Massive Zunahme

29. Mai 2015 09:07; Akt: 29.05.2015 13:29 Print

So viele misshandelte Kinder wie noch nie

Schläge, Beschimpfungen, sexueller Missbrauch: Die Zahl der misshandelten Kinder hat 2014 um 9 Prozent zugenommen. Drei Kleinkinder verstarben sogar.

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Mädchen werden deutlich häufiger Opfer von sexuellem Missbrauch als Knaben. (Bild: Keystone/Christof Schuerpf/Symbolbild)

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Immer wieder werden Kinder in der Schweiz Opfer von Misshandlungen. Und die Zahl nimmt stetig zu, wie eine Auswertung der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie zeigt. Im vergangenen Jahr sind in 21 Kinderkliniken 1405 Fälle registriert worden – dies entspricht einer Zunahme von 9 Prozent. Das sind so viele wie noch nie, heisst es in einer Mitteilung.

Besonders tragisch: Drei Kinder starben in den Kinderkliniken an den Folgen von Misshandlungen. Zwei Kleinkinder waren jünger als ein Jahr und erlebten körperliche Misshandlungen. Ein zwischen ein und zwei Jahre altes Kind starb an Vernachlässigung.

Körperliche Misshandlung am häufigsten

Die häufigste Form der Kindesmisshandlung ist die körperliche Misshandlung. Sie macht mehr als 28 Prozent aller erfassten Fälle aus. Am zweithäufigsten ist mit 27 Prozent die psychische Misshandlung. Der Anteil der Kinder, die psychisch misshandelt wurden, sei in den letzten Jahren gestiegen, schreibt die Gesellschaft.

Unter den Begriff psychische Misshandlung fallen Fälle, in denen Kinder verbal gedemüdigt, bedroht oder genötigt werden. Auch bei Kindern, die häusliche Gewalt miterleben und dadurch stark verängstigt sind, spricht man von psychischer Misshandlung. Bei 23 Prozent der misshandelten Kinder ging es um sexuellen Missbrauch, bei 22 Prozent um Vernachlässigung.

Eine sehr seltene, nur in vier Fällen erfasste Art der Misshandlung ist das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Dabei erfinden oder verursachen Eltern bei ihren Kindern Krankheiten oder Krankheitssymptome. Es wird vermutet, dass die Eltern Aufmerksamkeit und Zuwendung erreichen wollen, beispielsweise durch die behandelnden Ärzte.

Rund hundert Strafanzeigen

Die Auswertung zeigt, dass Knaben und Mädchen in einem ähnlichen Ausmass körperliche und physische Gewalt sowie Vernachlässigung erleben. Hingegen sind 75% der Opfer von sexuellem Missbrauch weiblich.

Die Täter kommen oft aus dem nächsten Umfeld der Kinder: In 78 Prozent aller Misshandlungsfälle sind es Familienangehörige, bei rund 13 Prozent Bekannte des Kindes. Nur in etwa 3 Prozent aller Fälle ist der Täter ein Fremder. Bei rund 7 Prozent ist er unbekannt.

In jedem fünften Fall entschlossen sich die Ärzte eine Gefahrenmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zu machen. In knapp hundert Fällen musste die Kinderschutzgruppe gar eine Strafanzeige einreichen. Die Fachgruppe kommt zum Schluss, dass Kindsmisshandlungen häufig in Familien, die in schwierigen sozialen Verhältnissen leben, vorkommen.

(dia/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hansi am 29.05.2015 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fehlende Massnahmen

    Kein Wunder wenn die Täter nicht entsprechend bestraft werden! Hier müssen härtere Massnahmen ergriffen werden, damit diese Täter weg vom Fenster sind.

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  • Unbekannt am 29.05.2015 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Es ist eine Schande, wenn man seine Wut oder Frust an den Kindern ablassen muss. Ich habe als Kind auch so etwas erlebt. Ich habe jetzt noch damit zu kämpfen. Man sollte einfach keine Kinder in die Welt setzten, wenn man nicht damit fertig wird.

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  • Lena Brücker am 29.05.2015 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    sicher?

