Terrornetzwerk

21. Juli 2013 08:32; Akt: 21.07.2013 08:33 Print

Schweizer Neonazis gründen «Legion Werwolf»

Nach der Razzia gegen ein Neonazi-Netzwerk verdichten sich die Spuren in die Schweiz: Seit einigen Monaten ist im Mittelland eine radikale Vereinigung namens «Legion Werwolf» aktiv.

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In einer Grossaktion wurden diese Woche in Deutschland, Holland und der Schweiz Razzien durchgeführt. Der Verdacht: Neonazis haben eine terroristische Vereinigung namens «Werwolf-Kommando» gegründet, um das «System» Bundesrepublik zu beseitigen. Als einer der Köpfe der Vereinigung gilt der Schweizer Sebastien N. Der 26-jährige Neonazi sitzt seit Mai 2012 wegen einer Schiesserei im Kanton Zürich in Untersuchungshaft.

Nun verdichten sich die Spuren in der Schweiz. In der Region Bern und Solothurn finden gemäss einem Bericht der «SonntagsZeitung» seit Februar regelmässige Treffen der radikalen Neonazi-Gruppierung «Legion Werwolf» statt. Deren Mitglieder stammten aus mehreren Kantonen und träten äusserst militant auf. Auf Bildern posieren sie mit Waffen und mit einem Werwolf-Logo bedruckten Pullovern und Fahnen. Die Anführer pflegten intensive Kontakte nach Deutschland und seien eng mit dem inhaftierten Sebastien N. verflochten.

Gruppe ist «höchst gefährlich»

Ob die «Legion Werwolf» als direkter Schweizer Ableger des aufgedeckten Neonazi-Netzwerkes operiert, ist gemäss der Zeitung unklar. Vieles spreche jedoch dafür, dass die Mitglieder Verbindungen zum Werwolf-Kommando haben. Mittlerweile habe die konspirative Gruppierung rund ein Dutzend Mitglieder. Fast alle hätten Kontakte nach Deutschland. Für den Neonazi-Jäger Heinz Kaiser ist klar: «Diese Gruppe ist höchst gefährlich. Alles deutet darauf hin, dass sie ein Schweizer Ableger des Werwolf-Kommandos ist.»

Auch der deutsche Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit ist alarmiert: «Ich gehe davon aus, dass neben den jetzt unter Verdacht stehenden noch weitere Personen in dieses Netzwerk involviert sind – auch in der Schweiz». Er fordert deshalb zur Wachsamkeit auf: «Mich irritiert, dass die Werwolf-Strukturen erst nach Druck aus Deutschland an die Öffentlichkeit gelangten.» Es scheine, als würde man das Netzwerk in der Schweiz weniger beleuchten und verfolgen.

Mit Hitlergruss in Buchenwald

Als Kopf der «Legion Werwolf» gilt laut der Sonntagspresse der 31-jährige Jonas S., ein enger und langjähriger Weggefährte von Sebastien N. Der Ex-Politiker der Schweizer Demokraten habe sich auch schon im KZ Buchenwald mit Hitlergruss abbilden lassen, schreibt die «Schweiz am Sonntag». Ins Visier der Ermittler geriet Jonas S. bei den aktuellen Ermittlungen nicht. Das könnte sich aber bald ändern. Die Bundesanwaltschaft in Deutschland sei daran, das beschlagnahmte Material zu sichten.

Klar ist unterdessen, dass der Razzia von vergangener Woche langwierige Ermittlungen vorausgingen. Das Rechtshilfegesuch aus Deutschland traf bereits im Oktober 2012 beim Bundesamt für Justiz ein, wie eine Sprecherin gegenüber der «SonntagsZeitung» bestätigte. Die Verantwortlichen haben daraufhin Zürich als Leitkanton für die Ermittlungen bestimmt, weil der Hauptverdächtige Sebastien N. dort im Gefängnis sitzt.

