Convenience-Boom

31. Juli 2017 05:48; Akt: 31.07.2017 16:04 Print

SBB prüft flexible Preise in Bahnhof-Shops

von Stefan Ehrbar - Die Preise in den Bahnhofläden könnten bald je nach Uhrzeit wechseln. Zudem soll das Angebot an schnellem Convenience-Food stark wachsen.

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Die SBB prüft, ob Ladenmieter in ihren Bahnhöfen mit wechselnden Preisen arbeiten sollen. Die sogenannten «dynamischen Preise» seien ein «möglicher Hebel», den die SBB beobachte und eruiere, schreibt Bewirtschaftungs-Chef Markus Streckeisen in einem Blog. Unter dynamischen Preisen versteht man unterschiedliche Preise für dieselben Produkte je nach Tageszeit, Wetter oder Konkurrenzsituation.

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Nötig wären dafür elektronische Preisschilder. In einer Studie des Büros Fuhrer & Hotz, für die 100 Entscheidungsträger im Detailhandel befragt wurden und die 20 Minuten vorliegt, war unter den befragten Experten ein Viertel der Meinung, das Konzept sei sinnvoll. Als mögliche Option wird von den Experten häufiger die Möglichkeit genannt, nach Tageszeit, etwa nach 22 Uhr, die Preise erhöhen zu können. SBB-Sprecherin Franziska Frey sagt, die Studie zeige «interessante Ansätze», die von der SBB genauer geprüft würden.

SBB profitiert vom Umsatz

Der Widerstand gegen dynamische Preise ist gross: In der Studie findet eine Mehrheit der Befragten die Methode nicht in Ordnung oder inakzeptabel. Nur bei den 20- bis 39-Jährigen liegt dieser Wert etwas unter 50 Prozent. Die SBB könnte von der Methode profitieren, weil sich die Ladenmiete in vielen Bahnhöfen aus einem Fixbetrag und einer Umsatzbeteiligung zusammensetzt.

Die SBB will aber auch, dass sich mehr Pendler in den Bahnhöfen verpflegen. Deshalb plant sie, 45 Prozent mehr Fläche für Gastronomie und sonstige Essens-Angebote zu schaffen. Die Umsetzung dieses Ziels bis 2030 wird für jeden Bahnhof einzeln geplant, sagt Sprecherin Frey.

«Coop To Go» an der Spitze

Bei Mieterwechseln oder auslaufenden Mietverträgen könne die Nutzung überprüft und auf Gastronomie oder Food angepasst werden. Zudem wolle die SBB an geeigneten Standorten auf den Perrons weitere Verkaufsstände installieren. Momentan seien dazu Abklärungen am Laufen, sagt Frey.

Insbesondere bei vorgefertigten Lebensmitteln, dem sogenannten Convenience-Food, will die SBB zulegen. Bis 2019 dürften die Läden der Coop-Kette Coop To Go in den Bahnhöfen umsatzmässig stark wachsen. Zu dieser Einschätzung kommt die Studie von Fuhrer & Hotz. Auch der Umsatz von Migrolino und Coop Pronto in den Bahnhöfen dürfte bis 2019 ein Wachstum verbuchen. Düster sieht es hingegen für die klassischen Kioske aus. Sie können bei der frischen Sofort-Verpflegung nicht mithalten und müssen mit Umsatzeinbussen rechnen.

Convenience-Boom hält an

Unter den pendelnden Konsumenten kaufen heute schon 48 Prozent morgens im Bahnhof Getränke zum Mitnehmen ein, zeigt die Studie. Jeder achte Befragte isst morgens direkt im Bahnhof etwas, am Mittag trifft das sogar auf beinahe jeden dritten zu. Am Abend kaufen dann mehr Leute Produkte für zu Hause ein.

