Vierfachmord

13. Mai 2016 16:15; Akt: 14.05.2016 10:42 Print

So grausam ging der Täter von Rupperswil vor

Es ist eines der schrecklichsten Verbrechen der Schweiz: Ein Student löscht in Rupperswil eine ganze Familie aus. Das Protokoll der grausamen Tat.

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Die Aargauer Staatsanwaltschaft und die Polizei gaben am 13. Mai 2016 eine Pressekonferenz. Sie gaben bekannt, dass sie den Täter gefasst haben: Einen 33-jährigen Schweizer. Der Student hatte ein sexuelles Motiv: Er wollte sich am jüngeren Sohn von Carla S. vergehen. Er bedrohte die Familie und zwang die Mutter, für ihn Geld abzuheben. Dann verging er sich am jüngeren Sohn. Am Ende schnitt er den vier Opfern die Kehlen durch: Die Polizei fand bei einer Hausdurchsuchung am Donnerstag, 12. Mai 2016 einen Rucksack mit Fesselungsmaterialien sowie eine alte Armeepistole. Der Mann hatte seine nächste Tat bereits geplant. Mit diesem Bild einer Überwachungskamera suchte die Polizei nach Zeugen: Carla S. hob am 21. Dezember 2015 in Rupperswil und Wildegg Geld ab. Tiefe Betroffenheit: Gemeindeammann Ruedi Hediger versucht, die Gefühlsage in Rupperswil zu erklären. (Archiv) Der Tatort in Rupperswil AG. (24.12.2015) Mithilfe der Bevölkerung gesucht: Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, hält das Flugblatt mit dem Zeugenaufruf in der Hand. (24. Dezember 2015) Kantonspolizisten befragen an Weihnachten die Bevölkerung von Rupperswil. Die Dorfidylle ist nach der Bluttat vorbei. Über Nacht ist Rupperswil landesweit bekannt geworden. Dorfbewohner hinterlegen Kerzen und Karten an der Stätte des Verbrechens. Auch ihre beiden Kinder zählen zu den Opfern. Etwa der 19-jährige Dion S. Und auch der 13-jährige Davin S. Beim vierten Opfer soll es sich um Simona F. handeln. Die 21-Jährige war die Freundin von Dion S.. Carla und ihre Kinder pflegten ein inniges Verhältnis. Auch Nachbarn beschreiben die Familie als sehr sympathisch und freundlich. Im Ort ist die Anteilnahme gross. Viele kommen vorbei, legen Kerzen oder selbst geschriebene Briefe und Blumen nieder. Besonders die Klassenkameraden von Davin sind entsetzt und verzweifelt über dessen Tod. Am Montag, 21. Dezember kurz nach elf Uhr meldeten Nachbarn, dicker Rauch trete aus einem Einfamilienhaus aus. Die vier Opfer wurden im Innern des Hauses gefunden. Sie waren offenbar alle vier stark verkohlt. Die Identifikation gestaltete sich als schwierig. Die vier Personen weisen Stichwunden auf. Alle vier seien zudem Opfer. Der Täter befinde sich nicht unter den Toten, hiess es vonseiten der Staatsanwaltschaft. In dem Haus wohnte die Mutter mit ihren zwei Söhnen. Gemäss Bekannten der Familie lebte sie getrennt von ihrem Ehemann. Ihr Freund G.M. war jedoch auch an der Adresse gemeldet. Polizisten in einem Feld nahe des Hauses: Offenbar suchen sie etwas. Laut der Polizei gehört die Suche nach Beweismitteln zur routinemässigen Untersuchung dazu. Feuerwehrleute und Polizisten vor der mobilen Einsatzzentrale auf der Lenzhardstrasse in Rupperswil. Die Feuerwehrleute mussten psychologisch betreut werden. Sie sagen, schreckliche Szenen boten sich ihnen im Innern des Hauses. Die Feuerwehrleute drangen mit Atemschutztrupps ins Zweifamilienhaus ein. Als diese das stark verrauchte Haus durchsuchten, stiessen sie auf die toten Personen. Die Ermittler haben sich in Spitälern und Apotheken nach Verdächtigen erkundigt: Eine Kriminaltechnikerin im Einsatz beim Tatort. Spezialisten der Polizei, Rechtsmediziner und Vertreter der Staatsanwaltschaft ermitteln vor Ort auf Hochtouren.

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21. Dezember 2015, frühmorgens:
Der Täter beobachtet das Haus von Carla S. in Rupperswil. Er wartet, bis ihr Lebensgefährte zur Arbeit fährt. Dann dringt er ins Haus ein.

