Zugverspätung

08. März 2018 11:46; Akt: 08.03.2018 12:41 Print

Ricklis SBB-Tweets sind «typisch schweizerisch»

Zugverspätungen, zu laute Schiffshörner und zu teure Parktickets – Schweizer regen sich gern über Kleinigkeiten auf. Haben wir keine echten Probleme? Ein Sozialpsychologe nimmt Stellung.

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Herr Fichter, SVP-Nationalrätin Natalie Rickli forderte Freibier, weil ihr Zug stecken geblieben war. Regen sich Schweizer zu schnell auf?
Die Aufregung gehört bei den Schweizern einfach dazu. Sie steht im direkten Zusammenhang mit gesellschaftlichen Werten wie Pünktlichkeit, Sauberkeit und Ordentlichkeit. Wenn solche Normen verletzt werden, regen wir uns auf, dann meldet sich der «innere Bünzli». Ich finde diese Eigenschaft positiv – auch wenn es immer wieder Leute gibt, die meinen, die Schweizer sollten lockerer werden und sich mehr gehen lassen.

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Regen sich die Schweizer zu sehr über Kleinigkeiten auf?

Man könnte auch sagen, Zugverspätungen, teure Parktickets oder laute Schiffshörner seien Lappalien. Die Aufregung darüber zeigt doch nur, dass wir in der Schweiz keine echten Nöte haben.
Stimmt genau – und darüber bin ich froh! Es soll bloss niemand kommen und klagen, wir hätten keine echten Probleme. In den letzten Jahrzehnten hatten wir in der Schweiz – etwas überspitzt formuliert – nun einmal keine grösseren Probleme als Zugverspätungen. Vor diesem Erfahrungshintergrund mokiert man sich eben gern über scheinbare Banalitäten. Aber auch unser subjektives Gefühl von Sicherheit trägt zu mehr oder weniger Aufregung bei.

Inwiefern?
Das Klima der Sicherheit pendelt hin und her. Im Moment scheint die Welt aus den Fugen geraten zu sein – Trump, Nordkorea und Syrien lassen grüssen. Die Schauplätze sind zwar geografisch weit weg, aber durch unsere Wahrnehmungskanäle – allen voran das Handy – doch stets präsent. Werden Normen in einem Klima der Unsicherheit verletzt, ist das für die Menschen noch viel störender.

Oft heisst es «Reg dich nicht auf, das bringt doch nichts». Ist es nicht sinnlos, sich aufzuregen?
Ganz und gar nicht. Wenn sich Menschen aufregen, ist das ein Indikator dafür, dass etwas nicht stimmt. Es zeigt, dass man handeln muss – auch wenn es sich bloss um das Absetzen eines Tweets handelt. Eine Stunde lang zu twittern und sich dabei in seinem Frust zu suhlen, ist allerdings nur noch destruktiv. Leider können sich negative Emotionen auch verselbständigen.

(sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dominic am 08.03.2018 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu oft

    Eine Verspätung ist sehr wohl eine Kleinigkeit (ab einer Stunde wirds aber doch etwas too much). Ja ok, ich bin auch aus dem Äquatorraum... Der Unterschied ist aber, wenn die Verspätung 3 von 5 Tagen die Woche eintritt.

  • Marko 32 sein Sohn am 08.03.2018 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm ist

    das Medien dieser Person noch Aufmerksamkeit schenkt

  • nei aber au am 08.03.2018 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mir tut si soooo leid

    einfach eine arme frau. wäre sie nicht so prominent würde man schlicht und einfach aus dieser sache kein medien drama machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wendy E. Müller am 08.03.2018 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ist unser gutes Recht....

    Die SBB behauptet von sich selber die pünktlichste Bahn zu sein also man erwartet hohe Pünktlichkeit. Wenn es nicht so ist, dann hat man jeden Grund sich auch aufzuregen und zu reklamieren und dies auch wegen den überteuerten Ticketpreise.

  • nei aber au am 08.03.2018 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gesellschaftliche stellung

    für mich ist so ein tweet einfach nur peinlich. gibt es leute die finden sich soo wichtig?

  • Domi64 am 08.03.2018 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufregung

    Seit einem Jahr rege ich mich fast täglich auf. Wir haben ein Haus gebaut und wenn jeder machen würde was er sollte und sich an das halten würde was er verspricht, hätte ich mich nicht aufregen müssen. Meine Aufregung hat aber mehr als nur einmal dazu geführt dass es vowärts ging. Eine Stunde Zugverspätung ist dagegen nichts.

  • Olaf Rustle am 08.03.2018 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Wenn der Schweizer das Beste der Welt hat, dann denkt er "jäää das könnte man noch verbessern" Wegen dieser Unzufriedenheit sind wir zuoberst auf dem Innovationsindex und haben pro Kopf so viele Patente

  • Neumann am 08.03.2018 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Eigenschaften

    Frau Rickli hat schon richtig reagiert. Im Gegensatz zu uns Normalos wurde ihr aber sofort von der SBB geantwortet. Das weckt Neid. Ich bin halber Südländer, aber finde auch, dass Pünktlichkeit eine super Sache ist und die Grundlage für reibungsloses Zusammenleben /-arbeiten. Wir Schweizer haben tolle Eigenschaften die uns zum Erfolg verholfen haben. Kein Grund also, diese unter den Scheffel zu stellen oder sich darob zu schämen. Relax.