Forscher warnen

05. März 2014 09:03; Akt: 05.03.2014 10:58 Print

Schweizer Flüsse sind voller Pestizide

Forscher wiesen in fünf untersuchten Flüssen insgesamt 104 Wirkstoffe nach - darunter zahlreiche Pflanzenschutzmittel. Die teils hohe Konzentration der Stoffe sei problematisch.

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Die Surb bei Endingen AG. (Bild: Wikipedia / Lutz Fischer-Lamprecht)

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Schweizer Flüsse enthalten einen ganzen Cocktail an Pestiziden.

Forscher fanden über 100 verschiedene Wirkstoffe, darunter vor allem Pflanzenschutzmittel. Eine Beeinträchtigung der Organismen in den Gewässern könne nicht ausgeschlossen werden, heisst es in der Studie.

Alle fünf untersuchten Flüsse seien erheblich durch verschiedenste Pestizide belastet, teilte das Wasserforschungsinstitut Eawag am Mittwoch mit. Im Schnitt enthielten die Wasserproben 40 unterschiedliche Stoffe. Ein Grossteil der Pestizid-Belastung sei den Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft zuzuschreiben, schreibt die Eawag.

Insgesamt fanden die Forscher 104 verschiedene Pestizide in den Flüssen; 82 davon waren reine Pflanzenschutzmittel, 2 reine Biozide. Die 20 restlichen Wirkstoffe sind sowohl als Pflanzenschutzmittel als auch als Biozide zugelassen. Bei den nachgewiesenen Pflanzenschutzmitteln handelte es sich am häufigsten um Herbizide, gefolgt von Fungiziden und Insektiziden.

Hohe Konzentrationen

Problematisch sind aus Sicht der Forscher zwei Aspekte: der «Cocktail» an Pestiziden sowie die teilweise hohen Konzentrationen eines einzelnen Pestizids. Für 31 Substanzen wurde der Grenzwert der Gewässerschutzverordnung verletzt. Die Konzentrationen eines Wirkstoffs lagen mehrfach über 0,1 Mikrogramm pro Liter; vereinzelt sogar über 1 Mikrogramm pro Liter.

Das seien sehr hohe Konzentrationen, heisst es in der Studie. Die Forscher gehen davon aus, dass diese Werte aufgrund der gewählten Methode (Mischproben aus zwei Wochen) zeitweise noch stark überschritten werden: Die kurzfristigen Spitzenkonzentrationen dürften nochmals um ein Vielfaches höher liegen.

Beeinträchtigung von Organismen

Doch selbst wenn die Konzentration jedes einzelnen Stoffes nicht sehr hoch ist, stellt die Kombination der verschiedenen Pestizide ein Problem dar. In vier Fünfteln der Proben war die Summe aller Pestizidkonzentrationen grösser als ein Mikrogramm pro Liter.

Was dies für die Wasserqualität und die Auswirkung auf Organismen im Gewässer bedeute, könne nicht generell beurteilt werden, schreibt die Eawag. Es sei jedoch zu befürchten, dass die Pestizidmischungen die Organismen im Wasser beeinträchtigten.

«Nicht ganz so sauber»

Die Leiterin der Eawag-Abteilung für Umweltchemie und eine der Autorinnen der Studie, Juliane Hollender, war gemäss Communiqué überrascht von den neuen Daten. «Ganz so sauber, wie immer wieder betont, scheinen die Schweizer Gewässer doch nicht zu sein», wird sie zitiert.

Untersucht wurden die Flüsse Salmsacher Aach (SG), Furtbach (ZH), Surb (AG), Limpach (SO) und Mentue (VD). Diese seien für das Mittelland durchaus typisch, schreibt die Eawag. Für andere mittelgrosse Fliessgewässer müsse auf weiten Strecken mit einer ähnlich hohen Belastung gerechnet werden.

Die Untersuchung wurde im Auftrag des Bundes in Zusammenarbeit zwischen Eawag, Bundesamt für Umwelt (BAFU) und fünf Kantonen durchgeführt. Sie untersuchten die fünf Flüsse zwischen März und Juli auf lösliche synthetische Pflanzenschutzmittel und Biozide.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr Wettermann am 05.03.2014 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wann endlich?

