Schlecht für die Umwelt

08. Dezember 2012 08:34; Akt: 08.12.2012 10:49 Print

Sind Plastiksäckli bald verboten?

von Simon Hehli - Für Umweltschützer sind sie ein Symbol der Verschwendung: Gratis-Plastiktüten im Supermarkt. Vielleicht müssen wir schon bald Stoffsäcke zum Einkaufen mitbringen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Einkaufskorb ist halb leer: ein paar Äpfel, Müesli und ein halber Liter Milch. Wieso 30 Rappen für eine eh zu grosse Papiertasche zahlen? Es gibt ja gratis die kleinen milchigen Säcke hinter der Kasse. Doch was für Supermarkt-Kunden praktisch ist, kann für die Umwelt negative Folgen haben. Im Gegensatz zu den grossen Plastiksäcken, die man beim Shoppen erhält, landen die kleinen Tüten zu Hause meistens direkt im Müll. Länger als eine halbe Stunde sind sie selten im Einsatz.

Umfrage
Sollen die Plastiktüten verboten werden?
49 %
39 %
12 %
Insgesamt 6949 Teilnehmer

«Das ist eine enorme Verschwendung von Erdöl und Energie, die bei der Herstellung verbraucht werden», sagt Mirjam Kopp, bei Greenpeace Schweiz für Chemie-Kampagnen zuständig. Dazu komme, dass Plastik enorm schwer abbaubar ist: Erst nach einem halben Jahrtausend sind Partikel, die in die Natur gelangen, vollständig zersetzt.

Das Meer ist voller Plastikteilchen

Das ist auch der Hauptgrund, wieso zahlreiche Länder – von Frankreich über China bis Australien – die Wegwerftüten verboten haben. Im Meer treiben riesige Mengen kleinster Plastikteilchen. «Diese saugen sich wie Schwämme mit Schadstoffen voll», erklärt Kopp. Meeresorganismen nähmen die Partikel auf, so gelangten die Schadstoffe in die Nahrungskette.

Anders als in vielen Entwicklungsländern landen in der Schweiz zwar die meisten Säcklein in Kehrrichtverbrennungsanlagen und nicht in der Natur. «Aber auch hier gibt es Leute, die ihre Tüten einfach in der Natur liegen lassen, wenn sie ein Picknick machen», kritisiert Kopp.

Säckli schützen vor Flecken

Die Migros Genf verzichtet bereits freiwillig auf die Tüten bei der Kasse und setzt darauf, dass die Kunden wiederverwertbare Taschen benutzen. Doch andere Supermarktketten mögen dem Beispiel nicht folgen.

Wie Coop-Sprecherin Sabine Vulic gegenüber 20 Minuten Online erklärt, habe das Unternehmen das Verpackungsmaterial in den letzten Jahren stark reduziert oder ganz abgeschafft – gerade im Früchte- und Gemüsesortiment. Viele Kunden seien deshalb froh über die Plastiktüten an der Kasse: «Sie schätzen es nicht, wenn der Bund Radiesli oder die Erdbeeren im offenen Schäleli die anderen Einkäufe verschmutzen.»

Stützt der Ständerat das Verbot?

Die Interessensgemeinschaft Detailhandel Schweiz, der neben Coop auch Migros und Manor angehören, führt gar ökologische Argumente pro Plastiksack ins Feld: Dank diesen könnten die Kunden gerade so viel Gemüse oder Früchte einkaufen, wie sie bräuchten. Das reduziere den Verpackungs- und Nahrungsmittelverschleiss. Und dank den Plastiksäcken an der Kasse sei die Nachfrage nach grösseren, materialintensiven Papiersäcken deutlich gesunken.

Bald könnten die Supermarktketten aber zum Verzicht auf die Säcklein gezwungen werden. Der Ständerat entscheidet am nächsten Donnerstag über einen entsprechenden Vorstoss von CVP-Nationalrat Dominique de Buman, den die grosse Kammer im Sommer bereits gutgeheissen hat. Der Freiburger möchte erreichen, dass die Kunden künftig mit wieder verwendbaren Säcken, etwa aus rezykliertem PET, einkaufen gehen.

Die CVP hat es in der Hand

Die Umweltkommission des Ständerats spricht sich gegen das Verbot aus, ebenso der Bundesrat. Durch den Einsatz von langlebigen Tragtaschen liessen sich jährlich lediglich einige Hundert Tonnen an Kunststoff einsparen – nichts im Vergleich zu den 850'000 insgesamt verbrauchten Tonnen, argumentiert das Departement Leuthard: «Die Umweltbelastung durch Wegwerfplastiksäcke ist in der Schweiz nicht erheblich.»

Der grüne Ständerat Robert Cramer widerspricht: «Gerade bei niedrigem Wasserstand kann man auch in Schweizer Flüssen viele Plastiksäcke sehen, die eine grosse Gefahr für die Tiere sind.» Der Genfer glaubt, der Vorstoss von de Buman habe eine realistische Chance, falls dieser nur genug bei seinen Parteikollegen im Stöckli lobbyiere: Zusammen mit SP, Grünen und GLP hätte die CVP eine satte Mehrheit. «Ich werde alles versuchen», verspricht de Buman.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Ausgewählte Leser-Kommentare

In Italien gibt es dieses Problem nicht !! Diese kleine gratis "Seckli" sehen gleich aus und sind kompostierbar !!! Bitte Probleme lösen statt Verbote !!! – Martino Caramia, Nürensdorf

Solange wir offenbar genug Erdöl haben um es Tag für Tag zu verbrennen scheint mit das Argument mit der Ressourcen Verschwendung blanker Hohn zu sein... Das Problem mit den gratis Plastiksäcken (und viele andere) regelt sich von alleine wenn diese durch mangelndes Erdöl nicht mehr billig hergestellt werden können. – G.

