Neue Studie

11. Mai 2018 21:36; Akt: 11.05.2018 21:36 Print

Schweizern sind Alkohol-Warnungen egal

Steigendes Krebsrisiko oder die Gefahr von Gewalt halten die Schweizer nicht vom Trinken ab. Dafür brauche es Gesetze, sagt ein Experte.

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Wer viel Alkohol trinkt, wird häufiger gewalttätig oder Opfer von Gewalt. Zudem ist das Risiko, an sieben verschiedenen Krebsarten zu erkranken, erhöht. Diese Zusammenhänge sind wissenschaftlich erwiesen, stossen bei Schweizer Konsumenten aber auf taube Ohren.

Umfrage
Braucht es Warnungen auf alkoholischen Getränken?

Das zeigt ein Test, der im Rahmen des Global Drug Survey durchgeführt wurde (siehe Box). Dabei wurden den Umfrageteilnehmern Alkoholetiketten mit Botschaften vorgelegt, die zum gemässigten Konsum anregen, indem sie auf die gesundheitlichen Risiken aufmerksam machen. Danach wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie die Informationen zum Überdenken ihres Alkoholkonsums bringen.

Krebsrisiko macht keinen Eindruck

Die Botschaft, die auf das steigende Gewaltrisiko aufmerksam machte, brachte nur 8,4 Prozent der Schweizer Teilnehmer dazu, in Zukunft weniger trinken zu wollen. Weitere 9,8 Prozent gaben danach an, ihren Konsum vielleicht zu reduzieren. Das ist so wenig wie in keinem anderen Land: In Italien wollte etwa mehr als jeder fünfte Teilnehmer wegen der Warnung weniger trinken, in den USA 18,3 Prozent und in England knapp 15 Prozent.

Auch das Argument des Krebsrisikos machte keinen Eindruck auf Schweizer Konsumenten. Es brachte nur 9,7 Prozent der Befragten dazu, ihren Konsum zu reduzieren. In Deutschland waren es 12,3 Prozent, in den USA 22,6 Prozent und in Italien gar 34,4 Prozent.

Relativ tiefer Alkoholkonsum

Mitautorin Larissa Maier sagt, in den deutschsprachigen Ländern gebe es bereits gute Gesundheitsinformationen zu den Folgen des Alkoholkonsums. Nur wenige befragte Personen würden deshalb nach der Konfrontation mit den Botschaften über eine Verhaltensänderung nachdenken. Im Vergleich zu anderen Ländern sei der Anteil von Personen, die regelmässig viel trinken, in der Schweizer Stichprobe zudem kleiner. Dementsprechend fühlten sich die Teilnehmer weniger angesprochen.

Auch sei die Sichtbarkeit der negativen Folgen des Alkohols hierzulande relativ gering: «Grössere gewalttätige Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Alkohol im öffentlichen Raum beschränken sich auf Fussballspiele oder Demonstrationen und die Obdachlosigkeit ist vergleichsweise gering», sagt Maier. Das soziale Leben inklusive dem Nachtleben erfolge geregelt. «Die Menschen fühlen sich sicher.»

Der Alkoholkonsum in der Schweiz ist im europäischen Vergleich eher tief. Mit 10,0 Litern reinem Alkohol im Jahr 2016 platzierte sich die Schweiz im Vergleich der europäischen Länder der Weltgesundheitsorganisation auf Platz 24 von 51. Die Eidgenössische Alkoholverwaltung bezifferte den Konsum auf 7,9 Liter reinen Alkohol für dasselbe Jahr – das entspräche dem Platz 16. Der Konsum nimmt seit Jahren ab. Trotzdem verursacht er laut Zahlen des Bundesamts für Gesundheit jährlich 1600 Todesfälle. Jeder fünfte Schweizer trinkt zu viel, 250'000 sind alkoholabhängig.

