Nur wenige Unterschriften

22. November 2012 09:21; Akt: 22.11.2012 10:49 Print

Sexualkunde-Gegner kommen nicht in Fahrt

von J. Pfister - Seit rund einem halben Jahr sammeln konservative Kreise aus SVP, CVP, FDP und EVP Unterschriften für ein Verbot der Sexualkunde in Schulen. Doch das Anliegen stösst bisher kaum auf Zuspruch.

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«Resonanz liegt unter den Erwartungen». Sebastian Frehner, SVP-Nationalrat und Co-Präsident der Initiative «Schutz der Sexualisierung in Kindergarten und Volksschule.»

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Keine Sexualkunde für unter 9-Jährige: Das ist die zentrale Forderung der Volksinitiative «Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule». Stein des Anstosses für das Komitee aus Elternvereinigungen und rechts-konservativen Politikern waren die sogenannten Sex-Koffer für Kindergärtler und Primarschüler. Obwohl die Behörden daraufhin klarstellten, dass Materialien wie das Plüschglied erst in der Oberstufe zum Einsatz kommen, kritisierten die Initianten einen solchen Unterricht als Belästigung und unnötige Früh-Sexualisierung.

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Soll die Sexualkunde gesetzlich verboten werden?
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Rund sechs Monate nach Beginn der Unterschriftensammlung zeigt sich: Das Schweizer Volk sieht die Sache offenbar nicht so dramatisch. «Die Resonanz liegt bisher etwas unter unseren Erwartungen», sagt Co-Präsident und Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner auf Anfrage. Konkret wurden bisher knapp 20'000 Unterschriften für das Anliegen gesammelt.

Verurteilter Sexualstraftäter im Komitee

Co-Präsidentin und Mutter Ulrike Walker erklärt sich die harzige Unterschriftensammlung mit den Negativschlagzeilen im Vorfeld. So mussten die Initianten ihr Begehren nochmals neu lancieren, nachdem einer von drei Co-Präsidenten als verurteilter Sexualstraftäter entlarvt worden war. «Das hat uns sicher einen Dämpfer gegeben», so Walker.

Dass das Interesse an einem Sexualkunde-Verbot auch eher klein sein könnte, weil im neuen Lehrplan 21 gar kein solches Fach vorgesehen ist, glaubt Frehner nicht. «Es sollte allen klar sein, dass wir nur mit einer Festschreibung in der Bundesverfassung verhindern können, dass ein Fach Sexualkunde nicht zehn Jahre später doch eingeführt wird.»

«Fragen sollen beantwortet werden»

Für Christoph Mylaeus, Geschäftsleiter der Erziehungsdirektorenkonferenz der deutschen Schweiz, sind diese Befürchtungen nicht gerechtfertigt. «Die kantonalen Erziehungsdirektoren haben sich klar dazu entschieden, dass das Thema Sexualität fächerübergreifend behandelt wird.» Ausserdem würden die sexualkundlichen Aspekte erst gegen Ende der Primarstufe behandelt - also nicht schon bei unter 9-Jährigen. «Natürlich soll es aber den Lehrern erlaubt sein, auch bei jüngeren Kindern Fragen zur Sexualität offen und altersgerecht zu beantworten.»

Die Initianten wollen diesen Beteuerungen keinen Glauben schenken und halten an der Initiative fest. Frehner und Walker sind optimistisch, dass bald Schwung in die Unterschriftensammlung kommt. Entsprechende Aktionen seien geplant.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 22.11.2012 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Mike

    Sexualkunde ist Lebensschule. Wir werden während unserer Ausbildung auf alles vorbereitet, nur nicht aufs "Beziehung führen" und "Sex in der Partnerschaft". Mitunter ein Grund für die hohen Scheidungsraten.

  • Frank Furt am 22.11.2012 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Amerikanische Verhältnisse

    Wollen wir eigentlich, dass durch Frühschwangerschaft junge Familien ohne Einkommen am Sozialtopf hängen und wir Zustände bekommen,wie in der USA, wie sie Mitt Romney als die «47% der Menschen» beklagte? «Aufklährung» ist den Kindern die Wahrheit - und nichts als die Wahrheit - beizubringen!

  • Markus Probst am 22.11.2012 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moralapostel

    Diese sogenannten "Hüter der Moral" glauben wahrscheinlich immer noch "der Storch bringt die Kinder". Diese Verhinderer haben wahrscheinlich auch lieber viele minderjährige Mütter, die Kinder bekommen weil Sie nicht rechtzeitig aufgeklärt worden sind. Ich glaube auch nicht, dass solche Eltern fähig sind dies selber zu tun.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Antonio am 22.11.2012 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Indoktrination von Sexual-Ideologien

    Sexualität ausserhalb der Fortpflanzung hat immer mit Ideologie zu tun. Dass unsere Gesetze, welche dem Schutz der Kinder dienen, hier massiv beschnitten/umgangen werden, finde ich gefährlich. Wer sagt, dass es nicht gerade durch diesen Unterricht zu mehr sexuellen Übergriffen oder Schwangerschaften kommt? Steigern wir nicht den Druck auf Jugendliche, es auch endlich zu tun, wenn der Lehrer den 11-jährigen die verschiedenen Praktiken vor Augen führt? Ich möchte wissen, wer was wann meiner Tochter über Sex erzählt, schliesslich hafte ich, falls sie das Gelernte umsetzt und dabei schwanger wird!

  • P.M.B am 22.11.2012 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    HAHA!

    ich find es extrem lustig, die artikel über dieses thema zu lesen. auch die kommentare sind genial. aber leute, bevor ihr solche kommentare ins internet stellt, bitte informiert euch mal gründlich über die hintergründe dieser initiative. sonst lest doch zum beispiel mal das grundlagenpapier sexualpädagogik und schule durch. da werdet ihr grosse augen machen, was mit bereits kleinen kindern durchgenommen werden soll. ich finde es lächerlich, dass solche beiträge überhaupt toleriert werden, wenn der verfasser keine ahnung vom thema hat.

  • Stefan Th. am 22.11.2012 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Banalitäten

    gehören nicht in die Verfassung, davon gibts bereits genug.

  • Frank Furt am 22.11.2012 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Amerikanische Verhältnisse

    Wollen wir eigentlich, dass durch Frühschwangerschaft junge Familien ohne Einkommen am Sozialtopf hängen und wir Zustände bekommen,wie in der USA, wie sie Mitt Romney als die «47% der Menschen» beklagte? «Aufklährung» ist den Kindern die Wahrheit - und nichts als die Wahrheit - beizubringen!

  • Gaby E. am 22.11.2012 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu Spät

    Ich hatte mit 9 meine erste Periode, und mir wurde von meinen Eltern ein Buch zur Aufklärung geschenkt. Der Schulunterricht kam dann 7 Jahre später (für die meisten zu spät und nachdem eine Klassenkameradin schon ein Baby hatte)