    Ich glaube nicht, dass diese Zahl stimmt. Es wurde einfach mehr sensibilisiert und man getraut sich mehr, die Fälle zu melden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Mordasini am 29.05.2015 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wir Eltern müssen gute Vorbilder sein!

    Wie sollen Kinder lernen, dass sie andere, gerade zB Schwächere, nicht schlagen sollen, wenn sie im Gegenzug vom stärkeren Erwachsenen aus Frust, Überforderung, gar Überzeugung geschlagen, erniedrigt und verängstigt werden? Unsere Kinder sollen uns immer alles anvertrauen dürfen, egal was sie angestellt haben und nicht aus Angst zu Lügnern werden! Meine Schwestern und ich wurden auch gewaltlos erzogen und sind alle drei gut geraten. Warum also wichtige Werte einprügeln, wenn es ganz klar auch anders geht? Gewalt hat in der Kindererziehung nichts verloren, denn sie schadet nur statt zu nützen

  • Andrea Mordasini am 29.05.2015 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt vorleben, nicht einprügeln!

    Ich würde mir zeitlebens die grössten Vorwürfe machen, hätte ich einem Kind in Not trotz Verdacht/Kenntnis nicht geholfen! Mangelnde Zivilcourage, Gleichgültigkeit, Egoismus des Umfelds machen Übergriffe und Missbräuche erst recht möglich. Es darf doch nicht sein, dass Erwachsene per Gesetz besser geschützt sind als Kinder! Sie gewaltlos und mit viel Liebe, Wärme, Geduld und Verständnis zu erziehen, hat nichts mit lascher antiautoritärer Kuschelerziehung zu tun, sondern mit Respekt gegenüber den Kindern! Wie sollen Kinder Respekt vor Erwachsenen haben, wenn diese sie respektlos behandeln?

  • Andrea Mordasini am 29.05.2015 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gewalt an Kindern ist Charakterschwäche!

    Mich, zweifache Mutter, machen solche Berichte enorm wütend, betroffen und traurig! Was sind das bloss für Menschen, die Gewalt an Kindern befürworten und an ihnen ausüben? Gewalt ist nie eine gute Lösung und erzeugt nur Gegengewalt und Angst. Wehr-, hilf- und schutzlosen Kindern Gewalt (körperlich, seelisch, sexuell) anzutun, ist extrem feige und gehört endlich verboten und härter bestraft! Belangt werden sollten aber auch die, die trotz Kenntnis von Misshandlungen lieber tatenlos und feige weg- bzw hinschauen, statt rechtzeitig einzuschreiten und zwar wg unterlassener Hilfeleistung!

  • Mutter am 29.05.2015 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Mami hat mich oft geschlagen

    Wenn ich was angestellt habe versteckte ich mich sogleich weil meine Mami kam um mich ausschimpfte und oft bekam ich was auf den pö. Fazit: leider hat sie zu oft ein Auge zugedrückt und manchmal hätte ich mir mehr strenge gewünscht um nicht die Konsequenzen ertragen zu müssen. Eltern schlagen manchmal ihre Kinder nicht um ihnen weh zu tun sondern sie zu schützen und auch Werte beizubringen wie Anstand Respekt und liebe. Ich liebe mein Mami die gütigste u liebevollste pers die ich kenne P.s. Ich schlage meine Kinder nicht, wir haben Strafraum, aber nur weil sie nicht so schlimm sind wie ich :)

  • Stift am 29.05.2015 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz und Kinder

    Ich bin heute 62 Jahre alt und wuchs mit 10 Geschwistern auf. Wir hatten nicht viel und unser Vater war ein Alkoholiker, der seine Aggressionen an unserer Mutter und uns Kindern ausliess. War schlimm und verfolgt mich heute noch, in Form von Ängsten. Hier sind wir alle gefordert, nicht zuzuschauen und genau hin zu hören. Zu den Auswanderern noch ein Kommentar. Die Schweiz hat ein hervorragendes soziales Netz und ist Kinderfreundlich orientiert. Aber Auto, Super Wohnung, 3 mal Ferien usw. liegt mit einem Einkommen nicht drin. Aber ein gesundes Kind, sollte Materielles mehr als aufwiegen.