Waldbrand-Katastrophe

19. Juni 2017 15:54; Akt: 19.06.2017 21:16 Print

Schweizer Feuerwehrfrau sammelt für Portugal

Mehrere Leser konnten die Rauchwolke des Flammeninfernos in Portugal aus der Luft beobachten. Schweizer Feuerwehrleute sammeln derweil Spenden für die Opfer.

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Eine gigantische Rauchwolke hängt über dem Norden Portugals. Grund dafür ist ein verheerender Waldbrand, der seit Samstag, 17. Juni 2017 wütet. Als «eindrücklich» und «imposant» beschreiben Leser den Anblick der Wolke. In der Hauptstadt Lissabon ist vom Feuer wenig zu spüren. Das Flugzeug eines Lesers musste der Rauchwolke jedoch ausweichen, berichtet dieser. Cecilia Torres aus Bergdietikon will nun den Feuerwehrleuten helfen. Sie ist selbst bei der Feuerwehr. Die Einsatzkräfte in Portugal hätten kaum Brandschutzkleidung, sagt die 23-Jährige. Auch der Kopf ist nicht so gut geschützt wie bei Schweizer Feuerwehrleuten. Wegen der schlechten Ausrüstung würden einige Feuerwehrleute selbst Brandverletzungen erleiden, erklärt Torres. Ausrangierte Kleider aus der Schweiz sollen nun helfen. Laut Torres ist die Feuerwehr in Portugal freiwillig. Die Einsatzkräfte verdienen pro Stunde rund 1,80 Euro. Das Inferno forderte bisher mindestens 61 Todesopfer: Ein verbrannter Busch nach dem Brand in Figueiró dos Vinhos. (AP Photo/Paulo Duarte) Einige Opfer wurden in ihren Autos «von den Flammen völlig eingekesselt», so der Bürgermeister von Pedrógão Grande: Ausgebrannte Fahrzeuge zwischen Castanheira de Pera und Figueira dos Vinhos, in der Nähe der Kleinstadt Pedrógão Grande. (17. Juni 2017) Solche Brände seien unvorhersehbar – und als dann die Flammen den Weg in beide Richtungen absperrten, «sassen sie wie Mäuse in der Falle – einer Falle aus Rauch», sagte der Präsident des portugiesischen Feuerwehrverbands. Ein Polizist im abgebrannten Wald – neben ihm am Boden liegt eines der Opfer. Ein Anwohner schaut zu, wie sein Haus brennt: Eine Aufnahme aus Figueira in der Nähe von Pedrógão Grande. (17. Juni 2017) Einige Opfer wurden in ihren Autos «von den Flammen völlig eingekesselt», so der Bürgermeister von Pedrógão Grande: Die Waldbrände in Pedrógão Grande. (17. Juni 2017) Die Region liegt knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon. Nach Angaben des Zivilschutzes bekämpfen rund 700 Feuerwehrleute mit über 220 Fahrzeugen und zwei Löschflugzeuge die Feuer: Feuerwehrleute im Einsatz beim Dorf Avelar in Zentralportugal. Die Behörden bezeichnen die Situation als «besorgniserregend». Drei weitere Opfer sind nach ersten Erkenntnissen an Rauchvergiftungen gestorben. Das Feuer ist am Samstagnachmittag um 15 Uhr aus noch unbekannten Gründen ausgebrochen. Eine Frau steht unter Schock. Rund 700 Feuerwehrmänner mit über 80 Einsatzfahrzeugen und zwei Flugzeuge stehen im Einsatz. Der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa (Mitte) und Jorge Gomes (l.), Staatssekretär im Innenministerium, besuchen die betroffene Region.

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Mindestens 62 Menschen sind beim verheerenden Waldbrand in Portugal ums Leben gekommen. Das Feuer wütet seit Samstag und ist einer der schlimmsten Waldbrände des Landes seit Jahrzehnten. Ausgelöst wurde das Feuer durch einen Blitzschlag, wie die Polizei mitteilte.

Das Ausmass des Brandes ist vom Himmel aus zu sehen. Mehrere Leser sahen aus dem Flugzeug eine gigantische Rauchwolke. Einer ist Michi Baumgartner, der am Sonntagnachmittag aus seinen Ferien von Lissabon nach Zürich zurückflog. «Der Pilot sagte plötzlich, wir sollten links aus dem Fenster schauen. Die Rauchwolke war imposant.»

Flugzeug musste Rauchwolke ausweichen

«Eindrücklich», beschreibt Leser Oliver Gisin das Bild, das sich aus dem Vueling-Flugzeug bot, als er von Zürich nach Lissabon flog. In der portugiesischen Hauptstadt sei vom Waldbrand kaum etwas zu spüren, doch die Rauchwolke, die vom Flugzeug aus zu sehen war, habe sämtliche Passagiere beeindruckt. «Ich dachte erst, es sei eine normale Wolke, aber sie war dunkler als die anderen», sagt der 23-jährige Zürcher.

Leser Marc Spring flog ebenfalls von Zürich nach Lissabon. Die Maschine musste der Rauchwolke ausweichen, schreibt er.

