Atomausstieg

27. November 2016 18:38; Akt: 28.11.2016 09:49 Print

So haben die AKW-Gemeinden gestimmt

Bis zu 90 Prozent Nein: Die Bürger von Leibstadt, Döttingen, Däniken und Mühleberg wollen ihre Atomkraftwerke noch nicht hergeben.

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Mit 95 Prozent Nein-Stimmen werde die Initiative der Grünen in seiner Gemeinde verworfen, prognostizierte Peter Hirt, der Gemeindeammann von Döttingen AG, als 20 Minuten Anfang Monat im Dorf zu Besuch war.

Ganz so deutlich fiel das Verdikt der Döttinger zwar nicht aus –
immerhin 82,6 Prozent der Stimmberechtigten warfen aber ein Nein in die Urne. Beznau I und II, die sich auf dem Gemeindegebiet befinden, dürfen damit bis auf weiteres am Netz bleiben. Auch die anderen Standortgemeinden von Atomkraftwerken haben die Atomausstiegsinitiative wuchtig abgelehnt.

Rekord-Nein in Leibstadt

Fast neun von zehn Personen (89,7%) stimmten in Leibstadt AG Nein. Auch die Nachbargemeinden zeigten sich an der Urne atomfreundlich und schickten die Initiative mit Nein-Stimmenanteilen zwischen 72,6 (Endingen) und 84,6 Prozent (Leuggern) bachab. Im gesamten Kanton Aargau betrug der Nein-Stimmen-Anteil rund 63 Prozent.

Die Gemeinde Däniken SO als Standortgemeinde des AKW Gösgen erteilte der Ausstiegsinitiative mit 78,2 Prozent Nein-Stimmen eine Abfuhr. Umliegende Gemeinden stimmten ebenfalls mit Nein-Stimmenanteilen, die deutlich über dem Solothurner Mittel von 60,5 lagen, gegen die Vorlage. In Mühleberg BE, wo das AKW 2019 abgeschaltet wird, betrug der Anteil der Nein-Stimmen 72,6 Prozent.

Steuersegen und Arbeitsplätze

Das Phänomen ist aus früheren Anti-AKW-Abstimmungen bekannt. Die atomfreundliche Haltung wird meist mit wirtschaftlichen Gründen erklärt, sind doch viele Einwohner als Angestellte oder Angehörige von Angestellten mit den Kraftwerken verbunden.

Hinzu kommt, dass die AKW-Betreiberinnen traditionell gute Steuerzahlerinnen waren – wobei diese Zeiten vielerorts vorbei sind. In Peter Hirts Döttingen zahlte die Axpo etwa 2008 noch 12 Millionen Franken Steuern, letztes Jahr waren es nicht einmal mehr zwei Millionen.

Zu den wirtschaftlichen Gründen kommen psychologische. Anwohner leben seit Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft von Kernkraftwerken und haben offenbar Vertrauen in die Betreiber und den Betrieb.

Das sagten die Döttinger vor der Abstimmung zur Atomausstiegsinitiative:

(jbu/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 27.11.2016 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .. am Ständemehr gescheitert...

    Die Gehirnwäsche geht weiter. Die Formulierung "die heute am Ständemehr gescheitert ist" will suggerieren, dass das Volk eigentlich schon dafür war und verschweigt, dass auch 55% der Abstimmenden und somit eine deutliche Mehrheit dagegen waren.

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  • Fragende am 27.11.2016 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    WIR?

    «So stärken wir die Schweiz und schaffen Arbeitsplätze im Land.»....Aha, wer ist wohl WIR und für wen will man Arbeitsplätze schaffen? Die Schweizer sind da wohl erfahrungsgemäss in beiden Fällen nicht gemeint.

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  • Roland Graf am 27.11.2016 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Atomaustieg

    Ich finde auch das die grünen einfach zu extrem waren,und das war die Absage.Ich bin auch kein Befürworter der Atomenergie aber wir haben sie mal und der Ausstieg ist unwiederruflich.wäre die Iniatitive nicht so extrem gewesen hätte ich ja gestimmt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 28.11.2016 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Frage...

    Die AKW's müssen unbedingt neu gebaut werden, sonst ist unsere Energie nicht mehr vorhanden, mit was denn ? Man will E-Fahrzeuge anschaffen, alle mögliche Elektrogeräte besitzen, mit was für Energie ? Gesund überlegen ist gefragt. Wir sind weder in Japan noch in Ukraine...!

    • Roland Kaiser am 28.11.2016 22:51 Report Diesen Beitrag melden

      Nette Satire

      Ja. Und Bohrlöcher für neue Feuerlöscher werden auch nicht mehr gebraucht. Ist vielleicht auch besser so; die Wände bröseln auch so schon genug. Ausserdem will das Aargau den Guiness-Titel ältestes AKW die nächsten 35 Jahre behalten.

    • Gähn am 29.11.2016 02:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Roland Kaiser

      Welche Wände bröseln? Einschlüsse haben nichts mit bröseln zu tun. Zudem scheinen Sie es nicht so genau zu nehmen, ob Sie von Beznau oder Leibstadt reden. Hauptsache Sie können gegen die AKW hetzen.... Schlechter Verlierer?

