Falsche Facebook-Freunde

14. August 2013 07:18; Akt: 14.08.2013 10:10 Print

SVP-Politiker fallen auf Islam-Hetzseite rein

von S. Hehli - Im Kreuzzug gegen die «Islamisierung» kann eine Facebook-Seite auf die Unterstützung prominenter SVP-Politiker zählen. Sie beteuern: Vor lauter Freunden hätten sie den Überblick verloren.

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Das Bild ist eklig: Es zeigt Kot, der in einer WC-Schüssel schwimmt – und dabei das arabische Wort für Allah bildet. Als Kommentar steht dazu: «I have proof of Allah» – Ich habe einen Beweis für Allah (siehe Diashow). Gepostet hat den Beitrag ein Facebook-User namens «Last crusade against islam». Und zwar auf einer Schweizer Seite namens Defend Switzerland – Anti-Islam, als deren Logo ein Kreuzritter dient. Die Betreiber der islamfeindlichen Seite hielten es offensichtlich nicht für nötig, den beleidigenden Post, der seit Mai online ist, zu löschen.

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Unter den zahlreichen «Freunden» von Defend Switzerland tummeln sich auch mehrere prominente SVP-Exponenten. Etwa die Nationalräte Pirmin Schwander, Hans Fehr, Walter Wobmann, Hans Kaufmann, Felix Müri, Nadja Pieren, Yvette Estermann oder Alfred Heer, zudem der abgewählte Nationalrat Thomas Fuchs und Blocher-Schwiegersohn Roberto Martullo. Doch auch Ständeratspräsident Filippo Lombardi (CVP) gehört dazu.

Alle beteuern, von nichts gewusst zu haben

Alle von 20 Minuten auf ihre Freundschaft angesprochenen SVP-Exponenten beteuern, ihnen sei der genaue Inhalt von Defend Switzerland nicht bekannt gewesen. «Dieses Foto ist sehr primitiv», sagt die Luzernerin Yvette Estermann. Der Zürcher Alfred Heer erklärt: «Man darf nicht auf diese Art Hass schüren.» Thomas Fuchs ärgert sich, dass sich auf Facebook viele «Psychopathen» tummelten, die zum Teil über Nacht ihre Profile veränderten. «Mit solchem Mist kann ich nichts anfangen.»

«Ich kann bei 2600 Facebook-Freunden nicht jeden einzelnen durchleuchten», sagt auch Walter Wobmann. Der Vater der Minarett-Initiative betont, er kämpfe dagegen, dass der politische Islam in unseren Breitengraden Fuss fasse – heisse Inhalte wie das Kot-Foto jedoch nicht gut. «Aber man übertreibt es auch: Bei den Linksextremen wischt man solche Sachen einfach unter den Tisch.»

«Abgrenzungsproblem zu den Rechtsextremen»

Alfred Heer räumt ein, er habe früher zu wenig genau hingeschaut bei Freundschaftsanfragen. «Da gabs eine Schweizerfahne, und ‹Defend Switzerland› tönt ja auch harmlos.» Mittlerweile sei er aber vorsichtiger geworden. Yvette Estermann sagt, sie habe bei Dutzenden Anfragen pro Woche nicht die Zeit, jede einzelne zu überprüfen. So verlässt sie sich darauf, ob Bekannte von ihr bereits mit der anfragenden Seite befreundet sind – eine Strategie, die in diesem Fall offensichtlich wenig taugte, weil zuvor bereits Parteikollegen Defend Switzerland für vertrauenswürdig gehalten hatten.

Politberater Louis Perron findet, die Erklärungen der betroffenen SVPler tönten plausibel. «Ich würde ihnen deshalb keinen Strick daraus drehen.» Das solle aber über eines nicht hinwegtäuschen: «Die SVP hat schon lange ein Problem mit der Abgrenzung zur rechtsextremen Szene – das gilt auch für einzelne Exponenten auf Bundesebene.» Mit ihren Kampagnen, die hart an die Grenze gingen, rufe die Partei zuweilen Geister, die sie nicht mehr loswerde. Perron erinnert als Beispiel an die islamfeindlichen Plakate, welche die SVP 2009 im Aargau aufhängte: «Maria statt Scharia».

Einige SVPler ziehen die Konsequenzen

Die politische Konkurrenz hält sich hingegen mit Kritik zurück. SP-Fraktionschef Andy Tschümperlin: «Es kann passieren.» Politiker seien nun mal daran interessiert, möglichst breit auf Facebook vernetzt zu sein, um ihre Botschaft an die Leute zu bringen. «Jeden Facebook-Freund durchzuchecken geht einfach nicht.» Die Reaktion sei aber entscheidend, hält Tschümperlin fest: «Wird man auf menschenverachtende Inhalte hingewiesen, muss man seine Freundschaft sofort beenden. Sonst teilt man offensichtlich das fragliche Gedankengut.»

