Aktion gegen Homöopathie

24. Oktober 2013 13:43; Akt: 24.10.2013 17:12 Print

Skeptiker-Verein «vergiftet» sich mit Kügeli

von Hannes von Wyl - Wissenschaftsverfechter halten Homöopathie für Humbug und schlucken zum Beweis gleich fläschchenweise Globuli. Eine Homöopathin widerspricht.

Was passiert, wenn man homöopathische Globuli gleich fläschchenweise schluckt? Eine Homöopathin erklärt es. (Video: Ruben Assenberg)
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Eisenhut, Tollkirsche, Arsen, Quecksilber. Mit diesen Stoffen wollten sich Mitglieder des Vereins Skeptiker Schweiz am Mittwochmorgen in Zürich vergiften. Eine Versammlung von Lebensmüden?

Mitnichten. Die leidenschaftlichen Wissenschaftsverfechter schluckten nicht etwa die giftigen Substanzen selber, sondern homöopathische Arzneimittel, die darauf beruhen – und das fläschchenweise. Die Pointe: In den eingenommenen Kügelchen findet sich kein einziges Molekül der Ausgangssubstanzen mehr. Die «Massenvergiftung» ist also gar keine.

Süsse Kügeli ohne Wirkung

«Mit dieser Aktion wollen wir die Menschen dazu bringen, sich kritisch mit Homöopathie auseinanderzusetzen», erklärt Vereinspräsident Marko Kovic. Grundlage dafür soll eine rationale Betrachtung wissenschaftlicher Fakten sein. «Die homöopathischen Globuli enthalten nach wissenschaftlicher Erkenntnis keine Wirkstoffe», sagt Kovic. Darüber müssten die Leute aufgeklärt werden.

«Homöopathie – nichts dran, nichts drin!», riefen die rund 15 versammelten Skeptiker, als sie sich um genau 10.23 Uhr ein ganzes Döschen voller Kügelchen in den Mund schütteten. «Schmeckt sehr süss», sagte einer der Anwesenden. «Die müsste man in einer Tasse Tee auflösen», meinte ein anderer. Eine wahrnehmbare Wirkung ausser einer gewissen Heiterkeit angesichts der «Selbstvergiftung» zeigte sich nicht. Auch vier Stunden später wies Vereinspräsident Kovic keine Symptome auf.

Homöopathie als Heilmethode beliebt

«Es gibt Studien, die der Homöopathie eine Wirksamkeit zuzuschreiben scheinen», sagt er. Diese beruhten aber nicht auf der Standardmethode zur Wirksamkeitsprüfung von Heilmitteln, sondern seien schlichte Befragungen nach der Zufriedenheit der behandelten Patienten. Dass diese hoch sei, wolle er gar nicht in Abrede stellen, sagt Kovic. Das kann Bettina Ariza-Hügin bestätigen: Sie ist Homöopathin und Apothekerin und berät jeden Tag Kunden im Umgang mit homöopathischen Arzneimitteln. «Es gibt sehr viele Menschen, die äusserst positive Erfahrungen damit gemacht haben.» Ein Beispiel sei ihr 99-jähriger Vater, der schon seit Jahren mit homöopathischen Mitteln behandelt werde.

Dass die einmalige Einnahme auch grosser Mengen an Globuli keine Vergiftungserscheinungen hervorrufe, sei klar, sagt Ariza. Das sei in der Homöopathie gar nicht möglich. «Zudem zeigt sich erst bei täglicher Einnahme über einen längeren Zeitraum eine Wirkung.» Dabei würden die Symptome bei einem Kranken erst leicht verstärkt. Damit werde der Körper zu einer Gegenreaktion angeregt und leite den Heilprozess ein, erklärt die Homöopathin. «Der Körper heilt sich also selber, nicht das Arzneimittel.»

«Nicht alles, was wirkt, ist wissenschaftlich erklärbar»

Die Aktion des Skeptiker-Vereins verurteilt Ariza nicht. «Wenn damit Diskussionen angeregt werden, bringt uns das alle weiter.» Nur aufgrund der nicht vorhandenen Wirkstoffe in den Globuli aber die Wirksamkeit der Homöopathie als Ganzes abzulehnen, sei ein Fehlschluss. «Wir können noch nicht alles wissenschaftlich nachweisen», so Ariza. Die Geschichte der wissenschaftlichen Erkenntnis zeige, dass die genaue Erklärung gewisser Phänomene erst viel später erfolge.

