Vergleich auf Social Media

20. April 2017 20:22; Akt: 20.04.2017 20:22 Print

Schritte zählen wird zur sozialen Kontrolle

von V. Fehlmann - Ob am Stammtisch, auf Reisen oder Social Media – das Schrittzählen und dessen Vergleich mit anderen gehören für viele zum Alltag. Das kann sich positiv auswirken.

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«Meine Schrittzahl von gestern», schreibt eine 24-jährige Instagram-Nutzerin. Dazu postet sie einen Screenshot ihres Smartphones, das zeigt, wie viele Schritte sie wann gemacht hat. Solche Bilder gibt es auf Social Media zu Tausenden.

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Doch die Schrittzahl wird nicht einfach gepostet, es wird auch fleissig verglichen. «Wenn ich arbeiten bin, hab ich mein Handy nicht immer bei mir, wenn ich irgendwo hingehe. Also eigentlich wären es ein paar mehr», schreibt etwa die 24-Jährige. «Ich denke, das kann sich sehen lassen und reicht für heute», schreibt eine andere Insta-Nutzerin zu ihren 13'151 Schritten.

Gleiche Masseinheit für alle

Die Reaktionen lassen auch nicht lange auf sich warten: «Mach weiter so», heisst es etwa. «Hut ab», so ein anderer Kommentar. Doch nicht nur in der virtuellen, auch in der realen Welt vergleichen Jung und Alt ihre Schrittzahl. So kann es vorkommen, dass nach einem Ausflug mit Freunden jeder kurz sein Handy zückt oder der Blick aufs Armband fällt, um die Schrittzahl mit jener der anderen abzugleichen.

Dass Schritte zählen im Trend liegt, hat für den Gesundheitssoziologen Oliver Hämmig von der Uni Zürich einen einfachen Grund: «Früher brauchte man ein eigenes Gerät, um Schritte zu zählen.» Da die meisten Smartphones heute eine Fitness-App beinhalten, sei die Hürde niedriger geworden. «Dass man sich selbst misst und miteinander vergleicht, gibt es aber schon immer. Heute ist es einfach eine andere Aktivität, die man besser vergleichen kann, da alle die gleiche Masseinheit (Schritte) haben.»

Social Media verstärkt die Motivation

Allerdings müsse der gesundheitliche Effekt der Schrittzahl individuell betrachtet werden. Für die, die gar keinen Sport machen oder auch für Betagte sind blosse Schritte schon sehr nützlich. Für andere braucht es etwas mehr. Auch die Art, wie man die Schritte macht, sei entscheidend. Trotzdem sei die Schrittzahl auf Social Media ein Gesprächsthema, das verbinde. «Wenn Jugendliche sie in der Gruppe teilen, ist das eine soziale Kontrolle, die auch einen gewissen Druck ausübt. Ich sehe das Messen mit anderen positiv.»

Auch der Bewegungspsychologe und Geschäftsleiter von Psycho Mobile, Markus Gander, hört von seinen Patienten immer wieder, dass sie Schritte zählen. Er glaubt ebenfalls an einen positiven Effekt: «Wer die App braucht, geht wohl eher mehr zu Fuss. Er wird zwar nicht ein grosser Sportler, es motiviert aber.» Dass man sich auf Social Media mit anderen vergleiche, wirke dabei verstärkend.

Neue Form der Selbstdisziplinierung

Der Vergleich gebe einem immer ein wenig die Möglichkeit, sich über andere zu erhöhen, ergänzt Soziologe Ueli Mäder. Das könne jedoch auch die eigene Entfaltung behindern. «Wenn meine Kollegen ihre Schrittzahl vergleichen, ist der Schritt zum Schrittzähler für mich auch näher, damit ich Schritt halten kann.» Mäder sieht in den Schrittzählern eine mögliche neue Form der Selbstdisziplinierung. Allerdings bestimme auch das Angebot ein wenig die Nachfrage.