«Es braucht direkte Betroffenheit»

Mit Warnbotschaften scheint diesen Problemen nicht beizukommen. Der Suchtexperte Toni Berthel sagt, relativ unspezifische Warnlabels, die sich an eine grosse Gruppe richten, seien wenig wirksam. Jene, die sie ansprechen sollten, wehrten sich gegen die Botschaften. «Solche Warnungen sind bei Menschen am wirksamsten, die sowieso schon sensibilisiert sind und weniger Probleme mit dem Konsum haben», sagt er.

Um Menschen mit problematischem Konsum zu erreichen, benötige es Momente direkter Betroffenheit. «Wenn jemand wegen einer Alkoholvergiftung oder eines Unfalls nach Alkoholkonsum im Spital liegt und vom Pflegepersonal oder Betreuern auf seine Sucht angesprochen wird, ist die Wirkung hoch», sagt Berthel. «Man muss merken, dass es einen persönlich etwas angeht.» Diesbezüglich sei die Schweiz auf einem guten Weg: «Die Netzwerke funktionieren, die Zusammenarbeit der verschiedenen Stellen ist eingespielt.»

Nicht zuletzt gehe es um eine gesellschaftliche Grundhaltung, die geändert werden müsse. «Das Rauchen wird heute als gefährlich und ungesund angesehen», sagt Berthel. «Das brauchte in den letzten 30 Jahren ständige Präventionsarbeit und neue Gesetze.»

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi123 am 12.05.2018 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol

    Aha....und wo steht: zu viel Arbeit schadet Ihrer Grsundheit.? .....oder zu viel Stress kann Ihre Grsundheit schädigen?......niiiirgens....also....prost

  • Thomas 73 am 11.05.2018 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach herie...

    Wenn die Menschheit auf alles verzichten würde, was nicht unbedingt gesund ist, würde es die Menschheit schon gar nicht mehr geben. Alles in Massen und nur zum Genuss, dann bleibt das Leben lebenswert. Nur wegen mal einem Bier mehr, einer schwarzen Wurst vom Grill, einer zu grünen Tomate oder einem Schluck frischer Kuhmilch ist noch niemand gestorben. Lebt euer Leben jeden Tag, vorbei sein kann es immer und sofort.

  • MegaBoi am 11.05.2018 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viva la Alc

    Lasst die Leute doch ihren Spass haben. Konsumenten wissen ja eh das es schädigend ist und da ist das Krebsrisiko weniger gefährlich

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 13.05.2018 11:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder ist sich selbst...

    Es braucht Gesetze sagt ein Experte... Wie viele Gesetzte, Verbote wollen wir noch? Dazu kommt noch, das Krebsrisiko kein Argument ist. Krebs kann jeder/jede bekommen, da die Keime in jedem menschlichen Körper stecken: Ob Alkohol, fett essen oder rauchen einen Einfluss hat, bleibt noch zu beweisen. Ich glaube lange nicht alles was predigt wird...!

  • Bimbo77 am 13.05.2018 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    Je höher die von der Studie genannte Prozentzahl, je höher war das AHA-Erlebnis bei den Testpersonen. Einen niedrigen zeigt dass die Schweizer schon sehr gut Informiert sind und damit die Unwissenden klar in der Minderheit sind, somit ist die Verzichtbereitschaft auf den Kosum auch viel kleiner... Gute Studie nur falsch interpretiert fördert Fehlerkenntnisse und dannach falsches Reagieren, was niemanden Weiterbringt.

  • Giovanni lamour am 12.05.2018 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alohol

    Ganz einfach: Alkohol ist wie Hanf als Droge zu definieren. Sämtliche Winzer und Bierbrauer sind Kriminelle. Also alle Rebberge sofort vernichten und Tomaten oder Aprikosen anpflanzen. Oder macht dies auch süchtig? Wünsche allen ein schönes Wochenende und proscht.

  • jeani am 12.05.2018 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann jeder selber entscheiden ob . . .

    . . . er sich zu tode saufen, rauchen, kiffen oder spritzen will!

  • Mundschenk am 12.05.2018 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Alte

    Da wurde der 120-Jährige gefragt, weshalb er denn so alt geworden sei. Der meinte, weil er vor 20 Jahren mit Alkohol und Zigaretten aufgehört habe.