Hilfe für Flüchtlinge

06. Januar 2015 11:27; Akt: 06.01.2015 12:47 Print

Schweiz soll 100'000 Syrer aufnehmen

Eine Gruppe um den Nationalrat Balthasar Glättli will, dass die Schweiz 100'000 Syrer aufnimmt. Die Lebensbedingungen der Flüchtlinge seien katastrophal.

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Eine Gruppe fordert, dass die Schweiz 100'000 syrische Flüchtlinge aufnehmen soll. (Bild: AFP/Bulent Kilic)

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Die Schweiz könne und müsse mehr tun, sagte Amanda Ioset von Solidarité sans frontières. Balthasar Glättli, Nationalrat der Grünen (ZH), wies darauf hin, dass seit dem 2. Weltkrieg weltweit noch nie so viele Menschen auf der Flucht gewesen seien wie heute.

Angesichts der Lage in Syrien sei es unverständlich, dass die EU und die Schweiz an der Politik der Abschottung festhielten. Die unbürokratische Aufnahme einer so grossen Zahl syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge wäre zwar eine Herausforderung, allerdings wäre das für die Schweiz angestrebte Kontingent im Vergleich zu den Flüchtlingsheeren in Syrien und dessen Nachbarländern ein Klacks.

Die Forderung sei nicht unrealistisch, betonte Ruedi Tobler, der Präsident des Schweizerischen Friedensrates. Die Schweiz sei eines der reichsten Länder der Welt. Die heutige Abwehrhaltung gegenüber Flüchtlingen sei nicht naturgegeben, sondern das Resultat einer «Gehirnwäsche».

Status nicht im Vordergrund

Die in den vergangenen Tagen diskutierte Frage, welchen Status Syrienflüchtlinge erhalten sollen, ist für die Initianten des offenen Briefes zweitrangig, sagte Glättli. Das Ziel sei deren Schutz.

Im Vordergrund stehen für die Organisationen Kontingente: Die Schweiz soll der UNO-Flüchtlingsorganisation UNHCR anbieten, Kontingente aufzunehmen. Die vom UNHCR ausgewählten Personen würden mit diesem Verfahren in der Schweiz ohne individuelle Verfahren direkt als Flüchtlinge anerkannt.

Vorschlag von SVP-Seite

Es sei aber auch denkbar, über den Status S zu reden, welcher die vorübergehende Aufnahme von Schutzbedürftigen erlaube, sagte Glättli. Diesen Status hatte SVP-Nationalrat Heinz Brand (GR) vor einigen Tagen ins Spiel gebracht. Der Status ist im Asylgesetz vorgesehen, wurde bisher aber noch nie angewendet.

Gemäss dem Gesetz kann die Schweiz Schutzbedürftigen für die Dauer einer schweren allgemeinen Gefährdung, insbesondere während eines Krieges oder Bürgerkrieges sowie in Situationen allgemeiner Gewalt, vorübergehenden Schutz gewähren.

Familiennachzug möglich

In vielen Fällen sei dieser Status besser als jener der vorläufigen Aufnahme, da er den Familiennachzug ermögliche, stellte Glättli fest. Während es Brand um jene Flüchtlinge gehe, die mit Hilfe von Schleppern in die Schweiz gelangt seien, stehe für ihn aber die Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge im Vordergrund.

Der offene Brief wird von 27 grösstenteils kleineren Organisationen unterstützt. Auch die Grünen Schweiz stehen laut Glättli dahinter.

(cho/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Liliana am 06.01.2015 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Hätte unsere Regierung die Asylpolitik in den letzten Jahren nicht so vernachlässigt, hätte die CH jetzt bestimmt genug Platz. Oder Hr. Glättli, schaffen Sie doch zuerst 100'000 junge Wirtschafts-Flüchtlinge aus. Und übrigens, dass mit dem "vorübergehend" aufnehmen, hat man uns auch schon mal vorgelogen.

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  • P-J S. am 06.01.2015 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ehh..

    Hallo? Hab ich was verpasst? Und wohin? Wer bezahlt? Wer versorgt? wer schaut? o.O

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  • Lucie Santschii am 06.01.2015 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Andere Länder können auch nein sagen, wieso wir nicht?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • T. Weber am 07.01.2015 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    Einwanderung und Energie

    Also wieder 100000 mehr pro Jahr und zugleich alle AKWs abschalten. Geht irgendwie nicht.

  • P.F am 07.01.2015 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Adieu schöne Schweiz :-( es wird nie mehr so sein wie früher.

  • Oliver R. am 07.01.2015 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Immer, wir müssen

    Wo zeigen eigentlich die Forderer, "von wir müssen", Einsatz? Ausser beim Verteilen von fremden Geld, sehe ich bei keiner Organisation Einsatz. Keine der Organisationen stehlt, eigene Räume bereit. Keine der Organisationen ist selbsttragend. Alle hängen am Tropf der ach so wunderbaren Asylindustrie. Und man will sich ja nicht den Ast absagen, auf dem man sitzt. Mit Nächstenliebe hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun, es geht schlicht und ergreifend um's Geschäft.

  • Zyniker am 07.01.2015 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Man stelle sich vor...

    ... wir würden nur das Budget für 1000 Flüchtlinge in den Nachbarländern einsetzen. Wie vielen könnte man dann helfen? 10000? 100000? Und zum Thema Flüchtlinge an sich; Es gilt die Ursachen zu bekämpfen und nicht die Islamisierung unserer Staaten zu fördern (liebe Linke, behauptet was ihr wollt aber die Islamisierung ist Fakt, nur weil noch nicht alle betroffen sind bedeutet das nicht, dass es nicht eine reale "Bedrohung" ist!). Wie Bekämpft man die Ursachen? Nato, Russland, China auf gegen den gemeinsamen Feind. Bedingungsloser Kriegseintritt vs. IS und andere "Flüchtlingsverursacher".

    • Christoph/Meyer am 07.01.2015 14:22 Report Diesen Beitrag melden

      Krieg=Krieg

      Stellen sie sich mal vor, die USA hätte die 773 Milliarden Dollar, die sie nach offiziellen Angaben für den Afghanistankrieg ausgegeben haben, in Entwicklungshilfe investriert. Das Geld hätte gereicht um 18000 Krankenhäuser aufzubauen und 10 Jahre zu betreiben (ca.252 Mrd. USD), 164000 Schulen zu bauen und 10 Jahre zu betreiben (ca. 128 Mrd. USD), gut 227000 Kilometer Strassen zu bauen und 10 Jahre zu Unterhalten (ca. 300 Mrd. USD). Stattdessen haben sie aus einigen tausend Extremisten eine Armee gemacht, deren Zahl stettig ansteigt. Extremismus entsteht aus Not.

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  • mutsch gadnuss am 07.01.2015 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    armselig

    Man kann auch eine Million aufnehmen, und alle Grünflächen verbauen.