Kinder blossgestellt

09. Juli 2018 08:21; Akt: 09.07.2018 16:25 Print

«Die Eltern könnten gegen Glarner klagen»

SVP-Nationalrat Andreas Glarner veröffentlicht die angebliche Namensliste einer Schule auf Facebook. Inzwischen hat er den Post wieder gelöscht.

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Am Sonntagabend hat SVP-Nationalrat Andreas Glarner eine Namensliste auf Facebook gepostet, die für Furore sorgte. Neben vielen italienisch, südosteuropäisch und arabisch klingenden Namen steht dort nur ein klassischer Deutschschweizer Name. Laut Glarner handelt es sich um eine Klassenliste einer Primarschule im Kanton Zürich – nachprüfen lässt sich dies für 20 Minuten nicht, die Schule stellt die Klassenlisten nicht öffentlich zur Verfügung.

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Zur der Liste schreibt Glarner, das Mädchen mit dem schweizerisch klingenden Namen dürfe wohl keinen Cervelat mehr mitbringen. Damit spielt er auf den Fall einer Aargauer Schule an, die die Eltern bat, den Kindern kein Schweinefleisch für das gemeinsame Abschlussessen mitzugeben.

«Namen sind oft öffentlich»

Der Post wird heftig kommentiert. Während sich einige User Sorgen machen, dass nur noch ein schweizerisch klingender Name auf der Klassenliste steht, kritisieren andere Glarner dafür, dass er für seine politische Propaganda unbeteiligte Kinder blossstellt. Die Kritik kommt offenbar an: «Ich habe den Post gelöscht, weil mir gesagt wurde, ich solle doch diese Kinder nicht so ins Rampenlicht zerren.»

Wo er die Liste herhat, will Glarner nicht verraten. Dass er sich mit der Publikation der Namen strafbar gemacht hat, glaubt Glarner nicht. «Ich surfe gerade Schulwebsites ab, die Namen sind oft öffentlich. Da haben dann auch einige Schulleiter ein Problem.»

«Man reiche mir eine Kotztüte»

Bei seinen Nationalratskollegen kommt der Post schlecht an. Stefan Müller-Altermatt (CVP) schreibt auf Twitter: «Ich sehe Kinder vor mir, Menschen. Er sieht Namen. Man reiche mir eine Kotztüte.»

Sein Fraktionskollege und Parteipräsident Gerhard Pflister antwortet: «Warum sollen nicht mindestens auch Mia und Lorena keine Cervelats essen dürfen? Meine italienischen Verwandten lieben die jedenfalls! Oder sind im glarnerschen Universum auch italienisch klingende Namen bereits eindeutige Hinweise für Islamisierung?»

Eltern könnten gegen Glarner klagen

«Eine solche Klassenliste auf Facebook zu posten, erachte ich als widerrechtlich», sagt Anwalt Martin Steiger. Glarner verletze mit dem Post die Persönlichkeitsrechte der Kinder und verstosse gegen den Datenschutz. Die Eltern könnten eine zivilrechtliche Klage einreichen, der Fall würde dann von einer Schlichtungsbehörde oder einem Gericht behandelt.

Glarner habe faktisch aber höchstens eine bescheidene Genugtuungszahlung zu befürchten und müsste bei einem Entscheid gegen ihn die Gerichtskosten und einen Teil der gegnerischen Anwaltskosten bezahlen. «Die Eltern werden wohl von einem Klage absehen, weil es sich finanziell für sie nicht lohnt», so der Anwalt. Ausserdem ziehe man mit einer Klage gegen Glarner die Wut seiner Anhänger auf sich.

Steiger vertrat in der Vergangenheit selbst bereits Betroffene gegen Glarner und seine Fans. «Er ist nicht auf den Kopf gefallen und vermeidet es, offensichtlich rassische oder ehrverletzende Aussagen zu posten. So sind seine Aussagen allenfalls zivilrechtlich, aber normalerweise nicht strafrechtlich relevant.» Viele Fans seien aber weniger geschickt. «In den Facebook-Kommentaren findet man durchaus strafbare Äusserungen.»

Am Montagnachmittag erklärt sich Glarner auf Facebook. Er sei mit der Veröffentlichung der Liste zu weit gegangen und wolle sich bei allen Beteiligten entschuldigen:


(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Twiga am 09.07.2018 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Bin auch SVP Wähler, aber das geht mir zu weit. Erstens gehen mir nur integrations-unwillge Ausländer gegen den Strich und zweitens sicher keine Kinder. Die Schulen sind auch unbeholfen. Ich an deren Stelle hätte im Brief den muslimischen Eltern mitgegeilt, dass evtl auch Schweinefleisch auf dem Grill sein wird und wer damit ein Problem hat soll einen eigenen Grill mitbringen. Verstehe nicht wie man als Schulleiter dermassen naiv sei kann.

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  • Bale13 am 09.07.2018 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorverurteilt

    Herr Glarner vorverurteilt Kinder nur den Namen nach. Wie kleindenkend muss man da sein. Er weiss nichts über diese Kinder und deren Familien, aber sie klingen fremd und sind... was? Gefährlicher? Dümmer? Schlechter als Schweizer Kinder? Was für ein niedriges Gedankengut.

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  • Le Tintin am 09.07.2018 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr Glarner...

    ist offenbar nichts mehr peinlich. Egomanisch für seine Interessen mediale Aufmerksamkeit geschenkt bekommen. Dafür tut er offenbar alles. Nun sogar mit Namenslisten von Schulklassen. Schlimm. Und so jemand wird in der SVP geduldet?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tinu am 09.07.2018 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Was Herr Glarner

    ...eigentlich sagen will ist folgendes: Gem. neuesten Bfs Statistiken wird der Ur Schweizer in 20 Jahren eine Minderheit im eigenen Land sein. Ob die neue kulturelle Vielfalt die Schweiz ebenso stark machen wird wie die Traditionelle, wird sich zeigen. Meine Meinung: Wohl eher nicht. Und ich bin übrigens Schweiz/Peruanischer Doppelbürger, kenne also von klein auf die feinen kulturellen Unterschiede und wie diese die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes prägen. Genau das fehlt doch so manchem, nämlich einen Vergleich anstellen zu können... Und sich nicht bloss auf das Bauchgefühl verlassen müssen.

  • Irsi am 09.07.2018 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grundrechte verletzt und das als Politiker !

    So ein Politiker, der die banalsten Grundrechte nicht respektiert sollte nicht im Nationalrat sein. Mit seinen Handlungen schadet er dem sozialen Frieden in der Schweiz!

  • Thomas H. am 09.07.2018 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    ich habe

    ein Dokument mit einer Klassenliste in Zürich, dort sind Bild und dazugehöriger Namen zu finden. wirklich schrecklich, von 24 Schülern ist nur ein junge weiss aber selbst der ist deutscher Herkunft. Wie soll da noch Integration stattfinden..

  • Heuchler am 09.07.2018 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Finde die Schweizer

    Er hat ja recht. Schaut euch doch nur mal in der Schweiz um. in denn 80ern und 90ern wurde auf der Strasse noch Schwiizerdütsch gesprochen. Heute hört man alles, nur nicht das. Noch ein paar Jahrzente und dann ist Herr und Frau Schweizer ausgestorben, bzw. schwarz.

  • Gabi am 09.07.2018 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bei allen Konflikten dieser Welt

    sind immer die Moslems beteiligt. Wie schön könnte die Welt sein wenn es keine mehr davon gäbe?