Test zeigt

26. März 2014 07:38; Akt: 26.03.2014 13:36 Print

Schweizer Honig ist voller Plastikteilchen

von Camilla Alabor - Wer Schweizer Honig kauft, isst kleine Plastikteile mit. Das zeigt eine neue Analyse. Ob das gefährlich ist oder nicht, darüber streiten sich die Wissenschaftler.

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Schweizer Honig enthält mehr Plastikteilchen als ausländischer Honig. Im Bild: Imker in Lausanne. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

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Wortwörtlich «More than Honey»: Im Schweizer Honig ist nicht nur Honig drin. Wie eine Analyse der SRF-Sendung «Kassensturz» zeigt, enthält der Honig auch winzige Plastikteilchen. Diese stammen ursprünglich von Zahnpasten, Duschgels oder Peelings.

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Weil die Plastikkügelchen von den Kläranlagen nicht ganz herausgefiltert werden können, gelangen sie ins Trinkwasser und damit in die Natur. Ein Teil davon landet auf den Blüten und gelangt von da in den Bienenstock.

Harmlos oder gefährlich?

Wie gesundheitsschädlich die Plastikkügelchen sind, ist nicht klar. Beim Bundesamt für Gesundheit hält man die Partikel für harmlos. «Die gesundheitliche Gefahr, welche von Mikroplastik in Nahrungsmitteln und Kosmetika ausgeht, wird als gering eingestuft», heisst es in einer Stellungnahme. Dies, weil die Mengen sehr klein seien und schnell wieder ausgeschieden würden. Auch Toxikologe Michael Arand ist der Meinung, die Partikel seien vernachlässigbar: «Wir entdecken sie ja überhaupt erst, seitdem wir so genaue Maschinen haben.»

Allerdings gibt es auch Wissenschaftler, welche die Kügelchen für gefährlich halten. Dies, weil es noch keine Langzeitstudien dazu gibt und die möglichen Folgen selbst geringer Mengen deshalb unbekannt sind.

Globus-Honig mit mehr Plastik

Auffällig ist beim «Kassensturz»-Test allerdings, dass die Konzentration der Plastikteilchen in den Schweizer Honigsorten besonders hoch ist. So schneidet der «Schweizer Blütenhonig» von Globus mit 210 Mikroplastikteilchen pro Kilo am schlechtesten ab. Der am wenigsten verseuchte Honig kommt von Lidl und enthält 48 Teile pro Kilo – laut der Aufschrift stammt er aus «europäischen und nicht europäischen Ländern».

Dass Schweizer Honig mehr Plastikteile enthält, bestreitet Richard Wyss vom Verein Deutschschweizerischer und Rätoromanischer Bienenfreunde nicht. Der Grund dafür sei, dass die Schweizer Imker einen besonders natürlichen Honig herstellten: «Ausländische Imker filtrieren zum Teil ihren Honig. Damit bleiben die Plastikteile hängen – aber auch die Pollen, die den Honig erst wertvoll machen.» Wenn man die Pollen aus dem Honig siebe, sei der gesundheitsfördernde Effekt dahin – «da könnte man genauso gut Nutella essen».

Verbot gefordert

Vom Honiggenuss abraten will Wyss aber nicht: «Sonst müsste man ja auch aufhören, Wasser zu trinken oder Brot, Konfitüre oder Salat zu essen.» Schliesslich finde man Plastikteile heute in praktisch allen Lebensmitteln. Tatsächlich haben deutsche Untersuchungen solche Partikel auch im Trinkwasser und in der Milch gefunden.

Dennoch fordert Wyss ein Verbot, Plastikteilchen in Kosmetikartikeln zu verwenden. Ein solches Verbot befürwortet auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung Konsumentenschutz: «Der Bund muss auf diese Situation reagieren und mit Massnahmen verhindern, dass Plastikteile ins Wasser gelangen.»

Sicher ist nur: Gar kein Honig

Stalder rät den Konsumenten, die keine Plastikteile zu sich nehmen wollen, im Moment ganz auf Honig zu verzichten – oder auf ausländische Produkte auszuweichen, die weniger Plastik enthalten. «Dabei muss man sich aber bewusst sein, dass diese Honigsorten allenfalls unter anderen Standards – wie ein Industrieprodukt – hergestellt wurden.»

