen würden die Sehenden irritieren, was ein Sicherheitsrisiko für die Reisenden sei, hiess es. Denn die weissen Streifen in Gleisnähe markieren auch für die Sehenden die Grenze zum Gefahrenbereich bei den Perrons. Mit zu vielen Bodenstrichen, so die Überlegung der Beamten, würden Leute mit gesunden Augen den Warncharakter dieser Markierungen missachten.

Bundesamt verteidigt sich

Jetzt kommt die Sache vor Gericht: Drei Blindenorganisationen, darunter der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband, haben am 6. Januar beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen den Behördenentscheid eingereicht. Sie monieren einen Verstoss gegen das Diskriminierungsverbot.

Beim Bundesamt verteidigt man die umstrittene Verfügung und verweist auf eine Studie. Diese habe gezeigt, dass bei zu vielen Markierungen die als Sicherheitslinien vorgesehenen Streifen «von der Allgemeinheit nicht mehr in genügendem Ausmass wahrgenommen werden». Beim Bau des Bahnhofs Löwenstrasse hätten die SBB überdies eine frühere – also falsche – Version der Vorschriften angewendet. Das Amt habe lediglich «die Anpassung der Markierungen gemäss der heute geltenden Vorschriften verlangt».

«Das Hinterletzte»

Gar kein Verständnis für den Entscheid des Bundes hat Kurt Schreiber, Präsident der Passagierlobby Pro Bahn: «Die Begründung, wonach die Streifen die sehenden Fahrgäste irritieren sollen, irritiert mich», sagt er zu 20 Minuten. Im oberen Teil des Bahnhofs funktioniere das mit den Streifen ja problemlos, warum nicht auch unten? «Dass der Bund den Sehbehinderten dieses Hilfsmittel wegnehmen will, ist das Hinterletzte», sagt Schreiber. «Ich bin überzeugt, die Sehenden bringen die nötige Toleranz für die Markierungen auf.»

(dia/rom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Biin am 16.01.2016 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Mich irritiert eher dieser Entscheid als die Streifen am Boden...

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  • julia am 16.01.2016 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oh mein Gott

    der bund ist doch nicht mehr ganz bei sinnen ! das ist es eine grosse gefahr für die sehbehinderten menschen , dass sie unter den zug oder auf das Gleis fallen !

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  • christian.v am 16.01.2016 23:36 Report Diesen Beitrag melden

    gesetze

    die ständigen Anpassungen bei den Gesetzen rund um Motorfahrzeuge iritieren mich auch!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rhodan am 19.01.2016 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übermalen

    Man könnte die Streifen doch einfach übermalen. Die Blinden könnten sie trotzdem mit dem Stock ertasten und die sehenden würden nicht irritiert

  • Anno am 19.01.2016 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenverstand?!

    wo ist der gesunde Menschenverstand geblieben?! jedes Kind weiss doch was diese Streifen am Boden sind und, dass diese nicht übertreten werden dürfen!

  • Diego am 18.01.2016 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einma ganz erlich

    Am anfang dachte ich das sei ein übler Witz. Seit froh wenn ihr nicht blind seit. Der Bund sollte sich was schämen. Man sollte D. Leuthard und ihr Team auf die Strasse setzen. Die sind ja nicht hanz normal.

  • D.N. am 18.01.2016 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache

    Stellt doch noch ein paar hundert Leute ein, die das Geld vorweg zum Fenster hinausschmeissen!

  • irene am 18.01.2016 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schreibtisch-Entscheid Bundesbern

    Was das wieder einmal in Bundesbern entschieden wurde ist nicht nachvollziehbar. Die weissen Streifen sollen bleiben, denn ich orientiere mich auch danach und bleibe hinter diesen stehen um auf den Zug zu warten.