Nigeria

11. April 2016 12:25; Akt: 11.04.2016 12:25 Print

Schwulen-Hatz auf Schweizer Botschafter

von Marco Lüssi - Die Regierung von Nigeria hat offenbar eine Untersuchung gegen den Schweizer Botschafter eingeleitet – weil dieser mit einem Mann zusammenleben soll.

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Homosexualität wird in Nigeria verteufelt – wie zahlreiche andere afrikanische Staaten stellt das bevölkerungsreichste Land des Kontinents gleichgeschlechtliche Handlungen und Beziehungen unter Strafe. Dass der Schweizer Botschafter in Nigeria, Eric Mayoraz, mit einem Mann zusammenleben soll, sorgt nun für Wirbel. Die Regierung von Nigeria habe deswegen eine Untersuchung eingeleitet, berichtet die nigerianische Zeitung «Daily Trust on Sunday».

Mayoraz wurde 2015 Schweizer Botschafter für Nigeria, Niger und Tschad und residiert in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Laut «Daily Trust» teilt der Diplomat dort sein Bett mit einem brasilianischen Partner.

EDA hält sich bedeckt

Recherchen von 20 Minuten bestätigen: Ein Mann namens Carlos ist schon seit Jahren an der Seite von Mayoraz – auch während dessen vorherigen Stationen auf den Schweizer Vertretungen in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo sowie in Buenos Aires begleitete er den Diplomaten.

Mayoraz teilt 20 Minuten mit, er wolle diese «lamentable Sache» nicht kommentieren – und verweist ans EDA. Dessen Sprecher Pierre-Alain Eltschinger hält sich bedeckt: «Das EDA erteilt keine Auskünfte zu den privaten Verhältnissen seiner Mitarbeitenden.»

Schwulen droht lange Haft oder gar Steinigung

Der Sprecher des nigerianischen Aussenministeriums, Akinremi Bolaji, sagt zu «Daily Trust», man habe wegen der Hinweise auf die Partnerschaft von Mayoraz mit einem Mann eine Untersuchung eröffnet. «Wir müssen getäuscht worden sein, denn wir hätten einer solchen Person die Einreise nie erlaubt, wenn wir davon gewusst hätten. Wir haben ein Gesetz, dem alle gehorchen müssen.»

Im christlichen Süden Nigerias wird Homosexualität mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft, im muslimischen Norden, in dem nach der Scharia Recht gesprochen wird, droht Schwulen gar der Tod durch Steinigung. Auch das EDA macht in seinem Reisehinweisen zu Nigeria darauf aufmerksam, dass gleichgeschlechtliche Handlungen geahndet würden. Gefängnis drohe auch allen, die sich für Organisationen zur Unterstützung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft einsetzen oder Gay-Klubs besuchen. Gegen Personen, die sich in der Öffentlichkeit als homosexuell zu erkennen geben, kämen Übergriffe vor.

«Mit der Schweizer Rechtsordnung nicht vereinbar»

Sprecher Eltschinger sagt, dem EDA liege keine offizielle Mitteilung der nigerianischen Behörden über eine Untersuchung gegen Mayoraz vor. Festzuhalten sei, dass die Strafbarkeit von Homosexualität mit der schweizerischen Rechtsordnung nicht vereinbar sei. Muss ein Schweizer Diplomat vor Ort sich also nicht an den entsprechenden Gesetzen Nigerias orientieren? Eltschinger teilt dazu mit: «Die Gesetze des Empfangsstaats sind einzuhalten.»

SP-Nationalrat Martin Naef sagt: «Wenn Nigeria tatsächlich gegen den Schweizer Botschafter vorgeht, weil er mit einem Mann zusammenlebt, ist dies inakzeptabel.» Und es sei allein Sache der Schweiz zu entscheiden, welche Personen sie als ihre diplomatischen Vertreter in ein Land entsende. «Die sexuelle Orientierung hat dabei keine Rolle zu spielen.»

Empörte Kommentare

Gerade im Dialog mit Nigeria seien die Menschenrechte ein wichtiges und drängendes Thema – und in diesem Zusammenhang auch der Kampf gegen die Diskriminierung und Verfolgung der Homosexuellen, so Naef. «Da könnte es durchaus sinnvoll sein, mit diesem Posten jemanden zu betrauen, der eine besondere Sensibilität gegenüber diesem Problem aufweist.»

Wie homophob die nigerianische Gesellschaft ist, zeigen die Reaktionen auf den Fall. Auf Twitter und auf der Facebook-Seite von «Daily Trust» gibt es empörte Kommentare: Homosexualität sei krank, schreibt ein nigerianischer User, und diese Sache dürfe nicht unter den Teppich gekehrt werden, nur weil es sich um einen Botschafter handle. Andere fordern die sofortige Ausweisung des Schweizer Diplomaten oder gar seine Inhaftierung.