Facebook-Analyse

29. März 2018 05:51; Akt: 29.03.2018 05:51 Print

Diese Parteien haben die meisten Wutbürger

von Nikolai Thelitz - BDP-Fans sind besonders oft traurig, Grünliberale haben viel Liebe übrig und Anhänger der SVP empfinden am meisten Wut. Das zeigt eine Datenanalyse von 20 Minuten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Skandal: Bundesrat verschenkt 1,3 Milliarden Franken Steuergelder an die EU!», titelte die SVP Schweiz letzten November auf ihrer Facebook-Seite und brachte so das Blut ihrer Anhänger zum Kochen. 494 Personen reagierten mit einem wütenden Emoji auf den Beitrag, der auf eine Medienmitteilung der Partei zur Kohäsionsmilliarde verlinkt. Auch mit Angriffen auf Bundesrätin Simonetta Sommaruga sorgt die SVP regelmässig für Hunderte roter Emoji-Köpfe. Insgesamt 9250-mal wurde das wütende Gesicht, eine so genannte «Reaction», auf der Facebook-Seite der SVP angeklickt.

Umfrage
Welche «Reaction» benutzen Sie am liebsten?

Im Frühjahr 2016 führte das soziale Netzwerk neben dem klassischen «Like» weitere Möglichkeiten ein, auf Beiträge reagieren zu können: ein Herzchen, ein lachendes, ein erstauntes, ein trauriges und ein wütendes Gesicht. 20 Minuten hat sämtliche Posts der nationalen Parteien mit Fraktionsstärke ausgewertet. Dabei zeigt sich: Der Like ist immer noch die beliebteste Reaktion. Klammert man diesen jedoch aus, zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den Parteien.

Trump und Waffenexporte bringen Linke in Rage

Das Wut-Emoji wird besonders oft bei SVP-Posts benutzt, es kommt in 71 Prozent der Fälle zum Einsatz. Bei den anderen Parteien liegt der Wert weit tiefer, auf Platz 2 folgt die CVP mit 47 Prozent wütenden Reaktionen. Die Fans der Sozialdemokraten vergeben in 45 Prozent der Fälle ein wütendes Emoji und lassen sich besonders von Donald Trump, Waffenexporten nach Saudiarabien und Leistungskürzungen bei Behinderten in Rage bringen. Mit 32 Prozent am wenigsten Wut empfinden die Anhänger der BDP. Doch auch hier ist das wütende Emoji nach dem Like-Button die am häufigsten gewählte Reaktion. Am hässigsten waren die BDP-Fans auf die Umsetzungsvorschläge des Bundesrates zur Pädophileninitiative, die der Partei nicht weit genug gingen.

Neben all der Wut bleibt bei den SVP-Anhängern nur noch wenig Platz für Liebe. Das Herzchen-Symbol wird nur in 12 Prozent der Fälle angeklickt, damit landet die Partei auf dem letzten Platz im Ranking. Besonders viel Liebe haben hingegen die Anhänger der GLP übrig: 30 Prozent der «Reactions» sind Herzchen. Besonders toll fanden die Sympathisanten der Grünliberalen das Scheitern der Durchsetzungsinitiative oder Fortschritte bei der «Ehe für alle».

Freude und Trauer sind je nach Partei ebenfalls unterschiedlich vertreten. Besonders viel zu lachen haben die Anhänger der Grünen, beispielsweise bei einer Fotomontage, welche die SVP-Grössen Albert Rösti und Magdalena Martullo-Blocher als Steinzeitmenschen zeigt. Trauer-Symbole werden bei Posts der BDP und der FDP am häufigsten verwendet. Diese wenig genutzten Reaktionen werden jedoch auch von Einzelereignissen geprägt, wie etwa dem Rücktritt von Urs Gasche aus dem Nationalrat oder dem Tod des ehemaligen deutschen FDP-Chefs Guido Westerwelle.

Ähnliche Untersuchungen in Österreich und Deutschland zeigen: Auch dort lösen die rechtspopulistischen Parteien mit ihren Posts besonders viele wütende Reaktionen aus. «Wut und Angst lassen sich am besten bewirtschaften», sagt Polit-Berater Mark Balsiger. Gemäss der SVP-Rhetorik laufe vieles schief und es gebe auch immer einen Schuldigen, beispielsweise die EU, Flüchtlinge, die SRG oder der Bundesrat. «Es ist einfacher, andere anzuprangern, anstatt sich mit Kompromissen zu einem Lösungsansatz durchzuringen.»

