Miese Bilanz im Ländervergleich

15. November 2017 17:37; Akt: 15.11.2017 17:42 Print

Schweiz erhält ungenügende Klima-Note

Kein einziges Land erfüllt die Ziele des Pariser Klimaabkommens. Selbst Musterschüler Schweden weist Mängel auf.

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Beim Klimaschutz schneidet die Schweiz schlecht ab: Umweltministerin Doris Leuthard bei einer Konferenz in Bern. (3. November 2017) (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

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Es gelingt weiterhin keinem Land, die im Pariser Klima-Abkommen gesteckten Ziele zur Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad zu erreichen. Am besten macht es laut einem Ländervergleich noch Schweden. Die Schweiz liegt im ersten Drittel.

Die 13. Ausgabe des Ländervergleichs der Umweltorganisation Germanwatch lässt weiterhin die ersten drei Podestplätze leer. Kein Land tue genug für den Klimaschutz und die Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens. Besonders beim Energieverbrauch brauche es noch Anstrengungen, hiess es in dem am Mittwoch veröffentlichten Ranking.

Kein Klimaschutzziel 2030

Musterschüler auf dem 4. Rang ist Schweden. Das Land punkte vor allem bei der Senkung der Treibhausgase und dem Ausbau erneuerbarer Energie, sagte Jan Burck von Germanwatch vor den Medien an der Klimakonferenz in Bonn. Und Schweden wolle bis 2045 CO2-neutral sein, das heisst nicht mehr Treibhausgase ausstossen als kompensiert werden.

Aber auch beim bestplatzierten von 56 untersuchten Ländern gibt es Mängel. Es fehle ein Klimaschutzziel für 2030, das mit dem 2-Grad-Ziel von Paris vereinbar sei. Auch sollte Schweden im Transportsektor und bei den Emissionen aus dem Konsum Massnahmen ergreifen, heisst es in der Studie.

Auf den nächsten zwei Rängen finden sich Litauen mit einem starken Ausbau in fossilfreier Energie und das Entwicklungsland Marokko mit ehrgeizigen Klimaschutzzielen bis 2030.

Nicht nur Kohleausstieg nötig

Deutschland, Gastgeberland der diesjährigen Klimakonferenz, platziert sich im Mittelfeld. Das Land habe auf diplomatischer Ebene grosse Anstrengungen für den Klimaschutz unternommen, nicht aber bei nationalen Massnahmen wie etwa einem Ausstieg aus der Kohle.

Deutschland liege beim Treibhausgasausstoss 20 Prozent über dem EU-Schnitt. Da würde ein Kohleausstieg allein nicht genügen, sagte Studienmitverfasser Niklas Höhne. Es müssten auch Fortschritte beim Transport, der Industrie und bei den Gebäuden gemacht werden.

USA im freien Fall

Am anderen Ende der Länderliste sind die USA, Australien, Südkorea, Iran und als Schlusslicht Saudiarabien. Die USA, die aus dem Paris-Abkommen aussteigen wollen, seien «im freien Fall».

Die USA und Saudiarabien müssten ihre Reduktionsziele für 2030 drastisch erhöhen. Südkorea, Iran und Saudiarabien zeigten bei ihren Bemühungen um weniger Treibhausgase «kaum Fortschritte oder den Willen dazu», hiess es weiter.

Schweiz «klar ungenügend»

Die Schweiz ist auf Rang 12, eine ähnliche Position wie in den vergangenen Jahren. Diese Platzierung sei nicht wegen einer guten Schweizer Klimapolitik, sondern weil die meisten anderen Länder so schwach seien, kommentierte Patrick Hofstetter vom WWF Schweiz.

Gerade bei den Klimazielen für 2030 sei die Schweiz «klar ungenügend». Die meisten anderen Staaten schnitten da besser ab. Die Schweiz müsse ihre Reduktionsziele mindestens verdoppeln, wenn sie auf Paris-Kurs sein wolle, zitierte WWF Schweiz am Mittwoch Hofstetter in einem Communiqué.

Reduktion von Treibhausgas

Die Schweiz habe auch keine Ziele für erneuerbare Energien und der Ausbau komme nur schleppend voran. Die Schweizer Energieversorgung beruhe noch immer zu vier Fünfteln auf importiertem Erdöl, Erdgas und Uran, kritisierte WWF Schweiz.

