No-Billag-Debatte

07. Juli 2017 12:52; Akt: 07.07.2017 12:52 Print

So sähe eine geschrumpfte SRG aus

von A. Schawalder - Ein neuer Bericht rechnet vor, wie eine verkleinerte SRG aussehen könnte. Die SVP fordert gar die Halbierung der TV-Gebühren.

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Die No-Billag-Initiative will Empfangsgebühren abschaffen. Zwar lehnt die zuständige Kommission des Nationalrats die Initiative ab. Sie hat aber trotzdem beim Bund eine Studie bestellt, die aufzeigen soll, welche Auswirkung eine Kürzung der Gebühren hätte. Welche Sendungen wären betroffen? Bei einer Reduktion der Gebühren von 60 Franken pro Person und einer Ausgabendecke von einer Milliarde Franken müsste die Zahl der Eigenproduktionen gesenkt werden. Das könnte laut Medienexperte Kurt Zimmermann etwa die Sendung «Der Bestatter» treffen. Heute spülen die Gebühren 1,2 Milliarden Franken ins SRG-Budget. Der Schweizer «Tatort» wäre in diesem Szenario möglicherweise ebenfalls betroffen, da eine Sendung laut SRF Millionen Franken kostet. Oder auch die Diskussionsplattform «Hallo SRF», die sich der Anliegen des Publikums annimmt. Zudem müsste die Zahl der Regionalbüros in diesem Szenario reduziert werden. Insgesamt würden 800 Vollzeitstellen abgebaut werden. Im zweiten Szenario des Bakom sänken die Gebühren pro Person um 135 Franken und das Jahresbudget der SRG betrüge 750 Millionen Franken. Dann müssten wahrscheinlich weitere Sendungen daran glauben. Die «Rundschau» oder der «Kassensturz» gehören zu den teuren im Angebot. Ein drittes Szenario bringt Gregor Rutz von der SVP ins Spiel. Er möchte die Gebühren halbieren. Damit hätte die SRG noch etwa 600 Millionen Franken jährlich zur Verfügung. Laut Gregor Rutz müsste das SRG dafür stark umstrukturiert werden. «17 Sender, wie es sie zur Zeit gibt, sind einfach nicht nötig», erklärt Rutz. Auch im Ausland eingekaufte Filme und Serien seien überflüssig, denn diese würden private Sender genauso zeigen.

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Schon im nächsten Jahr könnte die No-Billag-Initiative vors Volk kommen, die eine Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren fordert. Nicht alle wollen so weit gehen – verschiedentlich forderte die Politik auch bloss tiefere Gebühren.

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Nun zeigt ein neuer Bericht des Bundesamts für Kommunikation (Bakom), wie eine günstigere SRG aussehen würde. Der Bericht untersucht zwei Szenarien: Im ersten müsste die SRG mit Gebühren von 1 Milliarde Franken haushalten, im zweiten mit 750 Millionen. Heute erhält die SRG rund 1,2 Milliarden Franken Gebührengelder. Ein weiteres Szenario brachte diese Woche die SVP ins Spiel: Sie forderte eine Halbierung der Gebühren. Die Szenarien im Detail.

Szenario 1: 1-Milliarden-Vorschlag

• 40 bis 60 Franken tiefere Gebühren
• Rund 800 der heute 5750 Stellen müssten abgebaut werden.
• Die SRG müsste laut Bakom mehr Sendungen bei anderen einkaufen und die Zahl der Schweizer Produktionen reduzieren. Laut Einschätzung von Medienexperten Kurt W. Zimmermann würde es weniger grosse Sendungen wie «Die grössten Schweizer Talente» oder «Der Bestatter» geben. Teure Sendungen wären zurzeit der Schweizer «Tatort» oder «Hallo SRF».
• Die Zahl der Standorte und Regionalbüros müsste reduziert werden.

Szenario 2: 750-Millionen-Vorschlag

• 105 bis 135 Franken tiefere Gebühren
• Abbau von rund 1900 der heute 5750 Stellen.
• Laut Bakom würden rund 40 Prozent der Schweizer Eigenproduktionen wegfallen. Sendungen wie die «Rundschau», «Einstein» oder «Kassensturz» kosten mehr als 100’000 Franken pro Sendung.
• Die «Tagesschau» und die Nachrichtensendung «10vor10» gehören zu den teuersten Sendungen. Laut Kurt Zimmermann besteht da viel Sparpotential in der Redaktion, gerade im Vergleich zur Privatwirtschaft.
• In Sprachregionen gäbe es nur noch Regionalbüros statt Zentralen, so das Bakom.