Nicht nur Partei-Fans äussern sich auf Facebook

Auch die SP und die Grünen würden sich dieser Strategie bedienen, die angeblich Schuldigen würden einfach anders heissen. Ein Grund für die vielen Liebes-Symbole bei der GLP sei das tiefere Durchschnittsalter bei den aktiven Mitgliedern.«In meiner Beobachtung orientieren sich die Jüngeren eher am Positiven, was sich auch an den vielen Loves auf Facebook zeigt.»

Sprachwissenschaftlerin Christina Siever hat die Emoji-Kommunikation wissenschaftlich untersucht. «Es ist wohl so, dass die Parteien selbst teilweise möglichst kontroverse Posts verfassen, denn durch mehr Reaktion gibt es mehr Reichweite.» Sie gibt jedoch zu bedenken: «Es müssen nicht immer Fans einer Partei sein, die auf einen Beitrag reagieren. So kann sich eine Partei beispielsweise auf Facebook über einen Wahlsieg freuen, und ein Gegner der Partei antwortet mit einem wütenden Emoji.» Einen ähnlichen Fall gibt es auf der Facebook-Seite der Grünen. Diese warben für ein Nein zu No Billag. Einige Nutzer reagierten mit dem Lach-Emoji und schrieben, sie wollten «ein fettes Ja» einlegen, für ein Nein sei es «zu spät, liebe Grüne».

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman am 29.03.2018 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das ist die Höhe

    Ich bin SVPler. Ich empfinde nie Wut. Was hier geschrieben wird, ist eine Frechheit! Das gibts ja wohl nicht. So was zu behaupten. Das macht mich rasend!

    einklappen einklappen
  • lore am 29.03.2018 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bei dieser

    politik die zu bundesbern fabriziert wird muss man ja hässig werden! ich bin weder ein parteisoldat noch laufe ich einer partei ideologie nach und trotzdem werde ich immer wie hässiger wenn ich die selbstdarstellerInnen zu bundesbern beobachte in ihrem tun.

    einklappen einklappen
  • Hugo Meyer am 29.03.2018 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Parteilose

    Und wo sind die Parteilosen Wut Bürger auf gelistet ? Ja klar diese sind ja nicht gefragt weil dies für Politiker Ausserirdische sind! Gut so dann brauchen diese ab sofort keine Bundessteuern mehr bezahlen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ernesto am 29.03.2018 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SVP hat alles im Griff

    Staune immer wieder wie die gerechtfertigte Mücken zu Elephanten hoch manipulieren. Und viele dass unüberlegt nachplappern. Aber nicht vergessen dahinter stehen Grossindustriele die Ihren Geschäften nachgehen. So richtig Wolf im Schafspelz

  • N. Egger am 29.03.2018 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Beste

    Die SVP ist das Beste in der CH.

  • Massimo am 29.03.2018 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin ich eine Ausnahme?

    Ich bin auch SVP Sympathisant, wütend aber nicht wirklich, im Gegenteil, finde die anderen Parteien zum Lachen;-)

  • MagSal am 29.03.2018 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    woher weiss man das?

    aha??? und woher weiss man die Parteizugehörigkeit der Wutbürger denn? Ich habe noch nie gesehen, dass die Partei hinter den Kommentaren steht...

  • Beliebtester Kommentar: Das ist die Höhe am 29.03.2018 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    ist das ein Fake, eine paradoxe Reaktion

    oder was? Wer wollte/sollte seine Partei als Partei der Wutbürger definieren wollen? Wutbürger: die schiessen auf das, was ihnen nicht passt, wollen, wollen, dass Fehlverhalten bestraft wird (da viele Menschen nur profitieren, nicht arbeiten wollten usw) und vergessen dabei, dass sie immer mitgemeint sind. Was die Wutbürger erst als gerecht verstehen, wird aber zur Ungerechtigkeit, wenn sie selber davon betroffen sind. Ob arbeitslos, krank, invalid oder sonst was- selbst Wutbürger möchten als Menschen menschlich behandelt werden.