Bei dem Ländervergleich sei für die Schweiz nur die Treibhausgasreduktion im Inland berücksichtigt worden. Zudem müsse aber im Ausland bis 2030 zusätzlich eine Reduktion von 20 Prozent erreicht werden, sagte Marc Chardonnens, Direktor des Bundesamts für Umwelt (Bafu), in Bonn. Aber auch für die Schweiz gebe es noch etliches zu tun, räumte er ein.

Neue Methodik

Das jährliche Klimaschutzranking von Germanwatch und dem NewClimate Institute untersucht 56 Staaten und die EU. Sie sind zusammen für rund 90 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Dieses Jahr wurden erstmals neben Ausstoss, Energieproduktion und -effizienz auch die Leistungen der Länder stärker an den Zielen des Pariser Abkommens gemessen. Deshalb ist ein direkter Vergleich mit Ergebnissen früherer Jahre nicht möglich.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steinwerfer am 15.11.2017 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Och...

    Jetzt bin ich aber entsetzt... 12er Rang vergeben durch einen Statistikverein der die Kriterien gleich selbst bestimmt. Kommt mir vor wie bei den Pharmariesen und der Medizin, sprich neue "Grenzwerte" ergeben Millionen neuer "Kunden"... Tut doch bitte einfach nicht so, als ob die CH die Welt retten könnte. Wir alle auf dieser Welt sitzen im gleichen Boot und wenn die "Schwersten" in diesem Boot nichts tun sinkt es und zwar ganz egal was die "Kleinen" tun.

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  • Orozbe am 15.11.2017 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umweltschutz

    Solange Länder wie Indien, China, Russland und USA die Umwelt so stark verschmutzen, bringt es uns keinen Deut weiter in Sachen Umweltschutz vorsichtig zu sein.

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  • Schweizer am 15.11.2017 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Na und ?

    Das kann uns völlig egal sein, Frau Leuthard! Keine Panik. Dieser blöde Klimazirkus kostet nur einen Haufen Kohle. Und wer sind die Profiteure ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • DNA am 16.11.2017 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das eine Überraschung

    Kein Wunder bei der Linken Verkehrspolitik. Das muss dem Klima schaden, auch wen sich die Linken und Grünen am Stau erfreuen, sie schaden der Umwelt. Schade das sie es einfach nicht verstehen können.

  • 97% der Spezialisten überzeugen nicht! am 16.11.2017 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel wirklich Mensch gemacht?

    erstens, die Plätze 1-3 wurden nicht vergeben, da niemand die Ziele erreicht hat. Also liegen wir - der Richtigkeit halber - eigentlich auf dem 9. Platz! Dann muss ich einfach loswerden - Alle haben gegen Trump geschossen weil er da ausgestiegen ist, da nun aber niemand die Ziele erfüllt, ist er in meinen Augen der einzig Ehrliche von all den Oberaffen! Dazu kommt, das selbst heute noch niemand wirklich beweisen kann, dass der Klimawandel Mensch gemacht ist oder durch den Menschen beschleunigt wird! Hauptsache Freiheiten einschränken ohne zu wissen was es bringt!

  • franz am 16.11.2017 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Auto

    Die Politik merkt bis heute nicht, dass der Schweizer "sehr gerne und billig Auto fahren will". Es wurde jahrzehntelang gefördert, jetzt kann man das Spielzeug für (Spassfahrten an Wochenenden) nicht plötzlich einschränken, das gäbe Bürgerkrieg. Ganz besonders nicht, weil es zu viele hat, wo das Auto der gesamte Lebensinhalt ist ?? .....

  • Niklaus Immeli am 16.11.2017 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Klima Note

    Wer ist denn auf Platz 1 irgend eine Insel im Pazifik wo niemand drauf Wohnt und keine Autofahren,würde mich nicht Wundern.Und jene die dieRangliste erstellt haben sind alle mit dem öV in jene Länder gefahren oder zu Fuss oder wie,schönen Gruss von den Umweltschützern!!

  • Kemro am 16.11.2017 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    German watch

    Was soll das, german watch sagt, wir Schweizer sind ungenügend. Die sollen mal in Deutschland die Kohle abschaffen bevor andere Länder be- oder verurteilt werden