«Skeptisch zu sein, ist einfach», sagt die gelernte Apothekerin. Sie könne aber Skepsis nur annehmen, wenn sie aus einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik hervorgehe. Zumindest dahingehend, so scheint es, sind sich die Homöopathin und der Wissenschaftsverfechter einig.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dominik Mathis am 24.10.2013 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ach diese Probleme

    Ob Homöopathie wirkt oder nicht, ist mir eigentlich egal. Der Placebo-Effekt wirkt auf jedenfall und dieser wird auch durch Homöopathie hervorgerufen.

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  • Papstine am 24.10.2013 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Pflanzenheilkunde

    Ein Dauerthema bei vielen Bekannten. Viele Freunde schwören auf Homöopathische Mittel. Da ich weiss, wie diese Hergestellt werden ist der Placebo-Effekt schon mal weg. Ich bin ein Fan von Pflanzenheilkunde. Viele Nutzpflanzen wachsen bei uns sehr gut und können ohne viel Aufwand verarbeitet werden.

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  • a.b. am 24.10.2013 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Freedom of Choice

    Herr Kovic, Vereinspräsident sagt: «Mit dieser Aktion wollen wir die Menschen dazu bringen, sich kritisch mit Homöopathie auseinanderzusetzen». Schön. Wenn Sie nicht daran glauben, ist schon gut. Jeder wählt für sich, zum Glück.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • CestCaLaVie am 26.10.2013 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Placebo-Effekt nicht vergöttern!

    1. Der Placebo-Effekt ist klein, unberechenbar, unvoraussehbar und bei allen (Heil)Mitteln (wenn man dran glaubt) vorhanden. 2. Wenn man einzig den Placebo-Effekt als Argument für die Verwendung eines "Heilmittels" hat, könnte man ja irgendeine beliebige Methode erfinden, verkaufen und Geld damit machen (Hauptsache man belügt die Kundschaft geschickt). Ich glaube aber nicht, dass Homöopathen da zustimmen würden. 3. Die Behauptung seitens der Homöopathen, der Placebo-Effekt sei bei ihnen grösser als bei wissenschaftlich fundierten Methoden ist nur eins: arrogant gelogen.

  • Susanne am 24.10.2013 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verblödung

    Für den reinen Placeboeffekt braucht's keine homöopathischen Kügeli und keine weiteren nutzlosen, inhaltslosen, unwirksamen und wissenschaftlichen NIE gebrachten Beweise mit schwachsinnigen Pseudomitteli. Placebo gibt's seit Jahrzehnten und Smarties haben den gleichen Effekt, aber es ist kriminell gerade mit chronisch Kranken, alten Leuten und Krebskranken mit der "Hoffnung" zu belügen und noch Geld damit zu machen. Betrug nennt man das und das sollte endlich unterbunden werden! Das ist sektiererisch und esoterisch, aber sicherlich NIE medizinisch von Nutzen.

  • P.B. am 24.10.2013 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    weder Chemie noch Placebo

    Was konsequent von der Pharma-Industrie unterschlagen wird ist die Tatsache, dass Homöopathie nichts mit Chemie zu tun hat und auch keinen Anspruch erhebt, eine biochemische Wirkung zu haben. Es ist ein biophysikalischer Effekt, der eher mit der Bioresonanz als der Chemie verwandt ist. Das hat auch nichts mit Placebo zu tun, sondern mit der Tatsache, dass es eine Medizin gibt, welche auf physikalischen Phänomenen beruht, sehr zum Ärger der Pharma-Multis.

  • M.......... K................. am 24.10.2013 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaftler die Wissen schaffen

    mehr sind Sie nicht die sogenannte Studierten: Ich selber habe aber einen gesunden Menschenverstand und der sagt mir sehr genau was gut ist und was nicht. Ich erkenne die Wahrheit auch wenn es nicht aus dem Labor mit x Nebenwirkungen herangezüchtet worden ist. deswegen Alternative Medizin ? ja auf alle Fälle

  • Carla am 24.10.2013 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sigmund Freud sagte mal

    Wenn man sich für einen Skeptiker hält, tut man gut daran, gelegentlich auch an seiner Skepsis zu zweifeln. Diese sollten sich das wirklich mal zu Herzen nehmen. Ist schon fast krank. Da hilft kein Pülferchen mehr ;-)