In Italien haben sie schon lange biologisch abbaubare Plastiksäcke, wie wir sie im Migros für den Grünkompost kaufen können. Sehr gut wiederverwertbar, am Schluss z.B.eben für den Kompost. Nie wieder dreckige Hände und stinkende Eimer! Die sonst umweltfreundlicheren Schweizer sind da im wahrsten Sinne des Wortes total 'hinter dem Berg':))) – Luzia M.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf Wittwer am 09.12.2012 02:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bleib bei "Plastig-Guggen", denn

    ...das gewöhnliche Fussvolk wird langsam allergisch gegen diese und praktisch täglich präsentierte neue Verhaltensregeln, und -forderungen, die man einhalten sollte/muss. Diktatur bis zum Katzenklo. Die Medien machen's möglich.

  • H. Erner am 08.12.2012 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts wert

    Solange man für diese Tüten nichts zahlen muss, haben Sie für den Konsumenten keinen Wert und werden zu Hause direkt entsorgt. Hinzu kommt, das sie schon auf dem Heimweg kaputt gehen und daher sowieso nicht mehr wieder verwendet werden können. Darum greife ich schon lange ausschliesslich zu Papiertragtaschen, wobei ich immer eine in der Tasche habe, um nicht jedes Mal eine kaufen zu müssen. Trägt man diesen sorge, halten sie mehrere Monate.

  • Antonio 71 am 08.12.2012 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    In Italien seit 2 Jahren so

    In Italien sind seit 2 Jahren verboten und alle - von den Konsumenten bis zu den Verkäufern - sind sehr zufrieden. Hopp Schwiiz!

Die neusten Leser-Kommentare

  • dz AUS u am 10.12.2012 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Mitdenken

    Dies ist ein Beitrag zum Umweltschutz! Wegwerfprodukte sind böse!

  • Loosli am 09.12.2012 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut und gratis

    Häaaaaaaaaa? Plastiktüten? Nehmt doch Robydogsäckli. Die sind gratis!

    • Harry Frey am 10.12.2012 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      Gute Idee

      Guter Tipp den du den Leuten gibst. Wenn man die Säckli dann zur offentlichen Müllentsorgung verwendet, werden diese nicht mal kontrolliert weil der Güselpolizist glaubt es sei was vom Hund drin.

    einklappen einklappen
  • Säckli Liebhaber am 09.12.2012 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    bald verboten

    Genau das selbe habe ich schon vor 3 bis 4 Jahren gelesen - bald verboten.

  • eigene tasche am 09.12.2012 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    stehts mit der eigenen tasche einkaufen

    es ist gar noch nicht so lange her da nahm man selbstverständlich die eigene "poschti-täsche" mit von zuhause. diese unsitte mit den plastikatschen hat sich leider gottes aus bequemlichkeit eingebürgert

    • Marc-André am 10.12.2012 07:03 Report Diesen Beitrag melden

      Zeiten ändern sich

      Das war zu Zeiten als der Mann arbeitete und die Frau sich zuhause um den Haushalt kümmerte. Da war es auch kein Problem, die Poschtitasche mitzunehmen. Aber wenn frau auch arbeitet und abends auf dem Nachhauseweg einkauft, mag sie verständlicherweise nicht den ganzen Tag die Poschtitasche rumtragen. (Gilt analog auch für einkaufende Männer...)

    • Hans Wurst am 10.12.2012 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schwere Tasche

      So eine kleine Stofftasche kann man ohne Problem in der Jackentasche bzw. in der Handtasche transportieren. Ach wie umständlich so eine Tasche, man geht auch selbstverständlich täglich einkaufen.

    einklappen einklappen
  • M.J. am 09.12.2012 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht

    Also mir wäre es eigendlich recht wenn es die nicht mehr gibt. Da ist der Mensch einfach nur zu faul für die Umwelt umzudenken. Habt ihr schon mal die Flüsse gesehen wo die Slums wohnen???? Voll verstopft nur mit Plastikmüll!!!!! Es gibt NUR EINE Muttererde und zur ihr müssen wir Sorge tragen.

    • Autsch autsch am 09.12.2012 19:20 Report Diesen Beitrag melden

      Ich sehe

      in der Schweiz kein Slum das hier wohnt monn.

    • Slumdog am 09.12.2012 20:39 Report Diesen Beitrag melden

      Slums

      Die Migros-Säckli schwimmen 100 von Km in die Slums... So wie eine Flaschenpost.

    • Bruno am 09.12.2012 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Verständlich

      Leider schwimmen die kleinen Plastikteilen so ins Meer. Ihr dürft nicht nur für unser Land denken sondern weltweit. Ich weiss was M.J. meint und unterstütze sie mit dieser Meinung. Ihr geht ja auch gerne in die Natur oder ins Meer schwimmen. Obs jetzt wohl in der Schweiz oder im Ausland ist.

    • Marc-André am 10.12.2012 07:05 Report Diesen Beitrag melden

      Logik?

      @Bruno: Es geht hier um ein Verbot in der Schweiz. Und solange die Säcke hier anständig entsorgt werden, gibt es auch keinen Grund für ein Verbot. Wenn wir die Säcke in der Schweiz verbieten hat es deswegen nicht weniger solche im Meer...

    • Harry Frey am 10.12.2012 16:47 Report Diesen Beitrag melden

      Anders entsorgen

      Ich entsorge die Säckli voll mit Müll in einer beliebigen Mülltonne die am nächsten Tag geleert wird. In den Fluss werfen wäre dann schon etwas daneben.

    einklappen einklappen
Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren