Jobs retten?

12. Februar 2018 05:42; Akt: 12.02.2018 13:57 Print

Schweizer fordern eine Strafsteuer für Roboter

von D. Pomper - Die meisten Stimmbürger finden: Ersetzen Roboter Arbeitnehmer, sollen Unternehmen eine Steuer zahlen. Economiesuisse warnt davor.

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Self-Scanning-Kassen, selbstfahrende Autos, elektronische Patientendossiers: Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch. Nun zeigt eine gewichtete Umfrage von Vimentis, dass 51 Prozent der Stimmbevölkerung diese Entwicklung als Chance wahrnehmen. 32 Prozent empfinden die Digitalisierung als Gefahr. Angst davor haben vor allem Frauen, SVP-Wähler und Menschen mit einem tieferen Einkommen und Bildungsstand.

46 Prozent der Bevölkerung sehen aufgrund der Digitalisierung einen politischen Handlungsbedarf. 19 Prozent fordern weniger Regulierung, 16 Prozent sehen gar keinen Handlungsbedarf. Folgende staatliche Massnahmen kommen beim Stimmbürger gut an:

1. Eine absolute Mehrheit von 62 Prozent befürwortet eine Roboter-Steuer zur Deckung wegfallender Sozialabgaben. Das heisst, Maschinen und Roboter, die Arbeitnehmer ersetzen, werden für das Unternehmen mit einer Steuer belastet, die die wegfallenden Sozialabgaben deckt.

2. Eine absolute Mehrheit von 67 Prozent ist der Meinung, dass das Fach «Medien und Informatik» in der Volksschule des Lehrplans 21 weiter ausgebaut werden soll.

3. Eine absolute Mehrheit von 68 Prozent ist dafür, dass der Staat, Aus- und Weiterbildungsprogramme für Erwachsene zur Vermittlung von notwendigen Fertigkeiten im Zuge der Digitalisierung subventioniert.

10'000 Franken pro Self-Scanning-Kasse

Überzeugte Verfechterin der Robotersteuer ist Nationalrätin Lisa Mazzone (Grüne). Sie hat letzten Frühling ein entsprechendes Postulat eingereicht und unterstützt auch den Vorschlag der Genfer SP, pro Self-Scanning-Kasse eine Steuer von 10'000 Franken pro Monat zu erheben. Das Geld soll in die Lehrlingsausbildung fliessen, aber auch an Geschäfte umverteilt werden, die ausschliesslich bediente Kassen haben. Die Abstimmung steht noch aus. «Mit dieser Steuer können wir die Gewinne der Automatisierung besser verteilen und verhindern, dass die Ungleichheit weiter wächst», sagt Mazzone.

Im Postulat weist die Genferin darauf hin, dass in der Schweiz Studien zufolge in den kommenden Jahren 50 Prozent der Arbeitsplätze automatisiert und Roboter auch im Dienstleistungssektor verstärkt eingesetzt werden. «Arbeitsplätze würden verloren gehen, die Sozialversicherungen ausgetrocknet. Die Robotersteuer ist ein gutes Instrument, diese negativen Folgen auszugleichen», sagt Mazzone. Der Bundesrat hat das Postulat abgelehnt. Im Rat wurde es noch nicht behandelt.

«Arbeitsplätze würden verloren gehen»

Corrado Pardini, Berner SP-Nationalrat und Gewerkschafter, kann der Robotersteuer dagegen nichts abgewinnen: «Wir dürfen keine Steuern erheben, die Innovationen verhindern.» Nur wenn die Schweiz technologischer Spitzenreiter bleibe, könne sie ihren Wohlstand aufrecht erhalten. Entscheidend sei jetzt, dass die Politik und Wirtschaft in die Aus- und Weiterbildung der Menschen investiere. «Dann ist die Digitalisierung eine riesige Chance, die zu Mehrbeschäftigung führen wird.»

Rudolf Minsch, Chefökonom beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, schlägt in die gleiche Kerbe: «Eine Robotersteuer ist genauso absurd, wie wenn wir eine Sondersteuer für Bohrmaschinen einführen würden – im Glauben, dass dann mehr Arbeitsplätze für Schreiner geschaffen würden.» Dabei sei die Folge genau die umgekehrte: «Mit einer solchen Steuer würde sich die Schweiz technologisch ins Abseits manövrieren und wäre international nicht mehr konkurrenzfähig, was längerfristig einen deutlichen Verlust von Arbeitsplätzen zur Folge hätte.» Um in der digitalen Arbeitswelt zu bestehen, müssten sich die Arbeitnehmer stetig weiterbilden. «Die Zeiten, in denen man während fünfzig Jahren den gleichen Job machen konnte, sind definitiv vorbei», sagt Minsch.

