«Brot backen»

29. Dezember 2014 10:18; Akt: 29.12.2014 10:56 Print

Schweizer IS-Zelle nutzte eine Geheimsprache

Die drei Iraker, die in der Schweiz eine IS-Zelle gegründet haben sollen, verwendeten Codewörter, um Terrorpläne auszutauschen. Davon gehen die Ermittler aus.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Um einen Terroranschlag in Europa zu planen, nutzten die drei Männer aus dem Irak, die die Bundesanwaltschaft am 21. März 2014 in Beringen SH verhaftete, offenbar eine codierte Sprache. Obwohl der Verdächtige Osama M.* nichts mit der Herstellung von Backwaren am Hut hatte, ist in seiner Online-Kommunikation mit einem mutmasslichen IS-Führer in Syrien regelmässig von «Bäckereien» und «Brot» die Rede, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

So antwortete Osama M. auf die Aufforderung aus Syrien, er solle «eine Bäckerei finden, die es machen kann», mit dem Satz: «Lieber Bruder, du weisst, wenn ich backen gehe, brauche ich viele Zutaten.» Doch nicht nur von Gebäck ist die Rede, auch «Wassermelonen» tauchen in den Gesprächen immer wieder auf.

Sind «Wassermelonen» Waffen?

Diese Internet-Dialoge, die der US-Geheimdienst abgefangen hatte, liess die Schweizer Bundesanwaltschaft von dem gefragten amerikanischen Terrorexperten und Islamismusforscher Evan Kohlmann analysieren. Dieser kommt in seinem Gutachten zum Schluss, dass mit «Brot backen» «Sprengstoff herstellen» gemeint sei und dass das Wort «Wassermelonen» für Waffen stehe. Laut Kohlmann hatten Terroristen auch in früheren Fällen Bezeichnungen für Gemüse oder Früchte verwendet, wenn sie Pläne für Anschläge schmiedeten.

Ob das Gutachten von Kohlmann für eine Verurteilung der Verdächtigen ausreicht, ist jedoch fraglich. Zudem ist der Experte umstritten, weil er schon in Militärverfahren gegen Gefangene des Guantánamo-Lagers aufgetreten ist. Auch seine Qualifikation wird in Fachkreisen teilweise bezweifelt, unter anderem, weil der Amerikaner kein Arabisch spricht. Der Anwalt des Hauptverdächtigen hat einen Befangenheitsantrag gegen Kohlmann eingereicht, der abgewiesen worden ist.

U-Haft verlängert

Die Untersuchungshaft für die drei Verdächtigen ist laut dem «Tages-Anzeiger» kürzlich um drei Monate verlängert worden. Die Bundesanwaltschaft will durch die Verhaftung der Iraker einen Terroranschlag in Europa verhindert haben. Details dazu sind nicht bekannt. Die Beschuldigten bestreiten, etwas mit Terrorismus zu tun zu haben. Bekannt ist jedoch, dass sie – wie viele IS-Leute – Anhänger des ehemaligen irakischen Diktators Saddam Hussein waren. Der Hauptverdächtige kämpfte in Saddams Elitetruppe.

*Name der Redaktion bekannt.

(lüs)