Geplanter Amoklauf im Tessin

16. Mai 2018 16:37; Akt: 16.05.2018 16:37 Print

Schrecken Schiesskeller Kinder vor Waffen ab?

Der Waffennarr, der in Bellinzona einen Amoklauf geplant haben soll, schoss an einem privaten Stand, an dem auch Kinder üben. Schützenverbände warnen.

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Ein 19-jähriger Student aus dem Tessin soll an seiner Schule ein Massaker geplant haben. Er konnte letzte Woche von der Polizei verhaftet werden. Bei ihm zu Hause fanden die Ermittler rund 20 Schusswaffen und Munition. Der Waffennarr hatte mindestens einmal an einem privaten Schiessstand in Croglio geübt. Dort schiessen nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder. «Wenn ein Elternteil mit Waffen zu Hause Angst hat, dass das Kind die Waffe in die Hände bekommen könnte, ist es das beste, Kinder ein paar Schüsse abfeuern zu lassen», erklärt der Betreiber des Schiesskellers, Ferruccio Galfetti, 20 minuti. «Dann fassen sie die Waffen bestimmt nie mehr an.»

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Sollte es einheitliche Regeln für alle Schiessstände geben?

Das sieht Heinz Meili, Präsident des Zürcher Schiesssportverbands, anders: «Diese Aussage klingt für mich befremdend.» Minderjährige, die in seinem Verband ausgebildet würden, wollen das Schiessen ja erlernen und werden Alters-, und Stufengerecht ausgebildet.» Dass die Übungen zur Abschreckung dienen sollen, habe er noch nie gehört. «Sie erlernen als erstes die Sicherheitsregeln, dass jede Waffe als geladen zu betrachten ist und nie mit einem Lauf auf was gezielt wird, ausser auf die Scheibe. Der Finger kommt erst an den Abzug, wenn der Schütze sein Zielbild sicher im Visier hält. Sicher meint Herr Galfetti mit seiner Aussag, dass Jugendliche, die das Schiessen erlernen, wissen, dass ihr Sportgerät bei Missbrauch tödlich sein kann und somit kein Unfug damit angestellt wird.»

«Es gibt klare Richtlinien bei Kindern»

Die Kinder müssen laut Galfetti von einem Elternteil begleitet werden und würden in Anwesenheit des Instruktors abseits der anderen Schützen schiessen. Das Problem: Es gibt viele private Schiessstände, die keine einheitlichen Regeln hätten, erklärt Doriano Junghi, Präsident des Tessiner Schützengesellschaft-Verbands. «Es ist ein richtiger Dschungel.» Mancherorts könne man schiessen, womit man wolle. Deshalb gebe es keine Kontrolle mehr. Bisher sei noch alles gut gegangen. Junghi fordert dennoch, dass alle Regeln für alle Schiessstände gelten sollen. «Das Problem ist, die gesetzliche Grundlage zu schaffen.»

Meili vom Zürcher Schiesssportverband rät grundsätzlich davon ab, einfach in privaten Schiesskellern zu üben. In seinem Verband lernten Kinder unter Aufsicht von J+S-Trainern zwar auch schon früh 10 Meter Luftdruckschiessen, doch «das erste, was ihnen beigebracht wird, ist die Sicherheit».

Manche Disziplinen bieten nicht alle Verbände an

Das bestätigt Luca Filippini, Präsident des Schweizer Schiesssportverbands. «Wir dürfen mit Jugendlichen arbeiten, doch es gibt klare Richtlinien bezüglich Altersbeschränkung und Waffenart.» In Schiesskellern sei das anders. «Sie haben ihre eigenen Regeln.» Einheitliche Richtlinien sind für Filippini schwierig anzuwenden. Zwar könne der Verband bei privaten Schiesskellern nicht intervenieren, doch gebe es dort auch Disziplinen, die Schützenverbände nicht anböten. Deshalb seien generelle Regeln nicht möglich.

(vro)