Tamedia-Wahlumfrage

12. Januar 2018 05:57; Akt: 12.01.2018 08:32 Print

SVP und GLP legen zu, CVP stürzt ab

Knapp zwei Jahre vor den Nationalratswahlen sind die Grünliberalen und die SVP im Aufwind. Das zeigt die Tamedia-Wahlumfrage.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wer hätte zu den strahlenden Siegern gehört, wenn am vergangenen Wochenende Nationalratswahlen stattgefunden hätten? Und wer hätte vor den Medien eine bittere Niederlage erklären müssen?

Eine Antwort gibt die erste Tamedia-Wahlumfrage mit über 20'000 Teilnehmern, die den Formstand der Parteien zur Mitte der Legislatur misst. Grössere Umwälzungen wie in Frankreich, wo sich Emmanuel Macron mit seiner Bewegung En Marche die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung sicherte, sind im Schweizer System nicht zu erwarten. Bei drei Parteien zeigen sich aber klare Trends.

GLP und SVP sind im Aufwind

Bei der CVP ist es dem neuen Präsidenten Gerhard Pfister noch nicht gelungen, die Abwärtsspirale zu durchbrechen: Die Christdemokraten tauchen in der Umfrage unter die 10-Prozent-Marke und kommen auf eine Wählerstärke von gerade noch 9,1 Prozent. Das sind 2,5 Prozentpunkte weniger als bei den letzten nationalen Wahlen 2015.

Dafür ist mit der GLP eine andere Mitte-Partei die grösste Gewinnerin zur Halbzeit der Legislatur. Die Grünliberalen legen im Vergleich zu den Wahlen 2015 um 1,5 Prozentpunkte zu und kommen gemäss der Umfrage auf 6,1 Prozent. Die GLP hatte bei den letzten Wahlen 0,8 Prozentpunkte und fast die Hälfte der Nationalratssitze verloren.

Die SVP ist nach ihrem Wahlsieg vor gut zwei Jahren weiter im Hoch: Sie kann auf bereits rekordhohem Niveau noch einmal 1,4 Prozentpunkte dazugewinnen und kommt derzeit auf 30,8 Prozent Wähleranteil. Auf der Stelle treten dagegen FDP, SP, BDP und Grüne: Bei diesen Parteien liegen die Veränderungen nicht im signifikanten Bereich.

«Anreize statt wirtschaftsfeindliche Vorschriften»

GLP-Präsident Jürg Grossen freut sich über das Zwischenresultat: «Es ist schön, zu sehen, dass es in die richtige Richtung geht. Viele Junge, aber auch nachhaltige Unternehmer identifizieren sich mit den grünliberalen Werten.»

Eine Erklärung dafür könnte laut Grossen sein, dass Umweltthemen nach wie vor weit oben auf der Agenda stünden in Zeiten, in denen die USA aus dem Klimaschutzvertrag aussteigen wollten. «Anders als die Linksgrünen versuchen wir aber, die Probleme mit Anreizen zu lösen statt mit wirtschaftsfeindlichen Verboten und Vorschriften. Und in gesellschaftlichen Themen sind wir eine progressive Kraft, was uns von anderen Parteien abhebt.»

SVP will in der Westschweiz wachsen

SVP-Präsident Albert Rösti bremst derweil die Erwartungen: «Die Umfrage ist nur eine Momentaufnahme. Wenn wir bei den nächsten Wahlen das Resultat von 2015 bestätigen können, ist das schon ein riesiger Erfolg.» Dass die SVP auf hohem Niveau noch zulegen kann, schliesst Rösti aber nicht aus: «Jeder Parteipräsident will wachsen. Wenn wir in der Deutschschweiz das Niveau halten und in der Westschweiz zulegen können, ist das möglich.»

Rösti glaubt, dass das Resultat durch die jüngsten Streitereien mit Brüssel beeinflusst wurde: «Die SVP hat sich als einzige Partei gegen die Ostmilliarde und gegen ein institutionelles Rahmenabkommen gestellt, das die automatische Übernahme von EU-Recht bringt.» Der Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker habe wohl einigen die Augen geöffnet: «Wie die EU mit Dritten umgeht, beschäftigt die Schweizer.»