Szenario 3: 600-Millionen-Vorschlag
• Die SVP fordert eine Halbierung der Radio-und TV-Gebühren auf noch etwa 225 Franken.
• Unklar, wie viele Stelle betroffen wären.
• In diesem Fall müsste das SRF laut SVP-Nationalrat Gregor Rutz deutlich umstrukturiert werden: «17 Sender, wie es sie heute gibt, sind einfach unnötig.» Gekaufte Filme und Serien wären auch nicht nötig, denn diese würden private Sender genauso zeigen.
• Das SRF müsste sich gemäss Rutz auf seine Kernaufgaben besinnen. «Dazu gehören namentlich die Information der Bevölkerung mittels Newssendungen, kulturelle Beiträge sowie Angebote in kleineren Sprachregionen.»

Wie gross ist das Sparpotenzial?

Medienkritiker Kurt W. Zimmermann sieht auf jeden Fall Sparpotenzial: «Das Fernsehen in Österreich oder im mehrsprachigen Belgien ist deutlich günstiger.» Eine Einsparung von 450 Millionen Franken wie im Szenario 2 sei machbar. «Hätten die grossen Sprachregionen alle dasselbe Budget wie die italienische Schweiz, würden insgesamt etwa 750 Millionen Franken an Gebührengeldern reichen», sagt er. Im Tessin reiche das aus, um ein Fernsehen zu machen, das bessere Quoten habe als in der Deutschschweiz.

Medienexperte Ueli Custer verfolgt die Kürzung-Debatte dagegen skeptisch – es brauche einen starken Service public: «Lässt sich die SRG auf eine Spardebatte ein, kann sie eigentlich nur verlieren.» Es werde immer jemanden geben, der der gerade abgeschafften Sendung nachtrauere. Auch müsste man zum Sparen die Struktur zentralisieren, was laut Custer zu Kritik führen würde. Die Medienstelle der SRG nahm zu den verschiedenen Szenarien nicht Stellung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lightning 6 am 07.07.2017 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Billag usw

    Nicht 40-60.- günstiger, ich möchte für SRG gar nichts bezahlen, da ich diesen Müll nie schaue, für den rest habe ich bezahlsender oder Streaming

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  • roll2go am 07.07.2017 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    längst fällig

    In der Unfrage fehlt die Antwortmöglichkeit "alle"! Schawinski und Glanz&Gloria würde ich auf jedenfall noch heute abschaffen!

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  • No Billag am 07.07.2017 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Geldvernichtungsmaschine SRG

    Habe kürzlich einen SRF-Dreh beobachtet: Wipkingerpark bei der Limmat war ein Tag lang gesperrt, ca. 25 Schauspieler, 10 Crew-Mitglieder, Equipment bis zum Gehtnichtmehr. Stellt euch mal die Kosten vor. Was schlussendlich dabei rauskam? Ein 30-sekündiger Festivaltrailer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • zimper am 08.07.2017 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    srg kozzzzkoloz

    srg ist super, de weck ist noch besser und das meteo schaue ich gern bei meinem grosi

  • Km am 08.07.2017 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No bilag gleich no SRG

    no bilag Initiative heisst für die Schweiz keine SRG mehr. Ohne Geld kein Fernsehen. Deshalb hat die no bilag keine Chance. Zu extrem. Die Initianten hätten sich auf eine sanftere Variante entscheiden müssen.

  • mrInsider am 08.07.2017 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwangsgebühr!

    Die Zwangsgebühr ist ein alter Zopf und gehört schon lange abgeschafft. Heute gibt es genügend andere Möglichkeiten die Befölkerung im Notfall zu informieren. Die SRG ist eine überteuerte, überschätzte und viel zu grosse Geldvernichtungsmaschine. Jeder soll nur noch für das bezahlen, was er brauch! Das ist auch in der Privatwirtschaft so... Willkommen in der Wirklichkeit!

  • Ich am 08.07.2017 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    testbild

    das srf plappert nur den mainstreem, nachrichten werden einfach so von reuters übernommen. die sinnvollen, eigenen formate beibehalten, ab 24 uhr das alt bewährte testbild. aktuelle billag-kosten und das gelieferte programm sind nicht gerechtfertigt. trash gibt's auch ohne srf bereit's zuviel

  • Milchkuh am 08.07.2017 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    SRG politisch überhaupt nicht unabhängig

    Es geht nicht nur um ein Sparproblem, weshalb ich mit den gestellten Fragen wenig anfangen kann. Unser Staatsfernsehen ist in Politsendungen klar linkslastig, bevormundend, manipulativ und alles andere als ausgewogen! Dies ist der grosse Skandal bei den Zwangsgebühren, mit welchen wir linke Wahl- und Abstimmungspropaganda mitfinanzieren! Nur dank des Internets kann ich mich vielseitig informieren.

    • Mälchior am 09.07.2017 12:44 Report Diesen Beitrag melden

      Sonnenklar

      wer noch weiter rechts als beispielsweise die SVP steht, für den ist selbstverständlich alles linkslastig. Ihre Internetquellen wären interessant zu erfahren - also diejenigen wo Sie sich sog. vielseitig informieren.

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