«Vieles verlief fragwürdig»

10. August 2014 17:45; Akt: 10.08.2014 21:37 Print

Schweizer Politiker bei Erdogans Wahl

von Nicole Glaus - 53 Millionen Türken durften erstmals ihren Präsidenten wählen. Wie erwartet wurde Recep Tayyip Erdogan gewählt. Schweizer Parlamentarier haben die Wahl vor Ort mitverfolgt.

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Zum ersten Mal hat die türkische Bevölkerung ihr Staatsoberhaupt direkt gewählt. Damit die Wahlen frei und fair ablaufen, sind über 100 Wahlbeobachter der OSZE und dem Europarat vor Ort. Darunter auch Schweizer Parlamentarier.
«Die Wahlen waren auf lokaler Ebene gut organisiert und transparent», sagt die SP-Nationalrätin Margret Kiener-Nellen. Sie besuchte verschiedenste Wahllokale in Diyarbakir, der Hauptstadt des kurdischen Gebietes. Auffällig sei aber die starke Polizei-Präsenz gewesen. «Das ist unnötig – die Leute sind ja friedlich und kommen nicht etwa bewaffnet in die Wahllokale.»

Problematischer Verlauf im Vorfeld der Wahlen

Die FDP-Nationalrätin Doris Fiala berichtet aus der türkischen Hauptstadt Ankara. Die Fairness sei vor allem im Vorfeld der Wahlen ein Problem gewesen. «Viele Dinge verliefen fragwürdig und die Gewaltentrennung gibt es nicht», so Fiala. Der bisherige Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe viel mehr Wahlkampfmittel zur Verfügung gehabt. Auch seine Medienauftritte seien intensive gewesen. «Gemäss OSZE-Beobachtern hatte er in Fernsehauftritten durchschnittlich zweieinhalb Minuten zur Verfügung – seine Gegner hingegen nur eine halbe.»

Der Oppositionskandidat Ekmeleddin Ihsanoglu beschwerte sich über solche ungleichen Wettbewerbsbedingungen. «Es war ein unfairer, unausgewogener Wahlkampf», sagte er bei seiner Stimmabgabe.

«Eindrücklich, was all diese Menschen in Kauf nehmen»

Trotzdem - das Wahlbedürfnis in der Bevölkerung sei gross, sagt Doris Fiala. «Eindrücklich, was diese Menschen in Kauf nehmen, um wählen zu können.» Bei Wahlen in anderen Ländern, welche Fiala besuchte, konnten Invalide bei sich zu Hause mittels mobilen Urnen wählen. In der Türkei sei dies nicht der Fall. «Ich traf sogar ein älterer Mann, dessen Tochter ihn extra aus dem Spital hierher ins Wahllokal brachte oder andere, die im Rollstuhl die Treppen hochgetragen wurden.»

Eine Aufbruchsstimmung aufgrund der Wahlen sei jedoch kaum spürbar: «Die Menschen in der Türkei betrachten das Ganze sehr nüchtern», so Fiala. Die Bevölkerung habe nicht die Hoffnung, dass man mit dieser Wahl auf Anhieb etwas verändern könne. «Sie hoffen aber auf einen zweiten Wahlgang – Interessant werden daher die Protest-Stimmen sein.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peggy Walder am 10.08.2014 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahl auf Türkisch

    Unglaublich zuerst demonstrierten und schimpften die Türken über Erdogan und nun stimmen sie für ihn(?) das soll Demokratie sein?

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  • atilla am 10.08.2014 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Rüssland

    Erinnert mich irgendwie an Putins Werdegang...

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  • türkischer wähler am 10.08.2014 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig traurig

    die menschen haben sich mit dieser vergebenen chance selbst ein grab geschaufelt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • guardian0 am 11.08.2014 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Puzzle setzt sich zusammen.

    Ich muss immer lachen, wenn ich lese, dass die Türkei Islamistisch ist. Viele Türken denken wirklich Erdogan regiert die Türkei. Die Türkei hatt seit mindestens seit 60 Jahren keine eigene Regierung. Nur Marionetten. Ihr müsst endlich das ganze verstehnen. Bald wird im Nordirak der Staat Kurdistan gegründet. Vielleicht versteht ihr dan, was abläuft und wer wie immer die Finger im Spiel hatt.

  • Steffan Hessler am 11.08.2014 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Die Leute haben keine Ahnung

    Die meisten von euch, die hier irgendwelche Märchen auftischen von wegen die Wahlen wurden manipuliert, Erdogan sei ein Diktator, etc etc. Die meisten hier haben keine Ahnung was in der Türkei abgeht und glauben an ihre lächerlichen Medien.. Wir Türkei wollen nicht in die EU.. Wir haben eine sehr starke Wirtschaft und wollen dies auch mit Erdogan fortsetzen. Der Ihsanoglu wusste nicht einmal die türkische Nationalhymne und versucht da anzutreten.. Das die meisten hier wollen, dass die Türkei von solchen Leuten regiert wird, ist ja klar. Neid ist gross bei den Menschen. Wir werden erfolgreich!!

  • Zelda am 10.08.2014 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso unternimmt der Westen nichts?

    Wieso marschierte die NATO nicht in die Türkei ein, als zehntausende gegen Erdogan demonstrierten und seinen Rücktritt forderten? OOooohhhh.... vergessen, die Türkei ist ja auch NATO Mitglied. Aber in der Ukraine fing alles mit ein paar Demonstranten an und sofort forderte auch der Westen den Rücktritt des rechtens gewählten Präsidenten. Auf Wikipedia heisst die Demo "Euromaidan" super wie man alle Gesetze ausschalten kann wenn es um den Westen geht. Eine Schweinerei ist das!

  • ein Türke am 10.08.2014 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja diese Medien und Ihre Macht

    Bevor hier Stimmen laut werden betreffend Islamisierung solltet ihr eich schlau machen und nicht immer den Medien glauben. Er hat den Frauen erlaubt mit den Kopftüchern in die Schule geen zu dürfen. Es ist freiwillig und kein muss. PS: Die Türkei will seit Jahren nicht mehr in die EU. Ich weiss ja nicht vorher Ihr dieses Thema jeweils vor holt ;)

  • AKP am 10.08.2014 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden sehen..

    Alle die Erdoan kritisieren und das gefühl haben er wird der Türkei den Untergang bringen. Lehnt euch zurück :) und geniesst den Anblick wie die Türkei noch mächtiger wird.. lang lebe Recep Tayyip Erdoan 3