«Feuerwehrleute müssen in Turnschuhen zum Einsatz»

Während andere nach Portugal in die Ferien fliegen, versucht Cecilia Torres aus Bergdietikon AG von der Schweiz aus zu helfen. Die 23-jährige Portugiesin ist in der Schweiz aufgewachsen. Bereits im vergangenen Jahr hat sie während ihrer Ferien in ihrer Heimat einen Waldbrand miterlebt. «Er war etwa zwei Kilometer von unserem Haus entfernt. Ich musste damals einen Mundschutz tragen, am Strand war alles voller Asche.»

Das Bild, das sich ihr damals bot, prägte die junge Frau. «Ich musste weinen, als ich sah, wie die Feuerwehrleute tagelang gegen das Feuer kämpften und sich dabei teilweise selbst Verbrennungen zuzogen. Sie haben keine richtigen Helme oder Brandschutz-Kleider. Und sie müssen in Turnschuhen zum Einsatz. Dem Mann meiner Cousine sind die Schuhsohlen beim Einsatz weggeschmolzen», so Torres. Der Mann helfe bei den Löscharbeiten beim aktuellen Brand.

«1,80 Euro pro Stunde für einen Feuerwehrmann»

Diesen Missstand versucht sie wenigstens etwas zu beheben. Da sie selbst in der Feuerwehr aktiv ist, hat sie sich bei mehreren Stützpunkten erkundigt, ob es Spendenmaterial gebe. «Wir haben bei uns selbst Brandschutzkleider, die wir eigentlich nicht mehr brauchen.» Die Antwort von den Kollegen in der Region stehe jedoch noch aus.

Das Feuer im Norden Portugals wütet noch immer, erklärt Torres. Die Familie ihres Freundes wohne in der Nähe. «Sie sind in Alarmbereitschaft, aber nicht unmittelbar in Gefahr.» Die Feuerwehr in Portugal sei auf Spenden angewiesen. Sie ist freiwillig und hat kaum Geld zur Verfügung für eine moderne Ausrüstung. Das zeigt auch der tiefe Lohn, den die Einsatzkräfte erhalten: «Ein Feuerwehrmann verdient etwa 1,80 Euro pro Stunde», so Torres. Mit entsprechendem Ausrüstungsmaterial will sie nun zumindest für etwas mehr Sicherheit sorgen.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Carmen am 19.06.2017 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super!

    Ich finde es super, dass bei uns ausgemustertes material an orte gespendet wird, die nicht so gut ausgerüstet ist wie wir. Es ist viel besser als geldspenden, die eh nicht an die richtige stelle ankommt.

  • marc am 19.06.2017 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vorbeugen

    so tragisch das Ganze ist, Warum setzt hier die EU keine Normen um Brandschneisen in die Wälder zu schlagen. Portugal hat ja öfters grosse Waldbrände um so wichtiger wären solche Aktionen. Wir haben für jeden Mist EU Bestimmungen sobald es was zu verdienen gibt. Für Katastrofen mit solchem Ausmaße scheint sich niemand politisch zu interessieren. Mein Beileid an alle Betroffenen.

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  • bueb am 19.06.2017 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    muss man loben..

    finde ich stark, weiter so! man muss sich gegenseitig helfen und zu helfen wissen. gleichzeitig übe ich kritik an all unsere spendesammelnden organisationen (glückskette/wunderlampe) die ihre spenden schlicht und einfach sehr ungeschickt einsetzen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • No-Na am 19.06.2017 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich werde helfen

    Sobald ich die Adresse weiss werde ich dieser Frau von meiner Rente etwas zusenden.

  • Vanessa S am 19.06.2017 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Einsatz TOLL! 

    Wo kann man spenden super einsatz!!!!

  • Spender am 19.06.2017 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spender, möchte wissen wen Kontaktieren

    Hätte auch noch Feuerwehrmaterial zum Spenden, wäre Dankbar für die Kontaktangaben!

  • Lucia Ca am 19.06.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    40 Brände sind es momentan

    Nicht nur im Norden sondern auch im Zentrum und da sind mehrere dorfe im vom Feuer eingekleiselt... es sind viele wo Hilfe brauchen... pray for portugal...

    • Mous am 20.06.2017 07:16 Report Diesen Beitrag melden

      Was macht die Portugal Kommune?

      Es gibt eine grosse Portugal-Kommune in Zürich, würde noch gerne erfahren, wie sie sich engagieren. Danke.

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  • Nadine Gisler am 19.06.2017 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hammer Idee

    Ich wohnte selbst 5Jahre in Portugal als Kind. Damals machten mir die Waldbrände mega Angst. Jetzt bin ich selber Feuerwehrfrau und würde gerne vor Ort den portugisischen Kameraden helfen. Ich finde das eine Supersache was Fr. Torres auf die Beine stellt. Hut ab und Gutes Gelingen wünsch ich ihr.

    • Mous am 20.06.2017 07:19 Report Diesen Beitrag melden

      Toll!

      Frau Gisler, eine koordinatorische Weiterbildung wäre vielleicht mega nützlich. Wir sind so super organisiert, in Notfällen kommt es zu gut. Zumal Kritik geübt wurde, dass die Organisation den Erfolg hinderte. Wäre mal eine Idee. Sie müssen sicher nicht durch dieses Feuer selber gehen...

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