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08. Mai 2018 09:59; Akt: 08.05.2018 10:40 Print

Süchtige sind selbst im Schlaflabor auf Whatsapp

von B. Zanni - Schlafkliniken behandeln vermehrt junge Patienten. Weil sie nachts stundenlang am Handy hängen, haben sie das Schlafen verlernt.

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Zahlreiche Teenager kämpfen mit Schlafproblemen. Grund dafür ist, dass sie nachts nicht die Finger vom Handy lassen können. (Bild: Sapozhnik)

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Nachts passiert in der Klinik für Schlafmedizin manchmal Verbotenes: Es klingelt und vibriert. Das Handy gemäss den Vorschriften im Schlaflabor auszuschalten, fällt einigen Patienten zu schwer. Grosse Anziehungskraft übt das Handy auch auf Patienten in der Seeklinik Brunnen aus. Einige kontaktierten die Klinik mit einem komplett durcheinandergeratenen Schlaf-Wach-Rhythmus. Ihr gesamtes Leben spielt sich im Netz ab – das Schlafen in der Nacht haben sie verlernt.

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So pflegen die Patienten soziale Kontakte nur noch über Chats und E-Mails. Dem Besuch von Vorlesungen an der Uni ziehen sie Podcasts vor. Dazu surfen die jungen Menschen rund um die Uhr in Online-Shops. «Sie sind ständig müde und können am realen Leben nicht mehr teilnehmen», sagt Eva Birrer, Leiterin Schlafmedizin und Therapien an der Seeklinik Brunnen.

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Starke Zunahme bei jungen Patienten

Wegen des nächtlichen Handykonsums landen immer mehr Menschen in Schlafkliniken. Bei den 12- bis 25-Jährigen stieg in der Klinik für Schlafmedizin KSM zwischen 2014 und 2017 die Zahl neu eingewiesener Patienten von rund 50 auf rund 60. «Allein in diesem Jahr verzeichnen wir in vier Monaten bereits 20 neue Patienten», sagt Maila Baumann, Marketingverantwortliche der Klinik für Schlafmedizin KSM. Oft litten die Patienten aufgrund des Handykonsums an Ein- oder Durchschlafstörungen, führt Somnologin Katharina Stingelin aus.

Auch Eva Birrer von der Seeklinik Brunnen sagt: «Wir sind eine ‹Always on›-Gesellschaft geworden. Seit ein paar Jahren behandeln wir vermehrt Patienten mit Schlafproblemen, weil sie glauben, auch nachts die Kontrolle über ihr Handy haben zu müssen.» Ähnliche Befunde macht eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften von 2016. Laut dieser fühlt sich die Hälfte der Schweizer Jugendlichen unter der Woche zu wenig erholt. Die Forscher machten dafür unter anderem den Handykonsum verantwortlich.

«Teenager haben Angst, nicht mehr dazuzugehören»

Insbesondere junge Patienten schütten sich laut Katharina Stingelin vor dem Zubettgehen oder nachts stundenlang mit Youtube-Filmen und Social-Media-Nachrichten zu. «Sich ins Bett legen und einfach leere Gedanken zu haben, können sie nicht mehr.»

Teenager raubten sich damit oft den Schlaf, weil sie unter Druck stünden. Stingelin: «Sie haben Angst, bei ihren Freunden am nächsten Tag nicht mehr dazuzugehören, waren sie nicht wie die anderen bis um zwei Uhr morgens online.» Nur fünf Stunden Schlaf oder selten sogar Freinächte könnten bei Teenager gut vorkommen. Selbst wenn das Handy nachts einmal stumm sei, würden einige Teenager nicht ans Schlafen denken. «Sie wälzen sich im Bett und beginnen dann irgendwelche Nachrichten zu verschicken.»

«Manche Patienten schaffen es kaum mehr ins Bett»

Eva Birrer von der Seeklinik Brunnen sagt, dass die Betroffenen meist weniger als sechs Stunden pro Nacht schlafen und unter ständigem Schlafmangel leiden. «Manche Patienten schaffen es abends kaum mehr ins Bett», sagt Birrer. Sie schauten sich etwa auf Youtube ein Video an und gerieten danach in einen Sog, indem sie von einer App zur anderen wechselten. «Andere Patienten checken ihr Handy mehrmals in der Nacht.» Immer häufiger liessen sich auch junge Patienten aus Angst vor Schlafstörungen beraten. «Sie sagen, dass sie laut ihrer Schlaf-App schlecht schlafen.» Diese Patienten hätten verlernt, auf ihren Körper zu achten und ihre natürliche Schlaffähigkeit einzuschätzen.