Die Studienautoren rechnen damit, dass der Convenience-Boom weiter anhält. Mit ihren Ausbauplänen will die SBB daran teilhaben – und die Bahnhöfe zu «Destinationen mit hoher Aufenthalts- und Angebotsqualität entwickeln», wie Bewirtschaftungs-Chef Streckeisen schreibt.

Schon heute nutzt laut der Studie jeder dritte Pendler den Bahnhof am Abend als Treffpunkt mit Freunden. Auch deshalb hat die Immobilien-Abteilung der SBB einen Masterplan entwickelt, um die Bahnhöfe aufzuwerten, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtete. Dass dazu auch Taxistände verlegt und Randständige von den Haupteingängen ferngehalten werden sollen, sorgte für Kritik.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mala82 am 31.07.2017 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bis zum Äussersten ausschöpfen

    Staatlich subventioniertes Unternehmen sollte der Öffentlichkeit dienen, faire Preise anbieten & nicht alles ausschöpfen, um noch mehr Geld zu machen! Nein liebe SBB - nicht mit uns! Kümmert euch um das KERNGESCHÄFT - damit die Züge fahren...

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  • M. D. am 31.07.2017 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das hat noch gefehlt!

    Soweit kommt es noch! Das wird ja immer schöner....

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  • Helvetia am 31.07.2017 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke!

    Ich habe definitiv keine Lust auf dynamische Preise!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ilse znark am 31.07.2017 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Bahnhof ist für die ZUEGE!!!!

    Sollte das kommen muss das Einkaufen Bahnhöfen vermeiden ! Das geht ganz gut! Es brauche ein bisschen Überbelegung und gut ist. Die SBB und die Geschäfte wollen das so!!!! BAHNHOF ist für die Züge und KEIN Einkaufszentren!!!

  • Tom am 31.07.2017 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch besser als die Uhr...

    ...wäre ein Lohnausweis mit versteuerbarem Einkommen. "Aha Herr Ospel, heute kostet Ihr Gipfeli 20.-" "Aha Herr Büezer, heute bekommen Sie für Ihr Gipfeli 2.- zurück". Und schon bald geht Frau Büezer für Frau Ospel, Frau Vasella, Frau Meyer, Frau Ruof usw. einkaufen....

  • Rolf Dürig am 31.07.2017 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werde einfach wie bisher

    das Benötigte in der Tasche oder Rucksack mitnehmen. Hab ich "fast" immer so gemacht. Egal ob ich mit dem Zug oder mit dem Auto unterwegs bin. Jeder selbst Schuld der sich ausnehmen lässt.

  • Silberlicht am 31.07.2017 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Hört endlich auf uns abzurocken

    Nein, liebe SBB. Hört endlich auf, uns abzocken zu wollen. Das öffnet Missbrauch Tür und Tor. Das wollen wir nicht. Es wäre an der Zeit, dass die SBB, Swisscom, SRF und Post wieder verstaatlich werden. Staatlich subventionierte Firmen sollen der Öffentlichkeit dienen, und nicht abzocken. Die Preise dürfen nicht flexibel werden, sonst kommt einer auf die Idee, 15 Franken und mehr für ein Wasser zu verlangen.. Ihr sollt dafür sorgen, dass die Züge fahren. Und die Läden, die sollen bei den normalen Preisen bleiben, und nicht abzocken. Hört endlich auf, bürgerlich zu wählen, dann kommt auch gut.

  • Martial2 am 31.07.2017 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das wäre ein Schritt vorwärts...

    Dass man diese Fläche für die Gastronomie ausbaut ist sehr begrüssenswert; schnell morgens ein Kaffee/Gipfeli, mittags zwischen zwei Züge eine Kleinigkeit essen, abends Lebensmitteln um den Kühlschrank zuhause zu füllen. Nicht jeder hat in dieser Stress-Welt sehr viel Zeit. Dazu käme weniger Sauerei in den Waggons auf. Am Bahnhof-Eingang Randständige räumen, und diese 100 Taxis reduzieren!