Bundesgericht

21. Mai 2015 12:40; Akt: 21.05.2015 17:00 Print

Schweizer Kinder dürfen nicht zwei Väter haben

Schwule Paare, die in den USA ein Kind von einer Leihmutter austragen liessen, werden hierzulande nicht beide als Elternteil eingetragen. Dies entschied das Bundesgericht am Donnerstag.

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Laut dem Bundesgericht darf ein Kind in der Schweiz nicht zwei Väter haben. (Bild: Keystone/AP)

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Das Bundesgericht bestätigt das Leihmutterschaftsverbot: In eingetragenen Partnerschaften lebende Männer, die in den USA ein Kind von einer Leihmutter austragen liessen, werden nicht beide als Elternteil im Schweizer Personenstandsregister eingetragen. Das hat das Bundesgericht am Donnerstag entschieden. Das Urteil fiel jedoch knapp aus.

Drei zu zwei Stimmen

Nur derjenige Mann, dessen Samen für die Befruchtung der Eizelle einer anonymen Spenderin verwendet wurde, wird auch rechtlich Vater. Damit wird die kalifornische Geburtsurkunde nur teilweise anerkannt. Darin sind beide Männer als Väter aufgeführt.

Um das Recht des unterdessen vierjährigen Knaben auf Kenntnis seiner Abstammung zu wahren, wird zusätzlich ins Personenstandsregister aufgenommen, wer die biologische Mutter ist und dass die Eizellenspenderin anonym ist.

Das Urteil fiel mit einem Stimmenverhältnis von drei zu zwei Stimmen knapp aus. Die Mehrheit der Richter erachtete die Umgehung des Leihmutterverbots als Verstoss gegen den Ordre public der Schweiz.

Urteil soll Kindeswohl verletzen

Der Dachverband Regenbogenfamilien zeigt sich nach dem Entscheid der Bundesrichter enttäuscht. Mit dem Entscheid setze sich das Bundesgericht über die Interessen des Kindes und die Lebensrealität der beiden Männer hinweg, die seit der Geburt des Knaben im Jahr 2011 als Familie zusammenlebten, erklärte Karin Hochl, die Anwältin der Männer. Das Urteil verletze das Kindeswohl fundamental und verhindere eine rechtliche Absicherung des Kindes.

Hochl beanstandet die Anknüpfung der rechtlichen Anerkennung an die genetische Verwandtschaft zum Kind. Eine rechtliche Elternschaft habe in der Schweiz nie zwingend eine genetische Verwandtschaft zum Kind vorausgesetzt. So ist dies beispielsweise bei der Adoption nicht von Belang oder bei der Vaterschaftsvermutung des Mannes bei einem innerhalb einer Ehe geborenen Kind.

Nachteile für Homosexuelle

Auch der Dachverband Regenbogenfamilien, der die Interessen von Familien vertritt, in denen mindestens ein Elternteil schwul, lesbisch oder bisexuell ist, befürchtet, dass der betroffenen Familie durch den nun rechtlich geschaffenen Zustand erhebliche Nachteile erwachsen können.

Hochl und der Verband kritisieren, dass die Lebensrealität bei diesem und ähnlich gelagerten Fällen vom Bundesgericht ausgeblendet werde. Es sei eine Chance verpasst worden, um Recht und konkrete Lebensumstände in Übereinstimmung zu bringen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Xy am 21.05.2015 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schutz der eigenen Rechtsordnun

    Dieser Entscheid scheint zweckmässig zusein. Würde ansonsten ein Leihmutter tourismus geradezu heraufbeschworen.

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  • Gleichberechtigter? am 21.05.2015 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Wie sieht das bei Frauen aus? Würde mich nicht wundern wenn zwei Mütter erlaubt sind...

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  • 2MamaMann am 21.05.2015 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2 Mamas 0 Probleme

    Meine Eltern sind seit ich klein war geschieden und mein Vater ist gestorben als ich elf Jahre alt war. Meine Mutter war/ist bisexuell. Sie hatte für eine lange Zeit eine tolle Freundin. So gesehen hatte ich seit dem 8. Lebensjahr eine zweite Mutter. Freunde in der Schule waren zwar skeptisch, aber als sie sahen wie cool meine Mamas waren, verflog das ganze schnell. Ich hatte nie Probleme deswegen und bin nun ein ganz normaler 21 Jähriger junger Mann mit abgeschlossener Lehre und grossem Freundeskreis. Ich finde dieses Urteil entäuschend und manche Kommentare echt traurig. Es braucht zwar Mann und Frau zur Zeugung eines Kindes aber zum aufziehen reichen 1-2 MENSCHEN völlig aus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • colanio am 22.05.2015 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    schräg

    Ist es nicht heuchlerisch von Kindeswohl zu sprechen? Das Kind will doch nur eine Mutter und einen Vater. Eine Welt, dies um jeden Preis umdrehen zu wollen.

  • Luminoso am 21.05.2015 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Für mich nachvollziehbar...

    Die Kernaussage des Entscheids ist für mich: "Nur derjenige Mann, dessen Samen für die Befruchtung einer Eizelle einer anonymen Spenderin verwendet wurde, wird auch rechtlich Vater". Dies erscheint mir formal-rechtlich logisch und richtig - absolut gültig und unabhängig der gewählten Art von Partnerschaft oder Ehe. Kann nicht ganz nachvollziehen, warum dieses Urteil "das Kindesrecht fundamental verletze und eine rechtliche Absicherung des Kindes verletze" - eher im Gegenteil. Den Adoptions-Vergleich finde ich hier unzulässig (-habe ansonsten nichts gegen MM/FF-Adoptionen!!).

  • Christian am 21.05.2015 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    zum Schutz des Kindes

    Kinder sind grausam und ich finde den Entscheid richtig. Dieses Kind ist schon im Vorherein in der Schule und Gesellschaft abgestempelt. Es würde mit der Zeit etliche Psychische Belastungen ausgesetzt. Wie heute schon das Mobbing nicht kontrolliert werden kann, kann es sicher auch in Zukunft nicht. Es ist purer Egoismus das Kind mit einer solchen Vorbelastung dieser Zukunft auszusetzen

  • LV am 21.05.2015 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hänselei

    Finde ich nicht schlecht, mit zwei Vätern hätte es das Kind in der Schule sicher nicht leicht gehabt.

  • M Janjic am 21.05.2015 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkt an die Kinder

    Frau und Mann braucht es um ein Kind zu machen. Welches Kind will schon ohne Mutter aufwachsen.