Daniel Hicklin, Schlafspezialist und Psychotherapeut FSP aus Basel, macht bei seinen Patienten ähnliche Erfahrungen. Das Grundübel liege aber nicht im Handykonsum, präzisiert er. «In der heutigen 24-Stunden-Gesellschaft haben immer mehr Menschen Mühe, sich Zeit für Schlaf und Erholung zu gönnen.» Arbeit und Freizeit dehnten sich zunehmend in die Nacht hinaus. «Viele Menschen wollen mit Unterhaltung am Handy herunterfahren, werden aber durch die vielen Reize erst recht wieder aktiviert.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex am 08.05.2018 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Handy Sucht

    Teilt doch mal mit ab wann man Handy süchtig ist! Wir waren mit unserem Sohn in einer Beratungsstelle für Suchtverhalten. Ab einem Konsum von 20 Stunden pro Woche redet man von Handysucht....da soll sich jeder mal selbst Gedanken machen.

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  • Melanie1994 am 08.05.2018 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Purer Stress

    Instagram, Facebook und Whatsapp sind eine tolle Sache. Aber diese permanente Erreichbarkeit ist stressig und Social Media kann schon sehr süchtig machen. Das beste ist manchmal für ein paar Stunden den Flugmodus einzuschalten. Oft wird erwähnt, die heutige Jugend stehe unter viel zu starkem Leistungsdruck. Dabei könnte man diesem Leistungsdruck nachgeben, würde man den Kids das Handy vermehrt entziehen.

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  • Kudi am 08.05.2018 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Darum so hohe Prämien

    Patienten: Tönt so, als wenn es die Krankenkasse bezahlen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ForTW am 08.05.2018 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Frauenbilder und Youtube vids. kann ich selbst goo

    Wer schreibt denn nachts um drei? Der würd ne Backpfeife kriegen und wir würden uns nieh mehr wiedersehen. Ich schreibe nur einer Person regelmäßig. Das gespamme hilft sowieso niemanden.

  • Lisbeth am 08.05.2018 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Max. 6 Stunden Schlaf

    Ich schlafe natürlicherweise bloss ca. 4 Stunden pro Nacht, mehr brauch ich nicht. Manchmal sinds 6 Stunden aber wenn ich länger liegen bleibe, bin ich dann den ganzen Tag schlapp und nicht zu gebrauchen. Ein Smartphone besitze ich noch nicht mal...

  • M.G. am 08.05.2018 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Erreichbarkeit

    Vor ein paar Jahren schickte unser Arbeitgeber meine Kollegen und mich zu einem Management-Seminar. Wir wurden in einem Bus zum Kloster Kappel gefahren. Kaum angekommen zückten fast alle von uns ihr Smartphone und mussten feststellen, kein Empfang hinter den dicken Mauern. Der Seminarleiter, ein Psychologe, grinste und sagte dann: "Was glauben Sie denn warum ich diesen Ort ausgesucht habe."

  • S.H.in L am 08.05.2018 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    süchtige im schlaflabor

    Wunderbar!!! Handysüchtig!!! Wieder haben wir eine neue Krankheit erfunden,die auf Dummheit beruht.Und von uns selbst hervor geschrien wurde.Bin gespannt was noch alles kommt.Bestimmt muss man die dan therapieren.Und wer zahlts? Na klar die Krankenkasse.Danach schreit dan sowiso jeder von denen.Und die Kosten steigen weiter.Toll !!!!!

    • GarausTroll am 08.05.2018 20:45 Report Diesen Beitrag melden

      Meistens

      sind es Wutbürger wie Sie, welche die Mitmenschen derart vergraulen, dass man kaum mehr ein Fuss vor die Tür setzten mag. Desshalb fliehen viele in die virtuelle Welt. Zudem geht es unserer Wirtschaft dank der PFZ gut. noch nie gieng es ihr so gut. Boomende Wirtschaft = hohe Steuereinahmen. Ihr jammert auf hohem Niveau.

    • go_home am 09.05.2018 07:31 Report Diesen Beitrag melden

      @GrausTroll

      Was ist ein Wutbürger!? Hast du dich das auch mal gefragt und weshalb er wütende ist!? Es hat vieles eine Ursache, evtl. sollte dem zuerst mal nachgehen!

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  • Leserin, 20 am 08.05.2018 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Ich verstehe das Problem nicht wirklich. Ich stelle das Handy auf lautlos in der Nacht. Dann klappe ich die Handyhülle zu und das Handy unters Bett. Dadurch komme ich selbst im Halbschlaf nicht dran und schlafe volle 8 Stunden. Dann weckt mich mein Handy und bin gut erholt.