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  • yoyo rapper am 28.11.2016 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kompetenz

    yo, das man mit soviel Geld was die Schweiz hat nicht die eigene Sicherheit beachtet?!?! Hat die Schweizer Führungsebene falsche Berater? Oder weil es Arbeit heisst, lassen wir es so....... Sorry wen man nicht raus will, baut man weningstens ein neues.

    • Luke am 28.11.2016 22:32 Report Diesen Beitrag melden

      @yoyo rapper

      Weise Überlegung. Ein Neubau, wäre mit den heutigen Sicherheits- und Produktionstandarts, eine Ultimativlösung. Nur zwingen uns "die Grünen" ja, die alten, relativ unproduktiven, weiter zu betreiben. Mit einem Neubau, benötigten wir vielleicht sogar nur noch 2 AKW (satt 4). Die Abfallprodukte, hätten ebenfalls eine geringere HWZ. Aber ein Neubau, wissen die gezielt zu verhindern. Notfalls würde die Baustelle einfach angezündet werden o.ä. Gab doch alles schon.

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  • Donald Duck am 28.11.2016 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Hokus Pokus Fidibus

    Man kann ja auch Hokus Pokus Fidibus spielen und einfach was ankreuzen oder ja und nein, vielleicht auch jein stimmen. Kommt ja eh nicht drauf an. In Bundesbern wird ja kein Volksentscheid akzeptiert oder gar umgesetzt.

  • Martin Meier am 28.11.2016 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Entscheid

    Zum Glück ist das Richtige rausgekommen bei dieser Initiative. Bin selber nicht für Atomstrom. Aber woher hätte die fehlende Energie kommen sollen? Aus Atomstrom oder Kohlestrom aus dem Ausland - wäre ein Abschieben des Problems. Ah ja,alternative Energien wären ja auch toll.Meiner Meinung nach müsste man das viel mehr fördern.Aber wer reklamiert wieder,wenn man ein Windrädli auf einem Berg aufstellen möchte und sich die Tierchen daran gestört fühlen könnten?Die Grünen,richtig.Und genau diese inkonsequente Denkweise verstehe ich leider nicht.Der langsame Ausstieg ist das einzig Richtige

    • U. Roth am 28.11.2016 14:30 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Stauseen!

      @ Martin Meier Richtig, gab ja schon Einsprachen, weil man die Grimsel Staumauer etwas erhöhen wollte. Gäbe es wirklich keine Möglichkeit in den Alpen noch einen Stausee anzulegen? Selbst bei einem Dammbruch kann man nach 3 Tagen wieder mit Aufräumen beginnen. Bei einem AKW ,,Blow Up'' kann man dann mind. 200 Jahre warten....

    • Sunnyboy am 28.11.2016 16:53 Report Diesen Beitrag melden

      Photovoltaik massiv fördern

      Martin Meier: Wenn wir die Landschaft mit Windrädern von 100 m Höhe und darüber verspargeln, wird der Tourismus leiden. Die Schönheit der Schweizer Landschaft ist dessen grösster Trumpf. Wir können aber viel mehr aus der Photovoltaik herausholen als geplant. Auf jedes neue Gebäude gehört ein subventioniertes Solardach. Die Photovoltaik nähert sich mit Riesenschritten der Wirtschaftlichkeit. Auch die Speichertechnik ist viel weiter entwickelt als den meisten Parlamentariern bekannt sein dürfte.

    • Vreni Meier am 28.11.2016 17:28 Report Diesen Beitrag melden

      Kapazitätsfaktor der Photovoltaik klein

      @Sunnyboy. Der Kapazitätsfaktor der Photovoltaik ist mit 10% sehr klein. Sie müssen also 10 Mal mehr Solarzellen installieren, bis Sie theoretisch(!) die gewünschte Energie erhalten. Anders ausgedrückt: Solarzellen haben nicht mal 900 Vollaststunden im Jahr bei 8760 Stunden im Jahr. In Deutschland haben Solarzellen vergleichsweise nicht mal 1 % an der erzeugten Gesamtenergie (Achtung. Energie nicht Strom).

    • Neues vum Sünnali am 28.11.2016 21:30 Report Diesen Beitrag melden

      Ajour bleiben

      Vreni Meier: 10 % ist längst Geschichte. Holen Sie sich die aktuellen Zahlen und Infos über die weltweite Photovoltaik-Entwicklung bei

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  • herb kehler am 28.11.2016 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Volksabstimmungen sollten obligatorisch werden oder sonst mit Busse bei nicht stimmen. Dann würden die Entscheidungen ganz anders ausfallen.

    • Tina am 28.11.2016 13:22 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte nicht!

      Klar, eine Überlegung wäre es wert, doch es würde schlimme Folgen haben. Diejenige, die sich nicht dafür interessieren würden auch die Wahlunterlagen nicht lesen und «einfach so» etwas abstimmen, nur damit es keine Busse gibt. Mittlerweile ist es ja bekannt dass einige Parteien (ich nenne keine Namen^^) nicht ganz eine transparente Politik feiern und gerne etwas im Initiativtext verstecken, welche nicht interessierte nicht lesen bzw realisieren würden.

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