Wer dennoch wissen will, ob Plastik in einem Lebensmittel oder einem Kosmetikartikel steckt, kann dies mithilfe der App Codecheck.info herausfinden. Indem man den Strichcode eines Produktes scannt, informiert die Gratis-App darüber, wie viel Plastik in einem Pack Orangensaft oder im Müesli enthalten ist. Dazu enthält die App auch Angaben zu Nährwerten und Inhaltsstoffen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf am 26.03.2014 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trinkwasser ?

    Also wenn die Teilchen auch im Trinkwasser sind haben wir ja ein größeres Problem.

  • Balthasar Glättli (Grüne) am 26.03.2014 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot von Mikroplastik?

    In der vergangenen Session habe ich genau zu diesem Thema eine Motion eingereicht, die zum Ziel hat, Mikroplastik in Körperpflegeprodukten zu verbieten. Plastikkügelchen werden z.B. in Peelings eingesetzt.

  • Realist am 26.03.2014 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Plastik im Honig?

    Wenn Plastikteilchen im Honig sind dann sind die mit Sicherheit auch in vielen anderen Lebensmitteln drin. Das ist eben der Zeitgeist. Wenn alle billigen Plastik kaufen dann muss das irgendwann auch entsorgt werden. Ich fuer meinen Teil versuche so viel wie moeglich Natutmaterialien zu nutzen. Metall, Holz, Leder (billige Kleider oder Schuhe duerften einen guten Teil der Belastung ausmachen).

Die neusten Leser-Kommentare

  • Switzerman am 26.03.2014 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Lest was in den Produkten drin ist!

    Auch das ist mal wieder ein längst bekanntes Problem, wie auch Nanopartikel, Antibiotika- und sonstige Pharma-Rückstände im Wasser. Aber ihr kauft ja aus reiner Ignoranz eh alles was so auf den Markt kommt und lasst unsere Wirtschaft wursteln wie sie will. Da muss man sich nachher über den Dreck auch nicht aufregen. Einfach vorher überlegen, was man kauft und unnützer Dreck verschwindet rasch vom Markt, wenn's niemand will. Peeling-Kügelchen könnten bestimmt auch aus ökologisch abbaubarem Material sein, kosten dann aber ev. ein bisschen mehr... da würde man ja glatt weniger Gewinn machen!

  • A. Schwab am 26.03.2014 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wir verschmutzen unsere Lebensgrundlage!

    Ist schon tragisch, wie wir es mittlerweile geschafft haben, alles zu verschmutzen. Wir verschmutzen unsere Lebensgrundlagen und wundern uns dann . vermutlich wie immer viel zu spät. Übrigens ist noch viel mehr im Trinkwasser zu finden, z.B. die Hormonerückstände der Kontrazeptiva und Residuen der Chemie, die wir immer in uns reinstopfen. Man müsste unsere Exkremente sorgfältigst entsorgen, weil Sondermüll . aber wohin damit?

  • Ste. am 26.03.2014 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Panikmacherei

    Genau. Dann hat es ja wohl auch überall sonst Plastikteilchen drin. Und an solchen komischen, fragwürdigen Tests leidet dann die Honigindustrie. Wie damals beim E-Coli Virus die Gurken scheinbar schuld waren und die gesamte Gurkenernte in den Abfall fiel.

  • iBrunner am 26.03.2014 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    lieber Schweizer Honig!

    In der Schweiz dürfen die Honigsiebe eine minimale Maschenbreite von 0.2mm haben. Dadurch bleiben die Pollen (die Vitamin- und Spurenelementreiche Teilchen enthalten) im Honig belassen. Leider auch mehr Mikroplastik. Durch ein feinmaschigeres Sieb würde der Honig gar nicht mehr laufen, ausser man erhitzt ihn auf 100°C, wie dies bei den Tests geschah. Wenn man aber Honig mehr als 40°C erhitzt, gehen alle Vitamine und Spurenelemente verloren. Also ihr habt die Wahl: Echter Schweizer Honig mit all den guten und gesunden Bestandteilen und dem Anteil Mikroplastik oder Ausländischer Honig mit weniger Mikroplastik, dafür den rausgekochten ausgefilterten gesunden Elementen. Und nicht zu vergessen ist das Antibiotika, das man zum Teil im ausländischen Honig findet

  • Balthasar Glättli (Grüne) am 26.03.2014 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot von Mikroplastik?

    In der vergangenen Session habe ich genau zu diesem Thema eine Motion eingereicht, die zum Ziel hat, Mikroplastik in Körperpflegeprodukten zu verbieten. Plastikkügelchen werden z.B. in Peelings eingesetzt.