    Werden die Pharmafirmen zur Rechenschaft gezogen? Umwelt, Natur und sogar unsere Lebensmittel werden von diesen Multis vergiftet und keiner tut was? Wo sind die Kontrollbehörden, die diesen Firmen einen Riegel schiebt? Wo ist der Staat, welcher im Namen seines Volkes waltet? Es ist einfach traurig, wie dumm die Menschheit ist, wie sie sich von der Wirtschaft und dem Geld diktieren lässt...

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  • Tobias D am 05.03.2014 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Logisch für mich als Gärtner. Wir lernen wie die Mittel richtig anzuwenden sind. Müssen Prüfungen ablegen damit wir Pestizide einsetzen dürfen, die selben Pestizide darf aber jeder man in einem Migro kaufen. Sie werden dann meist nicht fachgerrecht eingesetzt. z.B am falschen ort(zu nahe am Gewässer) oder an Pflanzen die es gar nicht brauchen usw.

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  • Christoph Herren am 05.03.2014 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mediksmente und Hormone

    Ich fragr mich, wie schlimm diese Belastungen wirklich sein sollen... Was mir wesentlich mehr Sorgen macht, sind die Medikamenten- und Hormonrückstände im Wasser. Folge: Beängstigrnde Mutationen bei Fischen, etc... Alle die wider einmal gegen die Bauern schiessen, sollten sich mal selber an der Nase nehmen und überlegen, mit was SIE die Gewässer verschmutzen!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • John am 05.03.2014 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Landwirtschaft

    Eine Welternährung ohne Pflanzenschutzmittel ist unmöglich. Der Trend global gesehen geht eindeutig zu mehr PSM und Gentech, um die Erträge weiter zu steigern, den steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln, verursacht durch Überbevölkerung, zu decken und Kulturlandverlust (Überbauung, Erosion usw.) zu kompensieren. Die Schweiz hat einen anderen Weg gewählt. Hier wir ökologisch verträglich produziert, Gentech ist verboten, zulasten grosser Erträge. Es gilt auch weltweit einen Mittelweg zu finden. So wenig wie möglich, so viel wie nötig muss die Devise bei PSM sein. Wer das anders sieht, soll fasten.

  • Globle Konzerdiktaur schadet allen am 05.03.2014 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Monsanto Syngenta und Co

    Aber immerhin gibts ein wenig Licht im Dunkel , weil nun die Uni s , ihre Sponsoren offenzulegen haben.

  • Anna am 05.03.2014 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    und die Bienen ??

    am Bienensterben sind auch die Pestizide schuld, wie schon Einstein gesagt hat: wenn die Bienen ausgestorben sind, gibt es die Menschheit nur noch 3 Jahr. Ist vielleicht aber auch besser so....

  • Bauer am 05.03.2014 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer dasselbe

    Logisch sind immer die Bauern schuld. Dann pflanzen wir halt nichts mehr an :-) und sobald die Regale in den Supermärkten leer sind, reden wir über das nächste Problem... Unglaulich..

    • Marcel Füllemann am 05.03.2014 15:02 Report Diesen Beitrag melden

      Sauber

      Nicht alle! Aber wenn ich jedoch sehe, wie ein Bauer den ganzen Tag bei uns um die gleiche Anlage kurvt und immer nur diese bespritzt, ist es einfach übertrieben. Saubere Wiesen sind schön anzusehen, aber bloss weil man all die Pestizide (noch) nicht sehen kann ;)

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  • Christoph Herren am 05.03.2014 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mediksmente und Hormone

    Ich fragr mich, wie schlimm diese Belastungen wirklich sein sollen... Was mir wesentlich mehr Sorgen macht, sind die Medikamenten- und Hormonrückstände im Wasser. Folge: Beängstigrnde Mutationen bei Fischen, etc... Alle die wider einmal gegen die Bauern schiessen, sollten sich mal selber an der Nase nehmen und überlegen, mit was SIE die Gewässer verschmutzen!!