Karriere-Boost und Anerkennung

08. Februar 2018 05:45; Akt: 08.02.2018 10:16 Print

Secondos haben mehr Bock auf Militärdienst

von P. Michel - Rekruten mit Migrationshintergrund sehen die Armee als Karriere-Beschleuniger. Auch das Prestige sorgt dafür, dass sie häufiger eine Führungsposition anstreben.

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Immer weniger junge Erwachsene entscheiden sich für die Rekrutenschule. Die Zulassungen für den Zivildienst erreichten denn auch 2017 ein Rekordhoch. An den Secondos kann dies kaum liegen: Eine bisher unveröffentlichte detaillierte Auswertung einer ETH-Umfrage bei 1291 Rekruten aus dem Jahr 2014 zeigt, dass sie der Armee deutlich positiver gegenüberstehen als ihre Kollegen ohne Migrationshintergrund. Die Erkenntnisse: Am Ende ihrer Zeit in der RS dachten 37 Prozent der Secondo-Rekruten, dass sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch ihren Dienst steigern werden. Bei den «Schweizer» Rekruten waren es nur 28 Prozent. Soziologe Tibor Szvircsev Tresch von der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich sagt: «Gerade junge Männer aus den südlicheren Ländern mit tiefem Bildungsniveau erhofften sich vom Militär eine Zusatzqualifikation.» 35 Prozent der Secondo-Rekruten gaben zu Ende ihres Dienstes an, andere sähen sie nun eher als «Schweizer». Bei jenen ohne Migrationshintergrund waren es nur 28 Prozent. Szvircsev Tresch: «Mit ihrem Dienst wollen viele Secondos zeigen, dass sie sich integrieren und bereit sind, dafür etwas zu leisten.» Laut Umfrage wollen Secondos deutlich öfter als Schweizer eine Militärkarriere anstreben. 17 Prozent der Secondos können sich vorstellen weiterzumachen, während es bei den ursprünglichen Schweizern 13 Prozent sind. Szvircsev Tresch stellt fest, dass sich beispielsweise Secondos aus dem Balkan öfters für anspruchsvolle Truppengattungen wie zum Beispiel Grenadier interessieren. «Teilweise haben sie eine grössere Affinität zu Waffen.» Die Secondos sind im Vergleich zu ihren Kollegen ohne Migrationshintergrund leicht motivierter. Dies liegt laut Szvircsev Tresch auch daran, dass einige von ihnen aus Konfliktländern stammen und ihre Familie schon Krieg erlebt hat. Zudem erfahren sie durch ihre Leistung etwa von der Familie viel Stolz und Anerkennung.»

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Die Schweizer Armee hat ein Imageproblem: Letztes Jahr erreichten die Zulassungen für den Zivildienst mit 6785 einen neuen Höchststand seit 2011. An den Secondos kann dies kaum liegen: Eine bisher unveröffentlichte detaillierte Auswertung einer ETH-Umfrage bei 1291 Rekruten aus dem Jahr 2013 zeigt, dass sie der Armee deutlich positiver gegenüberstehen als ihre Kollegen ohne Migrationshintergrund.

So glaubten am Ende ihrer Zeit in der RS 37 Prozent der Secondo-Rekruten, dass sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch ihren Dienst steigern werden. Bei den «Schweizer» Rekruten waren es nur 28 Prozent. Zu Beginn der RS sahen gar 44 Prozent der Secondos ihre Job-Chancen durch die Armee verbessert.

Secondos beeindruckt das Prestige des Militärs

Dass sich Secondos durch das Militär bessere Jobchancen erhoffen, begründet der Militärsoziologe Tibor Szvircsev Tresch von der Militärakademie (MILAK) an der ETH Zürich mit dem Prestige des Militärdienstes. «Mit ihrem Dienst wollen viele Secondos zeigen, dass sie sich integrieren und auch bereit sind, dafür etwas zu leisten.»

Dass sie sich durch den Dienst integrierter fühlen, zeigt sich auch in den Zahlen: 35 Prozent der Secondo-Rekruten gaben zu Ende ihres Dienstes an, andere sähen sie nun eher als «Schweizer». Bei jenen ohne Migrationshintergrund waren es nur 28 Prozent.