Auf den meisten Smartphones ist eine Fitnessapp mit integriertem Schrittzähler bereits installiert. Festgesetztes Ziel ist bei ihnen meist die 10'000-Marke. Diese Schrittzahl gilt allgemein als gesunde Grundlage. Auch Versicherungen sind bereits auf den Trend aufmerksam geworden. So bietet die CSS ihren Kunden beispielsweise einen Rabatt, wenn sie mindestens 10'000 Schritte pro Tag machen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tschopä der Witzbold am 20.04.2017 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja...

    Packe jetzt noch meine Sieben Sachen und verlass diese Zivilisation :) Irgendwie, ich weiss nicht wieso, wirds mir hier zu blöd :) Lieber irgendwohin wo niemand Schritte zählt, Kleidermarken trägt, sich am Äusseren und Finanziellen definiert. Ins Paradies wo man den Mitmenschen noch in die Augen schaut, Zeit für Freunde hat und nicht nur aufs Handy starrt...Zudem mache ich noch ein Bisschen mehr Platz für meine Landsleute. Ab in die Berge...Für mich ein riesiger Schritt :) Und ihr kleinen Schäfchen zählt ruhig eure kleinen Schritte :)

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  • ChrisT am 20.04.2017 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Rolex zählt keine Schritte

    Und das ist gut so

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  • Leser am 20.04.2017 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, lustig nicht

    Bis Ihr mal einen Brief von eurer Krankenkasse oder Versicherung oder vom Bund erhält.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Köbu am 21.04.2017 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    ach ja!

    Und viele davon sind die gleichen, welche bei jeder Gelegenheit sich auf den Datenschutz berufen.

  • maja naef am 21.04.2017 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schritt Kontrollierer

    Jetzt ist es noch spassig aber wie es so ist in der Schweiz, siehe Abblendlicht am Tag, wird es obligatorisch, wenn zu viele mitmachen. Eine Buse lässt dann auch nicht lange auf sich warten, wenn die 10000 Schritte nicht erreicht werden.

  • Swissgirl am 21.04.2017 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Immer dieser Negativismus

    Ich habe seit zwei Jahren meine Garmin am Handgelenk. Sie misst meine Schritte, den Kalorienverbrauch, den Puls, zeichnet die Radtour oder Joggingstrecke auf. Jede Stunde erinnert sie mich daran, mich zu bewegen, wenn ich mich am PC vergesse. Der Gedanke, damit quasi überwacht zu werden gefällt mir auch nicht sonderlich. Seit ich meine Berufsausbildung abgeschlossen habe, hat die Technik innert 35 Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht. Den haben wir mitgeprägt und wir profitieren von vielen Neuerungen und Erleichterungen. Wichtig ist der massvolle und sorgfältige Umgang damit.

  • baumli Helmut am 21.04.2017 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Täglich 15000 Schritte stärkt die Beinmuskeln und

    Bin jetzt im Alter von 82 Jahren, mache täglich mit meinem Hund in der Regel 15000 Schritte, öfters sogar mehr. Mit einem Schrittzähler gemessen, seit ich Hunde betreue und dies seit 20 Jahren, vor der Pensionierung etwas weniger, sind tägliche Steps in der angegebenen Anzahl das Normale, auch bei schlechtem Wetter. Den Arzt benötige ich seit ca. 5 Jahren nur noch für den Fahrtest. Ob die CSS mir einen Bonus gewährt bezweifle ich, werde dies trotzdem versuchen. Im übrigens verwende ich das Smartphone nicht als Fitnesszähler, mit einem Prepaid Phone ist die Internetfunktion zu teuer.

  • Cybot am 21.04.2017 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Heikel finde ich das erste Bild, auf dem die Nutzerin stolz zeigt, dass sie doppelt so viele Kalorien verbraucht hat, wie sie an dem Tag gegessen hat. Schon ohne körperliche Aktivität sind 1200 kcal pro Tag hart an der Grenze zur Unterernährung. Solche Angaben sind ausserdem total ungenau, sich bei der Ernährung auf solche Werte zu verlassen ist sicher nicht gesund, sondern eher gefährlich.