Vorwurf von Experten

27. Mai 2014 10:37; Akt: 27.05.2014 13:44 Print

Seco unternimmt zu wenig gegen Telefonterror

Werbeanrufe von Krankenkassen nehmen deutlich zu. Trotz des gesetzlichen Verbots müssen die Auftraggeber aber kaum etwas befürchten.

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Werbeanrufe nehmen in der Schweiz zu. Das Seco unternimmt kaum etwas dagegen. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Wer im Telefonbuch bei seinem Namen einen Verweis eintragen lässt, darf nicht mit Werbeanrufen belästigt werden. Seit zwei Jahren ist das laut dem Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb strafbar. Trotzdem nimmt die Zahl der Telefonwerbung deutlich zu, schreibt die «Basler Zeitung». Beim Bündnis freiheitliches Gesundheitswesen, dem Apotheker, Spitäler, Ärzte, Generikahersteller und Versicherer angehören, liegt der Grund dafür beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Dieses gehe zu wenig gegen solche Telefonbelästigungen vor.

Im letzten Jahr wurden beim Seco insgesamt 4228 Beschwerden wegen solcher Telefonanrufe registriert. Wie viele davon von Krankenkassen stammen, ist jedoch nicht klar. Doch bis Mitte Mai 2014 wurden lediglich 24 Verfahren eingeleitet, erst bei 11 davon liegt ein Urteil oder ein Entscheid vor. Die Auftraggeber der Werbeanrufe haben also kaum Konsequenzen zu befürchten.

Gesetz muss konsequent angewendet werden

Das soll sich jetzt ändern. «Das Seco muss gegen die wilde Maklertätigkeit vorgehen und hat die gesetzliche Grundlage dazu», sagt Andreas Faller, Geschäftsführer des Bündnisses freiheitliches Gesundheitswesen. Im Hinblick auf die Abstimmung zur Einheitskasse im September betonte man an der Informationsveranstaltung vom Montag, dass das bestehende Gesundheitssystem verbessert werden müsse.

Auch die Stiftung für Konsumentenschutz stellt sich hinter die Forderung, härter gegen Telefonterror vorzugehen. Bis September 2013 sind rund 3000 Beschwerden wegen Missachtung des Verweises im Telefonbuch eingegangen und über 50 Anzeigen gemacht worden. Über die Fälle sei das Seco von der SKS informiert worden. «Es geht nicht so schnell vorwärts, wie wir gehofft haben», bedauert SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder. Ein weiteres Problem: Die Firmen versuchen mit Tricks das Gesetz zu umgehen. Einigen von ihnen scheinen die Strafen aber auch schlicht egal zu sein. Stattdessen nehmen sie mehrere Anzeigen in Kauf.

Der Flut von Werbeanrufen könne man mit der konsequenten Anwendung des Gesetzes entgegenwirken. Eine Einheitskasse hätte hingegen keinen Einfluss auf den Telefonterror, erklärt Stalder gegenüber der «Basler Zeitung». Bei den Anrufen gehe es darum, Zusatzversicherungen abzuschliessen, bei der Grundversicherung dürfe ohnehin kein Gewinn gemacht werden.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike Müller am 27.05.2014 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Normal in der Schweiz

    In der Schweiz muss, ausser der Autofahrer, niemand etwas Befürchten

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  • Marc am 27.05.2014 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gegenterror

    Ich drehe den Spiess um und terrorisiere die Anrufer. Eine meiner Methoden: Ich höre eine Minute lang zu und sage: "Sorry, da ist grad jemand an der Türe, bleiben Sie dran". Und dann lass ich sie schmoren. Nach 5 Minuten: "So, jetzt bin ich wieder da - worum ging's genau?" Nach einer weiteren Minute: "Sorry, muss grad schnell den Kuchen aus dem Ofen nehmen, bleiben Sie dran." Und so weiter.... Die Werbeanrufe haben seither rapide abgenommen. Wahrscheinlich bin ich auf einer Liste mit den hoffnungsvollen Fällen...

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  • Marianne Ryffel am 27.05.2014 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetze ohne Konsequenz

    Es ist wie mit allem: es werden haufenweise Gesetze gemacht und keiner will sich daran die Finger verbrennen und zudem ist das konsequente Vorgehen sehr mühsam und mit Arbeit verbunden!!!! Was macht das SECO den ganzen Tag??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nandol am 27.05.2014 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Extrem nervende hochdeutsch sprechende

    Bei mir riefen immer wieder hochdeutsch sprechende Leute an und fragten mich bzgl. Krankenkasse aus. Mir wollte gar eine Frau weismachen, dass sie für ihre Krankenkasse nur 120.- pro Monat bezahlt. Ja genau, eine Frau mit 120.- pro Monat... Ich habe eine nach der anderen Nummer so blockiert auf meinem iPhone. Mit der Zeit gehen denen dann die Nummern aus und ich krieg immer seltener Anrufe...

  • Büezer am 27.05.2014 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Festnetz Nummer künden

    Hab der Swisscom angeboten die lästigen Nummern zu sperren, da sie sich weigerten (Nummersperre in der Schweiz verboten) kündigte ich einfach den Festnetzanschluss und jetzt habe ich Ruhe. Tel. Buch Eintrag auch löschen.

  • Oliver am 27.05.2014 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach

    Ich leg bei solchen Anrufen einfach den Hörer auf die Seite, die brauchen eine Weile bis sie merken das niemand zuhört. Seit daher nehmen die Anrufe immer mehr ab. Und Nummern mit der Vorwahl 043, 044, 031 sind meisstens CallCenter, auf die reagiere ich schon gar nicht mehr.

  • Asmodeus am 27.05.2014 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Rufnummernanbieter in die Pflicht nehmen

    Die Telefonanbieter (gibt ja nicht viele) sollten auf ihrer Homepage direkt zugänglich eine Möglichkeit bieten Werbeanrufer zu melden. Bei genug Beschwerden müssten diese ermahnt/gesperrt werden. Aber dann könnte man ja nichts mehr an diesen nervenden Abzockern verdienen.

  • Bina am 27.05.2014 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Antwort einfach auflegen

    hab schon paar anrufer einfach nur hörer abgehoben und gleich wieder aufgelegt..funktioniert super und rufen auch nicht wieder an :)