Bessere Chancen auf dem Jobmarkt durchs Militär

Gerade junge Männer aus den südlicheren Ländern mit tiefem Bildungsniveau, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer hätten, erhofften sich vom Militär eine Zusatzqualifikation, sagt Szvircsev Tresch. Laut Umfrage wollen deshalb auch Secondos deutlich öfter als Schweizer eine Militärkarriere anstreben. 17 Prozent der Secondos können sich vorstellen weiterzumachen, während es bei den ursprünglichen Schweizern 13 Prozent sind. «Wer mit seiner Bewerbung aufgrund seines ausländisch klingenden Namens Schwierigkeiten erhält, möchte mit seinem Offiziersrang punkten.»

Secondos wollen oft Grenadier werden

Szvircsev Tresch stellt zudem fest, dass sich etwa Secondos aus dem Balkan öfters für anspruchsvolle Truppengattungen wie zum Beispiel Grenadier interessieren. «Teilweise haben sie eine grössere Affinität zu Waffen wie die ursprünglichen Schweizer und wollen auch mit der Wahl der Truppe Leistungsbereitschaft demonstrieren.» Die höhere Motivation für die Armee liege auch daran, dass einige von ihnen aus Konfliktländern stammten und ihre Familien schon einmal Krieg erlebt hatten. «Da einige Secondos oft aus patriarchalen Gesellschaften stammen, können sie sich auch in Hierarchien gut einordnen und erfahren durch ihre Leistung etwa von ihrer Familie viel Stolz und Anerkennung.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schwert am 08.02.2018 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht vergessen

    Leider vergisst ein Grossteil der heutigen Generationen dass die Freiheit welche sie heute geniessen können nicht umsonst war. Leute sind dafür gestorben damit wir heute so leben können.

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  • Nick am 08.02.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stelle keine Egoisten ein

    Schweizer glauben Sicherheit sei selbstverständlich, kostenlos und ein anstrengungslos erreichbares Menschenrecht. Sie täuschen sich. Wenn ich die Wahl zwischen Verweigerer und Militärdienstleister habe, hat der Verweigerer Pech. Einstehen für andere - notfalls mit dem Leben. Das ist eine Eigenschaft, die Teams stärkt, nicht Egoismus.

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  • Sportler am 08.02.2018 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    Positiv

    Habe mit einigen Secondos zusammen gedient und nur gute Erfahrungen gemacht. War bei uns ein sehr motivierter Haufen, war mir eine Ehre mit euch. Semper Fi

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Arben Kelmendi am 09.02.2018 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Frage mich warum Schweizer als "Secondoes" bezeichnet werden. Es sind vollwertige Schweizer, weswegen sie auch den schweizer Militärdienst leisten. Ich wünschte mir dass die Jungen mehr darauf pochen.

  • Arnold am 08.02.2018 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheitskämpfer...

    Also, Fakt ist: in den letzten 200 Jahren ist bei uns kaum einer für das Vaterland gestorben. Sieht man mal von den unzähligen Unfällen im Militär ab...

    • Prisma am 08.02.2018 19:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Arnold

      Stimmt nicht, aber die letzten 100 Jahre nicht.

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  • Mark Neuhusser am 08.02.2018 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde mich freuen dürfte ich im Militär

    Ich würde sehr gerne bin aber auf gründ Gesundheitlichen problem doppelt untauglich.

  • xxlbmw am 08.02.2018 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gugus

    Ohne secondos kein militär oder wie soll ich das verstehen?

  • Beni Benito am 08.02.2018 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder!

    Klar, wenn die Schweizer kein Interesse an Kindern, Militär, "schlechten" Berufen, Politik und ihrem eigenen Land haben, dann kommen halt andere!

    • Brausefritz am 08.02.2018 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beni Benito

      Was wollen Sie erwarten, wenn die Eltern der Wehrpflichtigen bereits extremistische Veganer oder sandalentragende Vollbartlehrer sind, soll man Leuten mit diesem Erziehungshintergrund die Landesverteidigung anvertrauen? In Einwandererfamilien finden solch abgedrehte Wohlstands- Ideologien weniger Nährboden und Jungs werden richtige Männer und keine Sitzpinkler.

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