Auch der Politologe Nenad Stojanovic von der Universität Luzern sagt, dass der Streit mit der EU der SVP gegenwärtig in die Hände spiele. Grosses Wachstumspotenzial sieht er bei der SVP aber nicht mehr: «In der Westschweiz und im Tessin bremsen das MCG und die Lega die SVP. Auch ist Bundesrat Guy Parmelin nicht das Zugpferd in der Westschweiz, wie es viele Kommentatoren erwartet haben.»

Die Umfrage

20'422 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 4. und 5. Januar online an der ersten Tamedia-Wahlumfrage teilgenommen. Die Wahlumfrage wird in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt.

Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,2 Prozentpunkten. Bis zu den eidgenössischen Wahlen am 20. Oktober 2019 sind insgesamt sechs Erhebungen geplant.
Weitere Informationen finden Sie hier.

(daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • KometvonHelvetien am 12.01.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt doch.

    SVP legt zu, das freut einen!

    einklappen einklappen
  • Pieder Capaul am 12.01.2018 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adieu cvp

    Die CVP ist nicht anderes als eine konservative SP. Darum löst sie sich langsam auf. Keine Windfahnenpartei, so schön!

    einklappen einklappen
  • giorgio1954 am 12.01.2018 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bürgerliche

    Es sind 2 Themen, welche brandaktuell und ungelöst sind. Migration und EU. Diese bearbeitet die SVP im Sinne der Mehrheit. Ich hoffe aber, dass vor allem die Bürgerlichen gegen die Linken weiter zusammenspannen. Die CVP in der Mitte dürfte weiterhin aufgerieben, ev. mit der Zeit zerrieben werden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • coldasgold am 12.01.2018 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GLP nein

    Der GLP sollte man nicht trauen, das ist genau dieses heutzutage "schicke" "Ein bisschen Öko, ein bisschen tolerant"-Gift das der Schweiz bisher nur geschadet hat. Weg damit

  • Jorge am 12.01.2018 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Noch 10 Jahre, dann bin ich zum Glück weg aus diesem Land. Es gefällt mir sonst hier, auch zum Arbeiten gut. Noch mehr SVP ist aber nur schwer zu ertragen.

    • Sulejka am 12.01.2018 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jorge

      Wohin wollen Sie denn? Sie werden auf der ganzen Welt kein schöneres, organisierteres und sicheres Land finden wie hier in der Schweiz! Ferien machen in einem Touristenland und leben in diesem Land sind 10 paar Schuhe das kann ich Ihnen schon mal versichern und wenn Sie dann mal krank werden, dann erleben Sie im Ausland das blaue Wunder..Das alles wegen der SVP welche uns gottlob von der EU aufgeklärt hat, das verstehe wer wolle ich nicht!

    einklappen einklappen
  • Swizzi am 12.01.2018 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tipp

    Man kann alles wählen, nur nicht SP.

    • Nationless am 12.01.2018 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swizzi

      Doch für National und Ständeratswahlen wähle ich als frisch Eingebürgerter nur SP, CVP, EDU. Die Schweiz ist schon genug rechtsbürgerlich. Noch mehr SVP ist to much. Ich will nicht in einer sozialkalte rechtsnationale abgeschottete Oligarchie leben. Möchtegerne Reichsbürger sollen sich unter ihresgleichen in Ostdeutschland abschotten. Für Gemeinderatswahlen in der Stadt Zürich wähle ich aber nur Bürgerliche. Ich will doch nicht in einer autofreien Grünen Smartcity wohnen. Grünfundis sollen ihr eigenes Viertel auf dem Züriberg aufbauen.

    • Swizzi am 12.01.2018 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nationless

      Inkonsequent.

    einklappen einklappen
  • Curdin am 12.01.2018 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Abwahl

    Die Abwahl zeigt Wirkung. Die Steigbügelhalter der Linken verlieren beinahe 3%, von mir aus dürfen es daraus auch 10% werden. Das Volk lässt sich nich 2x an der Nase herumm führen.

  • hucki am 12.01.2018 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    so ein Pech

    die Prälatenpartei hat sich in Windrichtung verschätzt, da hilft nur noch beten.