«Kiffen wird verharmlost»

14. April 2015 12:48; Akt: 14.04.2015 13:23 Print

SVP-Nationalrätin fordert Kampagne gegen Cannabis

SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler fordert eine nationale Kampagne, um vor den Folgen des Cannabiskonsums zu warnen. Das stösst bei Fachstellen nicht auf Anklang.

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Eine nationale Cannabis-Kampagne ist laut Experten überflüssig. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Für Anti-Tabak- oder Anti-Alkoholkampagnen wirft der Bund viel Geld auf: Neun Millionen Franken für die aktuelle Nichtraucherkampagne, 650'000 Franken jährlich für die künftige Alkoholpräventionskampagne. SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler hat nun mit einer Motion den Bundesrat aufgefordert, auch eine Cannabis-Präventionskampagne zu lancieren.

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Braucht es eine nationale Cannabis-Kampagne?
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Insgesamt 9152 Teilnehmer

Sie sagt in der «Neuen Luzerner Zeitung»: «Kiffen wird in unserer Gesellschaft verharmlost.» Es habe nie eine flächendeckende Aufklärung zu den möglichen Schäden gegeben – anders als beim Nikotin und Alkohol. Kiffen sei Auslöser für Psychosen oder Konzentrations- und Lernschwierigkeiten.

Bei Sucht Schweiz winkt man aber ab. Mediensprecher Markus Meury sieht wenig Sinn darin, da viel weniger Personen Cannabis konsumierten als Alkohol oder Tabak. «Es stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, die rund 97 Prozent, die nicht regelmässig Cannabis konsumieren, bezüglich dieser Substanz anzusprechen», sagt er der Zeitung.

Nur wenige konsumieren täglich Cannabis

Laut Meury droht gar ein gegenteiliger Effekt: Eine massenmediale Kampagne könne den Eindruck erwecken, dass ein Grossteil der Schweizer regelmässig kifft – sodass es als normal angesehen wird, was zu einem Konsumanreiz führen könne.

Ähnlich klingt es beim Bundesamt für Gesundheit: 11,9 Prozent der Schweizer konsumierten fast täglich Alkohol – bei Cannabis liege dieser Wert nur bei 0,5 Prozent. Und auch im Strassenverkehr ist laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung der Alkohol und nicht Cannabis das Hauptproblem.

Durch Kriminalisierung entstehen Probleme

Sven Schendekehl vom Verein Legalize it sagt auf Anfrage, dass Organisationen wie Sucht Schweiz bereits jetzt genug Informationen über Cannabis anbieten würden. «Cannabis ist nicht harmlos, das stimmt, auch wenn seine Wirkung niemals so viele Probleme wie Alkohol verursacht.»

Er sieht das Hauptproblem beim Cannabis aber in der fehlenden Legalisierung. «Durch die Kriminalisierung entstehen tatsächlich grosse Probleme.» Wenn es eine Kampagne bräuchte, dann laut Schendekehl eine, um zu zeigen, wie repressiv Polizei und Staatsanwaltschaft gegen die konsumierenden Bürger vorgehen würden. «Ich stelle bei meinen Rechtsauskünften immer wieder fest, dass viele Konsumierende die Folgen des Verbotes stark unterschätzen.»

(num)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nichtkiffer am 14.04.2015 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Legalisiert es endlich

    Ich habe in meinem Leben erst zweimal einen Joint geraucht und habe es nicht wieder vor, aber ich fordere dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb, dass Cannabis endlich legalisiert wird! 1. ist so der Anbau des Gras kontrollierter, 2. kann der Staat mittels Steuern Geld verdienen, 3. haben die Polizisten endlich wieder Zeit für wichtigeres und 4. wird durch eine Legalisierung auch die Attraktivität bei Jugendlichen geschwächt.