«Schere zwischen arm und reich nimmt zu»

Lisa Mazzone glaubt dagegen nicht an einen Innovationsstopp: «Innovation wird es immer geben. Die Wirtschaftsverbände dürfen nicht länger die Augen vor den gesellschaftlichen Gefahren verschliessen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Bereits jetzt nimmt die Zahl der Sozialhilfeempfänger zu. Wenn wir der Digitalisierung jetzt einfach freien Lauf lassen, wird die Schere zwischen Arm und Reich noch grösser werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thoms am 12.02.2018 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor

    Die Arbeitsplätze werden so oder so nicht geschaffen. Wenn Robotersteuer kommt, werden diese im Ausland ihren Job machen. Zuden verrichten Roboter meist monotone oder gefährliche Arbeiten, welche wirklich auch nicht mehr zu den hohen Schweizer Löhnen passen und die Schweizer auch nicht machen wollen. Das Vorhaben ist etwa gleich Eigentor wie die protektionistischen Tendenzen. Wichtger wäre die Hochpreisinsel Schweiz zu brechen, so dass die Schweizer Arbeitskräfte wieder konkurenzfähig zum nahen Ausland werden. Auch der Arbeitstourismuss würde so besser eingedämmt.

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  • Der Irre mit dem Smartphone am 12.02.2018 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kapitalsteuer 2.0

    Es ist nur richtig die Produktionsmittel zu besteuern, weshalb dabei überhaupt zwischen Mensch und Maschine Unterschieden wird, entbehrt jeglicher Logik. Als Bürger darf ich keine Arbeit verrichten, aus der ich einen Gewinn erwirtschafte, ohne dafür Steuern zu zahlen. Weshalb sich Unternehmen gegen eine Gleichbehandlung wehren, ist zwar verständlich, jedoch nicht zu legitimieren, außer mit der bitteren Wahrheit, das wir alle Sklaven sind. Ich bin gespannt, wie das System dies versuchen wird zu verschleiern.

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  • Waterpolo1s am 12.02.2018 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... Grundeinkommen rückt näher ...!

    ... das uneingeschränkte Grundeinkommen rückt näher ...!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nationless am 12.02.2018 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absurd

    Roboter Steuer? Und so die Innovation abwürgen? Mit diesen Steuern dann noch Arbeitsplätze für die Zwangsbeschäftigung im zweiten Arbeitsmarkt finanzieren? Das wäre wirklich der grösste Nonsens. Anstatt eine Innovationssteuer wären die normalen Unternehmens, Gewinnsteuer und allgemeine Sozialabgaben zu erhöhen. Neu wären auch Infrastruktur und Bildungssteuern für Unternehmen welche nicht Aus/Weiterbilden und lieber Grenzgänger einstellen oder durch tiefe Steuern und Landpreisen in der Pampa Niederlassen und Pendlerströme fördern.

  • Neugierige Katze am 12.02.2018 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    sehr interessant...

    Schon geil, ein Vorschlag bei dem Konzerne (die schon mehr als genug gewinne einsacken, Millionenbonis an CEOs zahlen und Produktion ins Ausland schieben um unsere Löhne weiter nach unten zu drücken, dazu noch möglichst viele Leiharbeiter etc) einen Nachteil haben und das Volk eine Vorteil hätte, wird von Volk selber stark kritisiert...sehr interessant...

  • Eugen Fischer am 12.02.2018 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    digitale Welt

    Upps, nach der Politik auch die des Bundesrat zeigt die schweizerische Bevölkerung ist noch lange bereit sich der Digitalisierung zu stellen!

  • nathia am 12.02.2018 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine roboter

    Am besten gar keine Roboter zulassen! Aber ihr werdet ja sehen was die Folgen sind. Eines weiss ich schön wird es nicht sein.

    • Hani nid am 12.02.2018 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nathia

      Es gibt Roboter und Roboter! Die einen helfen dem Mtarbeiter, die anderen ersetzen ihn. Für letzteres sollte zwingend eine Steuer eingeführt werden um die Sozialkosten abzufangen, durch den Verlust des Arbeitsplatzes!

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  • Roberto am 12.02.2018 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Future für die Multis

    Die multinationalen Konzerne leisten sich Armeen von Arbeitsrobotern, die 24 x 7 x 52 arbeiten und ramassieren immer mehr Gewinne zusammen, während die Erwerbslosen auf die Sozialversicherungen abgewälzt oder entsorgt werden.