21. Dezember 2015, vor 9.45 Uhr:
Er bedroht den jüngeren Sohn Davin (13) von Carla S. und zwingt sie so, ihren älteren Sohn Dion (19) und dessen Freundin Simona (21) mit Kabelbindern zu fesseln und zu knebeln. Dann nötigt er die Mutter, für ihn Geld zu holen.

21. Dezember, 9.50 Uhr:
Carla S. hebt am Bancomaten der Hypothekarbank Rupperswil 1000 Euro ab.

21. Dezember, 10.10 Uhr:
Carla S. lässt sich in einer Bankfiliale in Wildegg 9850 Franken auszahlen.

21. Dezember, nach 10 Uhr:
Carla S. kommt zurück zum Haus. Der Täter fesselt und knebelt auch sie. Dann vergeht er sich an Davin.

21. Dezember, vor 11 Uhr:
Der 33-Jährige schneidet allen Gefesselten die Kehlen durch. Dann legt er im Haus Feuer, um seine Spuren zu verwischen. Dann flüchtet er.

21. Dezember, kurz nach 11 Uhr:
Anwohner alarmieren wegen des Rauchs die Feuerwehr. Der Vater von Carla S. geht mit einer Nachbarin ins brennende Haus, muss aber wegen des Qualms umkehren. Die Polizei findet später im Doppeleinfamilienhaus die Leichen.

24. Dezember 2015:
Der Fall ist ein Rätsel. Die Polizei sucht mit Flugblättern nach Zeugen.

21. Januar 2016:
Die Staatsanwaltschaft setzt auf die Hilfe des Fernsehens. Sie fragt «Aktenzeichen XY ... ungelöst» an. Der Fall wird abgedreht und hätte am 8. Juni ausgestrahlt werden sollen.

18. Februar 2016:
Die Aargauer Behörden setzen 100'000 Franken Belohnung für Hinweise zum Täter aus.

9. Mai 2016:
Die Polizei hat den Mann im Visier. Die konkreten Vorarbeiten für eine Verhaftung beginnen

12. Mai 2016:
Die Polizei entscheidet sich für einen schnellen Zugriff und verhaftet den Täter. Zwei Stunden später ist wegen eines Fingerabdrucks klar, dass er in die Tat involviert ist. Bei ihm zu Hause findet die Polizei Fessel-Utensilien und eine Pistole. Der Schweizer gesteht, Carla S. sowie Davin, Dion und Simona ermordet zu haben.

13. Mai 2016:
Die Staatsanwaltschaft und die Polizei informieren an einer Pressekonferenz über die Verhaftung.

(hal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • auch Omi am 13.05.2016 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    mit sowas hätte wohl niemand gerechnet, ein unmöglich Ding in der braven Schweiz wird zur traurigen Gewissheit. Mein Beileid gehört den Angehörigen, grossen Dank an alle Polizisten, Fander und Profiler.

  • Hene am 13.05.2016 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rupperswil

    Dank und Gratulation der Polizei und allem Beteiligten die zur Aufklärung des schrecklichen Verbrechens beigetragen haben

  • Kim am 13.05.2016 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Zum Glück... endlich ist der grausame Täter dieser Tat gefasst. Wirklich schrecklich zu was gewisse Menschen fähig sind. Danke an alle Ermittler und co die geholfen haben den Fall zu lösen... Ich hoffe es hilft den hinterbliebenen zumindest ein wenig dabei, damit abzuschliessen, auch wenn die Narben immer bleiben werden...

Die neusten Leser-Kommentare

  • jowe am 15.05.2016 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..was folgt aks nächstes?

    und nun wird vermutlich in seiner Kindheit Grund gesucht um zu erklären weshalb er so etwas getan haben könnte. Mir graut es jetzt schon vor diesen Begründungen.

  • Tschutschu am 15.05.2016 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schock

    Wurde sogar die Handynummer des Mörders veröffentlicht wo man sieht dass er am Donnerstag morgen zuletzt online war.

  • mo am 14.05.2016 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimm...

    Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen! Das ganze beschäftigt mich sehr! So was könnte jedem passieren!

  • Ewigkeitsstudent am 14.05.2016 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    mit 33 studieren

    was studiert einer mit 33 noch und wie lange wohl noch - etwa Psychologie oder Psychiatrie

    • Mäd Meks am 16.05.2016 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ewigkeitsstudent

      Als ich noch Maschinenbau studierte (mit 21 jahren), waren sogar wenige ü50 bei der Vorlesung dabei. Man ist nie zu alt für ein Studium.

    einklappen einklappen
  • Burim am 14.05.2016 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetz verändenern

    Bei guter Führung ist dieser Psychopath wieder frei, traurig aber wahr