Prävention

10. Mai 2017 15:26; Akt: 10.05.2017 17:19 Print

Scientology warnt Schüler vor Drogen

von Stefan Ehrbar - Eine Scientology-nahe Organisation führt an einer Luzerner Schule Drogenprävention durch. Ihre Methoden sind höchst umstritten.

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Als Schüler zweier Sekundarklassen in Eschenbach LU vor knapp drei Monaten über Drogen aufgeklärt wurden, standen keine Experten bekannter Organisationen im Schulzimmer. Vielmehr wurden die Schüler von Mitgliedern von Narconon instruiert, einer Organisation aus dem Umkreis der in der Schweiz kontrovers diskutierten Bewegung Scientology.

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Stört es Sie, dass Narconon in Schulen Drogenprävention macht?
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Die Methoden von Narconon sind wissenschaftlich umstritten. Zum Drogen-Entzug empfiehlt die Organisation unter anderem Kommunikationsübungen oder Saunagänge. Sie richtet sich nach den Lehren des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard und behauptet von sich, eine Erfolgsquote von 70 Prozent zu haben.

In Eschenbach wusste man nichts von der Zugehörigkeit der Organisation zur Bewegung. Die Schule führe auf jeder Stufe systematisch Drogenprävention durch, sagt Schulleiter Thomas Meyer. Man erhalte viele Präventionsangebote per Post.

St. Gallen warnt vor Narconon

«Die Verbindung zu Scientology war nirgends deklariert und beim Anlass kein Thema. Sonst hätten wir die Gruppe nicht eingeladen und werden dies auch in Zukunft nicht mehr tun.» Auch der Kanton habe nicht vor der Organisation gewarnt. Man werde den Vorfall mit den Lehrern thematisieren und dafür sorgen, dass Narconon nicht mehr eingeladen wird.

Anders als in Luzern hatte der Kanton St. Gallen seine Schulen vor drei Jahren vor der Organisation gewarnt. Im Luzernischen hingegen gelang Narconon ein Prestige-Erfolg. Auf ihrer Internetseite berichtet die Organisation über den «erfolgreichen Vortrag» und stellt mehrere Fotos online, auf denen die Schüler unverpixelt zu sehen sind.

«Die Schule trägt die Verantwortung»

«Diese Fotos sind ein Problem», sagt Schulleiter Meyer. «Wir verlangen, dass sie gelöscht werden.» Am Tag selbst seien zwei ehemalige Drogensüchtige in die Schule gekommen, deren Auftritt positiv wahrgenommen worden sei. «Reklamationen gab es keine.»

Scientology sei berüchtigt dafür, die eigene Identität zu verschleiern, sagt Jürg Brühlmann von der Geschäftsleitung des Schweizer Lehrerverbands. Die Schule trage die Verantwortung und müsse die Angebote im Voraus prüfen.

«Teils tödlicher Drogenentzug»

Das sei in Zeiten des Internets auch gut möglich. «Es versuchen immer wieder Organisationen verschiedenster Art, sich in Schulen zu präsentieren. Das ist bei der Suchtberatung nicht anders», sagt Brühlmann. Man empfehle den Schulen, sich nach den kantonalen Empfehlungen und Fachstellen zu richten.

Ähnlich sieht dies Manfred Harrer von der «gewaltfreien Aktion gegen Scientology». Bei den Programmen von Narconon handle es sich um einen höchst umstrittenen, teils tödlichen Drogenentzug. Die Rückfallquoten seien enorm hoch, sagt er. Kinder müssten davor geschützt werden.

Keine Nennung von Scientology

Narconon selber gibt an, das eigene Programm sei höchst wirksam. Narconon sei eine eigenständige Organisation, die sich lediglich bei den Lehren des Scientology-Gründers bediene, sagte der Deutschschweizer Vereinspräsident vor drei Jahren der «Ostschweiz am Sonntag».

In den Vorträgen käme Scientology nie zur Sprache. Es sei auch nicht klar, weshalb die Drogenrehabilitation und -prävention immer wieder nur wegen des religiösen Hintergrunds angegriffen werde. Auch der Vortrag in Eschenbach kam ohne Nennung von Scientology aus.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Die Scientologen sind bekanntlich bestrebt, omnipräsent zu sein, also an vielen Stellen zu wirken und zu weben. – Eckzahn

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PKS am 10.05.2017 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scientology ist keine Freikiche

    Weder Scientology noch Narconon sind Freikirchen! Scientology ist eine Psychosekte und hat mit Kirche und christlichem Glauben gerade gar nichts zu tun.

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  • simo am 10.05.2017 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    ist es wirklich schon so spät?

    Wir wissen doch alle was die damit bezwecken, mein Kind würde ich nicht in die Stunde schicken.

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  • Kiro am 10.05.2017 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparsinn

    solche Meldungen werden sich in der nächsten Zeig weit häufen. Da die Schulen/Lehrer überall sparen müssen werden halt umstrittene Orgsnisationen gewählt, die gratis vorbeikommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lydia am 11.05.2017 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Absolutes no go!

    Ist diese Schule von allen guten Geistern verlassen!! Scientology und Co. sind gefährlich!

  • Eckzahn am 10.05.2017 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Omnipräsent

    Die Scientologen sind bekanntlich bestrebt, omnipräsent zu sein, also an vielen Stellen zu wirken und zu weben.

  • M4rcel am 10.05.2017 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und

    wer warnt die Schüler vor den Scientologen?

  • Skeptisch am 10.05.2017 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skeptisch

    Wer weiss, ob nicht einige Lehrer unserer Kinder nicht auch Mitglieder von Scientology sind? Es sind mehr dabei als wir denken...

  • besser am 10.05.2017 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    googeln

    Ist Google in Eschenbach lu noch nicht angekommen? Dritter Treffer und die Verbindung ist klar...