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  • Tinu D am 14.04.2015 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Für die Wahlen notiert

    Gut. Andrea Geissbühler wird vom Wahlzettel gestrichen. Danke für diese wichtige Information.

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  • R.R am 14.04.2015 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinn und Zweck

    Ich finde ganz klar das man heute auch ein grosse Problem in vielen Dingen wie Alkohol oder Tabak findet. Bis heute stelle ich mir die Frage: Warum ist Cannabis verboten und Alkohol nicht? Ist es das Geld dass damit gemacht wird? Oder einfach weil sich das Saufen schon in unsere Gesellschaft integriert hat?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • molino am 15.04.2015 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    Was ist schwer zu verstehen? Kiffen tut man nicht, um intelligenter zu werden. Lieber ein paar Stunden dumm und glücklich, anstatt intelligent und unglücklich. Jedes Rauschmittel kostet Energie. Mit Rauschmittel kann man in eine andere Realität eintauchen, die nicht weniger real ist, als die alltägliche. Auch Fieber, Schmerz, Hunger, Schlafentzug usw. können einen in andere Realitäten versetzen. Ob ein Erwachsener die Realität wechseln will, ist seine Verantwortung. Wer wurde gefragt, ob er in der Gemeinschaft teilnehmen will? Niemand. Also muss man sich auch nicht solidarisch zeigen.

  • Freimann am 15.04.2015 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Es zeugt von einer Doppelmoral in einem Rechtsstaat, wenn Suchtmittel wie Alkohol und Nikotin erlaubt sind, und gleichzeitig eine Substanz wie Cannabis, das weniger Probleme macht, verboten wird. Weiter dürfen Drogenkonsumenten als Sündenböcke herhalten. Eine richtige Gemeinschaft sollte ohne einen Sündenbock zusammenhalten. Leute, die einen Schuldigen für ihr Leben brauchen, sind für das Zusammenleben nicht zu gebrauchen. Niemanden hat einem anderen vorzuschreiben, was er konsumieren darf. Weiter wird man in die Gemeinschaft gezwungen, wer gezwungen wird, macht nicht freiwillig mit.

  • wild.u. am 15.04.2015 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Preiszerfall

    Wenn Cannabis legalisiert wird ist es sehr billig zu haben dann werden die Bauern viel Pflanzen und verkaufen. Bei einem so Tiefen Milchpreis rentiert sich das

  • Stimme des Volkes am 15.04.2015 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Auftrag an den Bundesrat?

    Die Motion ist lesenswert. Ich finde nicht, dass es Frau Nationalrätin Geissbühler darin gelingt, die geforderte Begründung für die Notwendigkeit ihrer Motion aufzuzeigen. Sie kann zwar klar schreiben, was sie will (Behördenliche Stimmungsmache gegen Cannabis), aber nicht, weshalb das angebracht oder notwendig wäre. In meinen Ohren hat die Platte, welche sie stattdessen auflegt, mehr als nur einen Sprung. Der BR dürfte damit beschäftigt sein, die Realität zu regieren (zukünftig ohne Cannabis-Prohibition), und deshalb keine Zeit haben, um sich um dieses sinn- und nutzlose Anliegen zu kümmern.

  • Tramfahrer am 15.04.2015 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnisfrage

    Weshalb eigentlich nur Anti-Cannabis, Frau Geissbühler? Müsste der Bund nicht auch über alle anderen Drogen (einzeln) sowie Zucker oder Weizen usw. mittels einer Anti-Kampagne informieren? Gerade Zucker und Weizen ist in unserer Gesellschaft doch eine viel grössere Gefahr für die Volksgesundheit als das Cannabis je sein wird. Viele Menschen würden Zucker und Weizen meiden, wenn sie wüssten, wie ungesund das ist. Weshalb setzen Sie sich denn nicht auch dagegen ein? So kreativ wie sie Gründe gegen Cannabis an den Haaren herbeiziehen, wäre das doch ein Klacks für Sie. Nicht wahr?