Gesundheitswesen

19. Juni 2018 09:42; Akt: 19.06.2018 12:58 Print

«Die Anspruchshaltung der Prämienzahler steigt»

Im Gesundheitssystem macht sich eine «wachsende Anspruchshaltung» breit, belegt eine Studie. Jugendliche wollen altersabhängige Prämien.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Über 80 Milliarden Franken pro Jahr betragen die Gesundheitsausgaben in der Schweiz, wie Zahlen des Bundes zeigen. In diesem Jahr dürften die Kosten erstmals auf über 10'000 Franken pro Einwohner und Jahr steigen. Das entspricht einer Steigerung um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wie eine neue Studie nun belegt, sind die Schweizer aber nicht bereit, auf Leistungen zu verzichten.

Umfrage
Auf was würden Sie für tiefere Prämien verzichten?

Die jährliche Umfrage «Gesundheitsmonitor», die das Forschungsinstitut GFS im Auftrag des Pharmaverbands Interpharma durchführt, zeigt, dass Massnahmen zur Kostensenkung deutlich weniger Unterstützung geniessen als früher. 54 Prozent der Befragten wären bereit, für eine Kostensenkung Einschränkungen bei der Therapiefreiheit hinzunehmen. Ebenso viele wären zu Einschränkungen bei der Spitalwahl bereit – 12 Prozentpunkte weniger als noch letztes Jahr.

Einschränkung der Artzwahl ohne Chance

Einen deutlichen Rückgang um 14 und 23 Prozentpunkte auf 38 respektive 31 Prozent verzeichnen auch die Einschränkung der freien Arztwahl und eine Kürzung des Leistungskatalogs zugunsten tieferer Kosten. Nur noch jeder fünfte Befragte wäre zudem bei einer Kostenreduktion bereit, einen eingeschränkten Zugang zu neuen Medikamenten hinzunehmen. Damit scheine sich das Verständnis zu verbreiten, dass man angesichts der hohen Kosten auch entsprechend viele und gute Leistungen in Anspruch nehmen wolle, schreiben die Studienautoren.

Für diese «wachsende Anspruchshaltung» spreche auch, dass nur noch jeder dritte Befragte sehr teure Behandlungen vom Alter der Patienten abhängig machen wolle. Ganze 99 Prozent sind zudem der Meinung, teure Medikamente aus der Krebsforschung sollten unabhängig vom Einkommen allen zur Verfügung stehen.

Jüngere wollen altersabhängige Prämien

Obwohl die Krankenkassenprämien jedes Jahr steigen, ist der Wunsch nach automatischen Massnahmen zur Kostenbegrenzung im Fall eines starken Anstiegs von 61 auf 47 Prozent der Befragten gesunken. Nur noch jeder Dritte kann sich einkommensabhängige Prämien vorstellen. Insgesamt sprechen sich 85 Prozent für die Beibehaltung des heutigen Prämiensystems aus.

Eine Änderung wünschen sich hingegen jüngere Versicherte. Zwei von drei Befragten im Alter von unter 29 Jahren sind der Meinung, dass es in der Grundversicherung nach Alter abgestufte Prämien geben solle. In dieser Altersklasse sind zudem mit 46 Prozent deutlich mehr Versicherte für eine Einschränkung des Leistungskatalogs, wenn damit Kosten eingespart werden können. Das zeigt eine Spezialauswertung für 20 Minuten.

Mehrheit ist zufrieden

In der Gesamtbilanz ist die Zufriedenheit mit dem Schweizer Gesundheitswesen auf einem neuen Höchststand. 87 Prozent der Befragten haben einen sehr oder eher positiven Gesamteindruck – auch wenn die überwiegende Mehrheit einen weiteren Kostenanstieg erwartet. Zwar wünschen sich die meisten Befragten keinen Ausbau der Grundversicherung, aber die Krankenkassen sollen in praktisch allen Bereichen mehr Leistungen übernehmen. Die Studienautoren umschreiben die Ergebnisse so: «Für die hohen Krankenkassenprämien möchten die Stimmbürger viele und hochstehende Leistungen haben.»

Für die Studie wurden 1200 Stimmberechtigte aus der ganzen Schweiz befragt. Die Befragung sei repräsentativ, teilt das Institut GFS mit.

(ehs)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. K. am 19.06.2018 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medis

    Medikamente sind zu teuer. Punkt.

  • Thomas P. am 19.06.2018 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    bezahlen können

    Mein einziger "hoher Anspruch" ist, dass ich mir meine KK-Prämie noch bezahlen kann.

  • j. k am 19.06.2018 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    klar

    Klar wenn ich mehr zahle dann erwarte ich auch mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pegasus77 am 19.06.2018 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohn Prozent und Schluss

    Die Grundversicherung inkl Zahnarztkosten soll via Lohn-Prozent getragen werden. Somit ist die Belastung für alle gleich und übrigens auch gerecht. Wir werden alle älter.

  • Julio Shim am 19.06.2018 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preistreiber

    Die Medis sind zu teuer, da wird nur für Profit geschaut. Liegt man einmal im Spital, werden alle Untersuchungen gemacht, damit die teuren Maschinen rentieren.

  • Dr.e am 19.06.2018 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geizhälse

    370.-/Monat dafür dass ich praktisch das ganze Jahr nichts davon habe ist einfach viel zu viel. Zudem muss man dann ja noch den grössten Teil der Artzbesuche selber zahlen!

  • Dani am 19.06.2018 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ursachen- nicht Symptombekämpfung

    Ich hätte gerne mal die Zuckersteuer! Wann wird das Übel endlich mal an einer Wurzel gepackt und nicht am Symptom?

  • max62 am 19.06.2018 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansprechpartner.

    Fragt doch mal die Pharmaindustrie auf was die bereit wären zu verzichten.