Heer, Estermann und Fuchs haben Defend Switzerland nach der Anfrage von 20 Minuten tatsächlich ihre Facebook-Freundschaft aufgekündigt. Bei Walter Wobmann stand der Schritt am frühen Dienstagabend noch aus.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hakan am 14.08.2013 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Erschreckende Entwicklung

    Die islamische Entwicklung hierzulande ist schockierend. Die Kollegen von den Rechten werden weiterhin Zulauf bekommen und sich den einen oder anderen Gläubigen zur Brust nehmen! Dank unserer Zuwanderungspolitik werden wir die Gesellschaft in CH weiter und tiefer spalten. Solange, bis es richtig kracht!

  • Rita am 14.08.2013 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Diktat vom Ausland

    Die meisten islamischen Organisationen sind vom Ausland dirigiert. Und die interpretieren den Koran auf eine konservative, archaische Weise. Sie verbreiten nicht die schönen Seiten, die Liebe, die Aufrichtigkeit, das Vorbildsein, die Freude, den Fortschritt. Die Toleranz der Schweizer gilt dem Buddhismus und Hinduismus. Kaum aber dem Islam: Jeder Zweite denkt, dieser passe nicht zu uns. Das ist eines der Ergebnisse des Religionsmonitors, den die Bertelsmann-Stiftung erstellt hat.

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  • Mira am 14.08.2013 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Religiös-kulturelle Unterschiede...

    ...der Religionen führen bis heute zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Kriegen. Auch das Tragen des Kopftuches ist in den christlich und jüdisch geprägten Kulturen umstritten und wird dort teilweise als Symbol der Unterdrückung der Frauen angesehen. Die Bilderfeindlichkeit im Islam, die eine Darstellung Mohammeds ablehnt, führte zu gewalttätigen Ausschreitungen in Europa, nachdem dort satirische Darstellung des Propheten in Zeitungen gedruckt worden waren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • hans am 15.08.2013 00:47 Report Diesen Beitrag melden

    so ein quatsch

    die leute fragen immer mehr bei mir nach, wie man von facebook los kommt und die svp will sich erst einmal auf das niveau Social-Media bringen. Wie weit sind den die hinten drin? Die SVP sollte lernen, wie man ohne Social-Media mit den Leuten in Kontakt bleiben kann...

  • P. Buchegger am 14.08.2013 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die SVP ist nicht mehr bürgerlich

    Früher, als die SVP noch eine geachtete, bürgerliche Partei war, hatte sie nie solche Probleme. Seit aber die Zürcher SVP-Hardliner und -Ideologen Ch. Blocher und Ch. Mörgeli diese Partei an den rechtern Rand des schweiz. Parteienspektrums gefahren haben, gibt es diese Art von Problemen immer wieder. Das heutige Gedankengut der SVP (Kernthema: Die Fremden) ist schon weit weg von dem des Bürgertums. Heute ist die SVP vergleichbar mit anderen rechts-populistischen Parteien/Bewegungen am rechten Rand im Ausland.

  • P. Buchegger am 14.08.2013 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    SVP säte Wind und erntet Sturm

    Die SVP wird nun die Geister, die sie über Jahre rief, nun nicht mehr los. Oder noch passender: Wer Wind sät, wir Sturm ernten.

  • Reto Ganter am 14.08.2013 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Ausreden

    Tut mir leid, aber mir fällt es doch schwer, Ausreden wie "ich habe nicht genau hingeschaut" zu akzeptieren. Dass sich im Internet solche Hassgruppen tummeln, ist überhaupt nicht neu und spätestens seit dem Kristallnacht-Gstürm auf Twitter sollten Politiker dafür sensibilisiert sein. Dass sie das nicht sind, bedeutet entweder, dass sie schlichtweg unfähig sind, damit umzugehen, oder es jetzt einfach als Ausrede benutzen. Gilt übrigens für Politiker jeglicher Couleur, nicht nur der SVP (auch wenn sich das Problem dort zu häufen scheint).

  • Dali am 14.08.2013 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Beispiel Ägypten

    Zeitgleich räumt in Kairo das Militär die Protestcamps der Muslimbrüder. Damit könnte jetzt die Stunde der Radikalen gekommen sein. Wer garantiert uns, dass es in einigen Jahren nicht auch so bei uns sein könnte?