(pbl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FaktenCheck am 21.07.2013 23:57 Report Diesen Beitrag melden

    Hilters letztes Aufgebot: "Werwolf"

    Die Organisation "Werwolf" war in den letzten 9 Monaten des WWII Hitlers letztes Aufgebot. Die Mitglieder dieser Organisation ermorderten willkürlich Deutsche Staatsbürger. Ermordet wurden Zivilisten, denen man unterstellte, sie würden mit dem Feind "kollaborieren", ohne dass es dafür Beweise oder Gerichtsverfahren gab. Ermordet wurden Soldaten, die in den letzten Tagen des Krieges die Sinnlosigkeit erkannt hatten und nur noch nach Hause wollten. Karl Dönitz hat der Organisation Werwolf am 5. April 1945 jede weitere Aktion untersagt. Das gilt dann auch für Sebastian N.

  • Katharina Trifonowa am 21.07.2013 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständnislos

    Ich kann und will einfach nicht verstehen, wie jemand in der heutigen Zeit, ohne Propaganda und ohne Druck, das Hitlersystem gutheissen kann... Wie man von einem Mann begeistert sein kann, wegen dem Millionen von Menschen brutalst abgeschlachtet wurden, der Kinder in einen hoffnungslosen Krieg geschickt hat. Solche Menschen bleiben für mich ein Rätsel. Manchmal frage ich mich, ob die psychisch krank sind.

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  • Chnöbi am 21.07.2013 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Legion Werwolf...???

    Legion Werwolf! Man was für ein dämlicher Name! Aber passt zu den Mitgliedern. Später kommt dann wohl auch noch die Legion Frankenstein und Legion Dracula. Die haben ein bisschen zuviel Twilight geschaut.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Solberg am 22.07.2013 02:49 Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    Wo bitte ist denn das Problem dabei, wenn zwölf starke Jungs einen auf Rechtsextrem machen? Wie schon gesagt wurde; in der Schweiz haben wir Meinungs- und Versammlungsfreiheit...

    • Frank R. am 22.07.2013 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nun, ganz so einfach....

      ...ist das nicht ! es besteht der begründete Verdacht auf Bildung einer terroristischen Vereinigung, dies fällt weder unter meinungs, noch unter versammlungsfreiheit ! Komisch das sich einige Leute immer wieder auf diese Werte berufen, ist es doch so dass genau unser demokratisches System, das diese werte garantiert, von genau den Kreisen nicht anerkannt wird ! Die "Verniedlichung" solcher Gruppierungen, basiert in der Regel auf purer Naivität oder aufgrund von Sympathie gegenüber solcher Ideologien !

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  • FaktenCheck am 21.07.2013 23:57 Report Diesen Beitrag melden

    Hilters letztes Aufgebot: "Werwolf"

    Die Organisation "Werwolf" war in den letzten 9 Monaten des WWII Hitlers letztes Aufgebot. Die Mitglieder dieser Organisation ermorderten willkürlich Deutsche Staatsbürger. Ermordet wurden Zivilisten, denen man unterstellte, sie würden mit dem Feind "kollaborieren", ohne dass es dafür Beweise oder Gerichtsverfahren gab. Ermordet wurden Soldaten, die in den letzten Tagen des Krieges die Sinnlosigkeit erkannt hatten und nur noch nach Hause wollten. Karl Dönitz hat der Organisation Werwolf am 5. April 1945 jede weitere Aktion untersagt. Das gilt dann auch für Sebastian N.

  • Johann Jenni am 21.07.2013 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bilder veröffentlichen!

    Warum werden die Köpfe dieser ewig gestrigen hier denn unkenntlich gemacht?

    • Bengalista am 22.07.2013 01:09 Report Diesen Beitrag melden

      Selbst hängengeblieben

      Weil es in diesem System immernoch frei ist, welche politischer Ideologie man folgen will. Präjudiz aufgrund einer Einstellung bringt dich nämlich sehr schnell ins gestrige...

    • Petr M am 22.07.2013 07:06 Report Diesen Beitrag melden

      Gesichter verdeckt ... Wieso !?

      Frage ich mich auch immer!!!

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  • Andro Meda am 21.07.2013 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    ernst nehmen

    Eben: ernst nehmen ist angesagt - besser als später jammern.

  • nicole am 21.07.2013 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    sie sind schlimm

    legion werwolf ist eine schlimme Gruppe die Leute in die Gruppe (ziehen) und wenn man einmal drin ist kommt man nicht wieder weg und wenn man es versucht drohen sie damit freunde und Familie etwas zu tun.